Non-admission of constitutional complaint for insufficient substantiation

BVerfG 1 BvR 1054/17Bverfg / 1. Senat 2. Kammer8 juin 2017Inadmissible

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Résumé

The First Senate’s Second Chamber of the Federal Constitutional Court declined to admit a constitutional complaint against a Munich Local Court family order excluding contact between a parent and child. The complainant had also sought legal aid and interim relief. The Court held that the complaint was insufficiently substantiated under the constitutional complaint pleading requirements, in particular because it did not show a constitutionally relevant failure to investigate whether a willing third person was available to accompany contact under family-law rules. As a result, legal aid was refused, the complaint was not accepted, and the interim-relief request became moot.

Regest

§ 23 Abs. 1 S. 2, § 92 BVerfGG; Art. 6 Abs. 2 S. 1 GG; § 1684 Abs. 4 S. 3 BGB: A constitutional complaint is inadmissible if it does not substantiate, with concrete factual allegations, a constitutionally relevant violation of the right to parental care and contact. Where a family court excludes contact because no willing contact supervisor is available, it must be shown precisely why the court was obliged ex officio to clarify the availability of a suitable third person. Mere criticism of the family court’s assessment or abstract references to the child’s welfare do not satisfy the pleading burden (consid. 1). Upon non-admission of the complaint, a pending request for interim relief becomes moot (consid. 2).

Texte intégral

BVerfG — 1 BvR 1054/17, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2017-06-08

Aktenzeichen: 1 BvR 1054/17

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2017:rk20170608.1bvr105417

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 6 Abs 2 S 1 GG, § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 92 BVerfGG, § 1684 Abs 1 BGB, § 1684 Abs 3 BGB, § 1684 Abs 4 S 3 BGB

Vorinstanz: vorgehend AG München, 2. Mai 2017, Az: 531 F 9082/16, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Nichtannahme einer mangels hinreichender Substantiierung unzulässigen Verfassungsbeschwerde - Ausschluss des Kindesumgangs und Amtsermittlungspflicht bzgl der Verfügbarkeit eines Umgangsbegleiters iSd § 1684 Abs 4 S 3 BGB

Tenor

  1. Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung eines Rechtsanwalts oder einer Rechtsanwältin wird abgelehnt, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet.

  2. Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

  3. Mit der Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde wird der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegenstandslos (§ 40 Abs. 3 GOBVerfG).

Gründe

1 1. Die Verfassungsbeschwerde hat keine Aussicht auf Erfolg. Ob die Annahme des Amtsgerichts, die Beschwerdeführerin habe wiederholt mit einem eigenmächtigen Umgangsabbruch gedroht, angesichts des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin in den vier Monaten vor Erlass der amtsgerichtlichen Entscheidung alle wöchentlichen Umgangstermine wahrgenommen hat, tatsächlich eine Kindeswohlgefährdung begründen könnte, kann vorliegend dahingestellt bleiben. Offen bleiben kann hier auch, inwiefern - wie das Amtsgericht annimmt - Belästigungen der Verfahrensbeteiligten durch die Beschwerdeführerin und - vom Amtsgericht angenommene - Anzeichen einer psychischen Erkrankung eine Kindeswohlgefährdung begründen könnten; hierfür wäre durch Benennung der maßgeblichen Anknüpfungstatsachen ein konkreter Bezug zum Wohl des Kindes herzustellen. Im Ergebnis hat die Verfassungsbeschwerde deshalb keine Aussicht auf Erfolg, weil die Beschwerdeführerin nicht ausreichend begründet hat, dass das Amtsgericht - indem es den Umgang einstweilen auch mangels Verfügbarkeit eines zum Umgang bereiten Umgangsbegleiters ausgeschlossen hat - in verfassungsrechtlich zu beanstandender Weise nicht der von Amts wegen zu klärenden Frage nachgekommen ist, ob und wenn ja welcher mitwirkungsbereite Dritte zur Verfügung steht.

2 2. Mit der Nichtannahme der Verfassungsbeschwerde zur Entscheidung er-ledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung (vgl. BVerfGE 102, 197 <198, 224>).

3 3. Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

4 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Mots-clés

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