BFH representation requirement also applies to hearing complaints

BFH II S 8/09Bfh / 2e division7 oct. 2010Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The plaintiffs filed informal remedies against a prior BFH order that had finally rejected interim relief against a property tax assessment. The BFH held that all such remedies were inadmissible. It confirmed that a hearing complaint under § 133a FGO is also subject to the mandatory representation requirement of § 62(4) FGO and rejected the constitutional and EU-law objections. The court also stated that counter-objections are fee-free, while the hearing complaint triggers a EUR 50 court fee.

Regeste Omnilex

§ 133a FGO, § 62 Abs. 4 FGO; the hearing complaint before the BFH is itself a process act initiating proceedings and is therefore subject to the mandatory representation requirement. Failure to be represented by one of the statutorily authorized professionals renders the complaint inadmissible. The representation requirement does not violate Art. 19(4) GG or Art. 2(1) GG, since access to the court is not unreasonably hindered; nor does it contravene the EU Charter, which allows member states to impose procedural representation requirements for reasons of procedural economy. Counter-objections remain fee-free; a hearing complaint is subject to the fee provided in the court costs schedule.

Texte intégral

BFH — II S 8/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-10-07

Aktenzeichen: II S 8/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 133a FGO, § 62 Abs 4 FGO vom 12.12.2007, § 62a FGO, Art 19 Abs 4 GG, Art 103 Abs 1 GG, Art 2 Abs 1 GG, EUGrdRCh, § 1 GKG

Vorinstanz: vorgehend BFH, 30. Januar 2009, Az: II B 164/08, Beschluss

Spruchkörper: 2. Senat

Titelzeile

Vertretungszwang vor dem BFH auch bei Anhörungsrüge verfassungsgemäß - Grundrechtsschutz in gerichtlichen Verfahren - Keine Gerichtsgebühren für Gegenvorstellung

Tatbestand

1 I. Der Senat hat durch Beschluss vom 30. Januar 2009 in dem Verfahren II B 164/08 eine Beschwerde der Kläger, Beschwerdeführer und Rügeführer (Kläger) wegen fehlender Statthaftigkeit sowie Nichtbeachtung des Vertretungszwangs als unzulässig verworfen. Mit ihrer Beschwerde hatten sich die Kläger gegen die Ablehnung der Aussetzung der Vollziehung (AdV) eines Grundsteuerbescheids des Beklagten, Beschwerdegegners und Rügegegners (Finanzamt) durch das Finanzgericht gewandt. Dieses hatte die Beschwerde an den Bundesfinanzhof (BFH) nicht zugelassen.

2 Gegen den Beschluss des Senats haben die selbst nicht postulationsfähigen Kläger in eigener Person "Einspruch, Widerspruch, Erinnerung und Rechtsbeschwerde" eingelegt und geltend gemacht, der Beschluss sei aus formellen Gründen nichtig, verstoße, soweit er auf dem Vertretungszwang vor dem BFH beruhe, gegen ranghöheres Verfassungs- und Europarecht und verletze ihr rechtliches Gehör.

Entscheidungsgründe

3 II. Die von den Klägern gegen den Beschluss vom 30. Januar 2009 II B 164/08 eingelegten Rechtsmittel des "Einspruchs, Widerspruchs, der Erinnerung und der Rechtsbeschwerde" sind sämtlich unzulässig und deshalb zu verwerfen.

4 1. Mit dem Beschluss vom 30. Januar 2009 ist letztinstanzlich entschieden, dass den Klägern kein Anspruch auf AdV zusteht. Rechtsmittel gegen den Beschluss sind nicht mehr gegeben. Eine weitere Entscheidung des BFH in dieser Sache ist deshalb nicht möglich.

