Patent nullity action: admissibility of plaintiff substitution

BPatG 4 Ni 67/09 (EU)Tribunal fédéral des brevets / 4e division4 août 2010Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Patent Court decided by interlocutory judgment that the requested substitution on the plaintiff side in a patent nullity action was admissible. The original plaintiff had sought to replace itself with its UK subsidiary after the defendants requested security for costs. The court held that the substitution was serviceable because the dispute remained the same, there was no delay, and a further action would be avoided. The loss of the security-for-costs obligation did not make the substitution inadmissible.

Regeste Omnilex

§ 84 Abs. 1 S. 2 PatG, § 99 Abs. 1 PatG, § 263 ZPO; plaintiff substitution in patent nullity proceedings: If the admissibility of the action depends on who is party plaintiff, the question is to be decided by interlocutory judgment where it cannot remain open until final judgment. A voluntary plaintiff change requires declarations by the outgoing and incoming plaintiff and, absent consent by the opposing party, the serviceability criterion of § 263 ZPO. Serviceability exists where the procedural subject matter remains unchanged, no delay in the resolution of the dispute is caused, and a further proceeding is avoided. The circumstance that the change removes an obligation to provide security for costs does not, by itself, negate serviceability (consid. 1-3).

Texte intégral

BPatG — 4 Ni 67/09 (EU), Zwischenurteil

Entscheidungsdatum: 2010-08-04

Aktenzeichen: 4 Ni 67/09 (EU)

Dokumenttyp: Zwischenurteil

Normen: § 84 Abs 1 S 2 PatG, § 263 ZPO, § 99 Abs 1 PatG

Spruchkörper: 4. Senat

Titelzeile

Patentnichtigkeitsklageverfahren – zur Sachdienlichkeit eines Klägerwechsels – Feststellung durch Zwischenurteil

Tenor

In der Patentnichtigkeitssache

betreffend das europäische Patent 1 206 680

( DE 500 13 238 )

hat der 4. Senat (Nichtigkeitssenat) des Bundespatentgerichts am 4. August 2010 durch den Vorsitzenden Richter Rauch, die Richterin Friehe, die Richter Dipl.-Phys. Dr. Morawek, Dipl.-Phys. Dr. Müller und Dipl.-Ing. Veit

für Recht erkannt:

Der Parteiwechsel auf Klägerseite ist zulässig.

Neue Klägerin ist die H… Co., Ltd. (Vereinigtes Königreich).

Tatbestand

1 Die Beklagten sind Inhaber des mit der Klage angegriffenen europäischen Patents 1 206 680 mit der Bezeichnung „Optisches Gerät“. Mit Schriftsatz vom 1. März 2010 verlangten sie von der ursprünglichen Klägerin, der H1…, T…, die Leistung von Prozesskostensicherheit gem. § 81 Abs. 6 PatG.

2 Daraufhin beantragte die H1… mit Schriftsatz vom 31. Mai 2010, dass an ihrer Stelle ihre britische Tochterfirma als Klägerin geführt werden solle. Diese wird wie folgt angegeben:

3 H… Co., Ltd.

4 P… in

5 C…

6 M…

7 United Kingdom

8 Gleichzeitig erklärte die genannte Tochterfirma ihre Zustimmung zur Übernahme des Verfahrens.

9 Die Beklagten lehnen den Parteiwechsel ab. Für ihn bestehe kein Anlass, insbesondere weil die Klägerin dadurch lediglich die Erbringung von Sicherheitsleistung zu vermeiden suche.

Entscheidungsgründe

10 1. Gemäß § 84 Abs. 1 Satz 2 PatG ist über die Zulässigkeit der Nichtigkeitsklage durch Zwischenurteil vorab zu entscheiden, sofern die damit verbundenen Fragen im weiteren Verfahren bis zum Endurteil nicht offen bleiben können. Dies betrifft im vorliegenden Fall die Frage, wer auf Klägerseite Partei des Nichtigkeitsverfahrens ist. Von ihrer Beantwortung hängt nämlich ab, ob die Beklagten gem. § 81 Abs. 6 Satz 1 PatG die Leistung von Prozesskostensicherheit verlangen können. Dies wäre ohne Parteiwechsel der Fall, weil die ursprüngliche Klägerin mit Sitz in Taiwan nicht von der Sicherheitsleistung befreit ist (Schulte /Kühnen , PatG, 8. Aufl., § 81 Rn. 197), anders als ihre Tochtergesellschaft mit Sitz im Vereinigten Königreich, d. h. einem EU-Mitgliedsstaat.

11 2. Der gewillkürte Parteiwechsel auf der Klägerseite ist gem. § 99 Abs. 1 PatG i. V. m. § 263 ZPO zulässig. Erforderlich hierfür sind Parteiwechselerklärungen des alten und des neuen Klägers, die in dem genannten Schriftsatz vom 31. Mai 2010 enthalten sind.

12 Die in Ermangelung der Zustimmung seitens der Beklagten notwendige Sachdienlichkeit des Parteiwechsels ist hier anzunehmen. Maßgeblich hierfür ist, dass sich durch den Wechsel der Prozessstoff nicht ändert, die Erledigung des Rechtsstreits nicht verzögert und ein weiterer Rechtsstreit vermieden wird (vgl. BGH GRUR 1996, 865 - Parteiwechsel ; Schulte/ Kühnen , a. a. O., § 81 Rn. 12).

13 Dass durch den Parteiwechsel die Pflicht zur Leistung einer Prozesskostensicherheit entfällt, stellt dessen Sachdienlichkeit schon deshalb nicht in Frage, weil auch bei Rücknahme der vorliegenden Klage und Erhebung einer neuen Klage durch die Tochtergesellschaft keine Sicherheitsleistung zu erbringen wäre.

14 3. Der Senat konnte ohne mündliche Verhandlung entscheiden, nachdem alle Beteiligten auf deren Durchführung verzichtet haben (Schulte /Kühnen , a. a. O., § 83 Rn. 9).

Mots-clés

patent nullity actionplaintiff substitutionserviceabilitysecurity for costsinterlocutory judgmentprocedural standing

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the plaintiff side substitution was admissible in the patent nullity action

Solution extraite

The voluntary substitution of the plaintiff was admissible.

Motifs extraits

The change was serviceable because the subject matter of the dispute remained unchanged, the proceedings would not be delayed, and a second lawsuit would be avoided. The fact that the substitution would eliminate the security-for-costs obligation did not defeat serviceability.

Question juridique clé

Which entity was to be treated as plaintiff after the substitution

Solution extraite

H… Co., Ltd. (United Kingdom) became the new plaintiff.

Motifs extraits

The old and new plaintiffs had both declared the substitution, and the court approved it by interlocutory judgment.

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