Special church tax complaint rejected for insufficient reasoning

BFH I B 64/11Bfh / 1re division12 oct. 2011Dismissed

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Résumé

The plaintiff, a member of the Evangelical-Lutheran Church in Bavaria, was assessed special church tax for 2004 and 2005 after filing joint income tax returns with her husband in a mixed-faith marriage. The tax court dismissed her action and denied leave to appeal. In the complaint against non-admission, she argued that the special church tax discriminates against married persons and violates constitutional protection of marriage and family. The Federal Fiscal Court rejected the complaint because it did not satisfy the reasoning requirements of § 116(3) sentence 3 FGO; it failed to engage with the settled BFH and Federal Constitutional Court case law upholding the tax.

Regest

§ 115 Abs. 2 Nr. 1, § 116 Abs. 3 Satz 3 FGO; special constitutional complaints against the non-admission of revision require specific substantiation. A complaint asserting unconstitutionality of a provision must engage in a reasoned manner with the relevant jurisprudence of both the Federal Fiscal Court and the Federal Constitutional Court. Mere invocation of Art. 4 and Art. 6 GG is insufficient where the challenged tax rule has already been held constitutional in settled case law; failure to address that case law renders the complaint inadmissible.

Texte intégral

BFH — I B 64/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-10-12

Aktenzeichen: I B 64/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 115 Abs 2 Nr 1 FGO, § 116 Abs 3 S 3 FGO, Art 4 GG, Art 6 GG, Art 1 Abs 2 Nr 3 KiStG BY

Vorinstanz: vorgehend FG München, 29. März 2011, Az: 1 K 3824/10, Urteil

Spruchkörper: 1. Senat

Titelzeile

Besonderes Kirchgeld - glaubensverschiedene Ehe

Leitsatz

NV: Es ist in der Rechtsprechung geklärt, dass die Erhebung des besonderen Kirchgelds verfassungsgemäß ist.

Tatbestand

1 Die Klägerin und Beschwerdeführerin (Klägerin) ist Angehörige der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sie lebte in den Streitjahren (2004 und 2005) in sog. glaubensverschiedener Ehe und wurde mit ihrem Ehemann zusammen zur Einkommensteuer veranlagt.

2 Mit den Kirchgeldbescheiden für 2004 und 2005 wurde gegenüber der Klägerin ein besonderes Kirchgeld in Höhe von jeweils 1.200 € festgesetzt. Die Einsprüche blieben ebenso wie die Klage ohne Erfolg. Das Finanzgericht (FG) hat die Revision nicht zugelassen.

3 Mit der hiergegen erhobenen Beschwerde macht die Klägerin im Wesentlichen geltend, dass das besondere Kirchgeld Verheiratete (gleichheitswidrig) benachteilige und deshalb gegen das verfassungsrechtliche Gebot, Ehe und Familie zu schützen (Art. 6 Abs. 1 des Grundgesetzes --GG--), verstoße.

Entscheidungsgründe

4 Die Beschwerde ist zu verwerfen, da sie nicht den Begründungserfordernissen des § 116 Abs. 3 Satz 3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) genügt.

5 Zwar kann einer Rechtssache aufgrund des Vortrags, dass eine vom FG angewandte Norm verfassungswidrig sei, grundsätzliche Bedeutung i.S. von § 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO zukommen. Auch eine solche Rüge bedarf jedoch der Substantiierung (§ 116 Abs. 3 Satz 3 FGO). Erforderlich ist deshalb u.a. eine eingehende Auseinandersetzung mit der für die aufgeworfene verfassungsrechtliche Frage einschlägigen Rechtsprechung sowohl des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) als auch des Bundesfinanzhofs --BFH-- (z.B. BFH-Beschluss vom 16. November 2009 I B 58/09, BFH/NV 2010, 905; Gräber/Ruban, Finanzgerichtsordnung, 7. Aufl., § 116 Rz 34, m.w.N.). An Beidem fehlt es vorliegend. Die Beschwerdeschrift lässt nicht nur jegliche Auseinandersetzung mit der ständigen Rechtsprechung des Senats (vgl. z.B. Beschluss vom 29. Januar 2010 I B 98/09, BFH/NV 2010, 1123) vermissen, nach der die Erhebung des besonderen Kirchgelds verfassungsgemäß ist und insbesondere die Grundrechte aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG sowie aus Art. 6 GG nicht verletzt. Sie lässt darüber hinaus auch den --noch während des finanzgerichtlichen Verfahrens ergangenen-- Nichtannahmebeschluss des BVerfG (vom 28. Oktober 2010 2 BvR 591/06, 2 BvR 1689/09, 2 BvR 2698/09, 2 BvR 2715/09, 2 BvR 148/10, 2 BvR 816/10, Neue Juristische Wochenschrift 2011, 365) unberücksichtigt, nach dem es verfassungsrechtlich unbedenklich ist, dass der Lebensführungsaufwand des kirchensteuerpflichtigen Ehepartners der Besteuerung zugrunde gelegt und dieser nach dem gemeinsamen Einkommen beider Eheleute bemessen werde.

Mots-clés

special church taxmixed-faith marriageadmissibilitysubstantiation requirementconstitutional complaintfundamental importancereligious freedommarriage and familycase law