5 2. Statthaft ist zwar die Anhörungsrüge nach § 133a der Finanzgerichtsordnung (FGO), soweit die Kläger einen Verstoß gegen ihren Anspruch auf rechtliches Gehör geltend machen. Sie ist aber ebenfalls allein schon deswegen als unzulässig zu verwerfen, weil die Kläger wiederum nicht durch einen Rechtsanwalt, Steuerberater, Steuerbevollmächtigten, Wirtschaftsprüfer oder vereidigten Buchprüfer vertreten sind und damit auch in diesem Verfahren den Vertretungszwang nach § 62 Abs. 4 FGO nicht beachtet haben. Der Vertretungszwang gilt auch für die Erhebung der Anhörungsrüge nach § 133a FGO (BFH-Beschlüsse vom 25. Mai 2009 V B 135/08, BFH/NV 2009, 1450, und vom 22. Juli 2010 V S 8/10, nicht amtlich veröffentlicht; vgl. Spindler in Hübschmann/Hepp/Spitaler, § 62 FGO Rz 99). Denn nach § 62 Abs. 4 Satz 2 FGO gilt der Vertretungszwang für alle Prozesshandlungen, durch die ein Verfahren vor dem BFH eingeleitet wird.

6 Entgegen der Rechtsansicht der Kläger greift der in Verfahren vor dem BFH geltende Vertretungszwang nicht in verfassungsrechtlich geschützte Rechtspositionen ein. Nach ständiger Rechtsprechung verstößt er insbesondere nicht gegen die Rechtsschutzgarantie des Art. 19 Abs. 4 des Grundgesetzes (GG); denn die Anrufung des BFH wird dadurch weder unzumutbar noch in sachlich nicht zu rechtfertigender Weise erschwert (vgl. m.w.N. BFH-Beschluss vom 8. Februar 2008 VII B 256/07, BFH/NV 2008, 968, sowie Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 11. Oktober 1976 1 BvR 373/76, Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung 1977, 33). Aus diesem Grund liegt auch keine Verletzung von Art. 2 Abs. 1 GG vor, dem im Rahmen des Grundrechtsschutzes in gerichtlichen Verfahren lediglich eine Auffangfunktion zukommt. Im Übrigen gehört auch das Prozessrecht zur verfassungsmäßigen Ordnung, die vom Grundrechtsträger bei der Wahrnehmung seines Freiheitsrechtes zu beachten ist.

7 Der Vertretungszwang stellt auch keinen Verstoß gegen die Charta der Grundrechte der Europäischen Union dar. Denn diese nimmt den Mitgliedstaaten nicht die Möglichkeit, aus verfahrensökonomischen Gründen vor bestimmten Gerichten einen Vertretungszwang vorzusehen (vgl. Alber in Tettinger/Stern, Kölner Gemeinschaftskommentar der Europäischen Grundrechte-Charta, 2006, Art. 47 Rz 72).

8 3. Das Gegenvorstellungsverfahren ist gerichtsgebührenfrei (vgl. BFH-Beschluss vom 14. November 2006 IX S 14/06, BFH/NV 2007, 474).

9 Für die Entscheidung über die Anhörungsrüge wird eine Gebühr in Höhe von 50 € erhoben (vgl. Nr. 6400 der Anlage 1 zu § 3 Abs. 2 des Gerichtskostengesetzes --Kostenverzeichnis--).

Mots-clés

representation requirementhearing complaintadmissibilityright to be heardconstitutional reviewcourt feesprocedural economytax procedure

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the informal remedies against the prior BFH order were admissible

Solution extraite

They were all inadmissible; no further BFH decision was possible after the final order of 30 January 2009.

Motifs extraits

The earlier BFH decision finally denied the requested interim relief, leaving no ordinary remedy open.

Question juridique clé

Whether a hearing complaint under § 133a FGO may be filed without professional representation

Solution extraite

No; the hearing complaint is subject to the representation requirement of § 62(4) FGO and was therefore inadmissible.

Motifs extraits

A hearing complaint is a process act initiating proceedings before the BFH, so the mandatory representation rule applies to it as well.

Question juridique clé

Whether the BFH representation requirement violates constitutional or EU fundamental rights

Solution extraite

It does not violate Art. 19(4) GG, Art. 2(1) GG, or the EU Charter.

Motifs extraits

The requirement does not make access to the BFH unreasonable or unjustifiably difficult and is a permissible procedural rule for reasons of procedural economy.

Question juridique clé

Whether a fee is charged for the hearing complaint and whether the counter-objection is fee-free

Solution extraite

The counter-objection procedure is fee-free, but a fee of EUR 50 is charged for the hearing complaint.

Motifs extraits

The court relied on established BFH case law for fee-free counter-objections and the court costs schedule for the hearing complaint fee.

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