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BVerfG 1 BvR 3210/14 ΓÇó Constitutional complaint inadmissible for failure to exhaust remedies
BVerfG 1 BvR 3210/14Bverfg / 1. Senat 2. Kammer17 juil. 2017Inadmissible
The complainant attacked the dismissal of her challenge to a negative ethics-committee opinion of the state medical association, alleging violations of academic freedom and effective judicial protection. The Federal Constitutional Court held the constitutional complaint inadmissible because she had not exhausted available remedies: in the administrative proceedings she had failed to substantiate the application for leave to appeal with respect to all possible grounds for admission, as required by Section 124a(4) sentence 4 VwGO. The Court therefore did not examine the merits.
§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG; subsidiarity of the constitutional complaint; a complaint is inadmissible if the complainant failed to pursue and exhaust available and reasonable procedural means before the Fachgerichte. This includes properly substantiating an application for leave to appeal in accordance with § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO with respect to all seriously conceivable grounds for admission. If that procedural burden is not met, alleged violations of fundamental rights are not reviewed on the merits by the Federal Constitutional Court (consid. 3).
Entscheidungsdatum: 2017-07-17
Aktenzeichen: 1 BvR 3210/14
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2017:rk20170717.1bvr321014
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 124a Abs 4 S 4 VwGO
Vorinstanz: vorgehend Bayerischer Verwaltungsgerichtshof, 23. Mai 2014, Az: 21 ZB 14.117, Beschlussvorgehend VG München, 17. Dezember 2013, Az: M 16 K 12.4255, Urteil
Spruchkörper: 1. Senat 2. Kammer
Nichtannahmebeschluss: Unzulässigkeit einer Verfassungsbeschwerde wegen Subsidiarität bei unzureichender Begründung eines Berufungszulassungsantrags (§ 124a Abs 4 S 4 VwGO) im fachgerichtlichen Verfahren
Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.
I.
1 Die Beschwerdeführerin wendet sich gegen die Abweisung ihrer Klage gegen ein negatives Votum einer Ethikkommission der Landesärztekammer. Das Verwaltungsgericht wies diese als unzulässig ab; das Oberverwaltungsgericht wies den Antrag auf Zulassung der Berufung und die nachfolgend erhobene Anhörungsrüge zurück. Die Beschwerdeführerin habe unter anderem nicht hinreichend dargelegt, dass und inwiefern genau das negative Votum schwerwiegende nachteilige Auswirkungen habe.
2 Mit ihrer Verfassungsbeschwerde rügt die Beschwerdeführerin unter anderem, die Gerichte hätten ihr Recht auf Wissenschaftsfreiheit aus Art. 5 Abs. 3 Satz 1 und auf Rechtsschutz aus Art. 19 Abs. 4 Satz 1 GG verletzt. Das Votum der Ethikkommission bewirke mittelbar-faktisch eine Forschungsblockade. Nach den gerichtlichen Entscheidungen fehle jede Möglichkeit, es gerichtlich überprüfen zu lassen.
II.
3 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Annahmevoraussetzungen nach § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen. Die Beschwerdeführerin hat nicht alle ihr zumutbar zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt, eine etwaige Rechtsverletzung im Verfahren vor den Fachgerichten zu beseitigen (vgl. § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG; vgl. BVerfGE 107, 395 <414>; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 27. November 2007 - 1 BvR 2785/07 -, juris, Rn. 4). Sie hat den Antrag auf Zulassung der Berufung nicht im Hinblick auf alle ernsthaft in Betracht kommenden Zulassungsgründe in der prozessual gebotenen Art und Weise begründet und damit den Anforderungen des § 124a Abs. 4 Satz 4 VwGO nicht genügt.
4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.
5 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.