Inadmissible constitutional complaint; abuse fee against counsel

BVerfG 2 BvR 250/16Bverfg / 2. Senat 2. Kammer3 mars 2017Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Constitutional Court did not admit a constitutional complaint because it was manifestly inadmissible: the submission failed to present the underlying facts, the challenged OLG Stuttgart decision, the prosecutorial decisions, and the family-law judgments in a form enabling constitutional review. After an earlier warning from the Court's General Register, the Court held that filing the complaint was an abuse of process and imposed a EUR 500 abuse fee on the complainant's counsel, attributable to counsel alone.

Regeste Omnilex

§ 23 Abs. 1 S. 2, § 92, § 93a Abs. 2 BVerfGG; substantiation requirements for constitutional complaints; obvious inadmissibility and abuse fee under § 34 Abs. 2 BVerfGG: A constitutional complaint is not admitted where, within the prescribed period, it does not set out the factual basis and the challenged acts in a manner permitting constitutional review. If inadmissibility or manifest lack of prospects is objectively obvious, and especially after judicial warning, filing the complaint may constitute abuse; the fee may be imposed on counsel when the abusive filing is attributable to the lawyer alone. For an abuse fee it is sufficient that a reasonable lawyer would have recognized the complaint as plainly hopeless (consid. 1-3).

Texte intégral

BVerfG — 2 BvR 250/16, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2017-03-03

Aktenzeichen: 2 BvR 250/16

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2017:rk20170303.2bvr025016

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 34 Abs 2 Alt 1 BVerfGG, § 92 BVerfGG

Vorinstanz: vorgehend OLG Stuttgart, 26. Oktober 2015, Az: 4 Ws 288/15, Beschluss

Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Nichtannahme einer aufgrund gravierender Substantiierungsmängel offensichtlich unzulässigen Verfassungsbeschwerde - Erkennbarkeit der offensichtlich fehlenden Erfolgsaussicht bei entsprechendem Hinweis - Auferlegung einer Missbrauchsgebühr zu Lasten des Bevollmächtigten

Tenor

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

Dem Bevollmächtigten des Beschwerdeführers wird eine Missbrauchsgebühr von 500 Euro (in Worten: fünfhundert Euro) auferlegt.

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen (§ 93a Abs. 2 BVerfGG), weil sie unzulässig ist. Die Verfassungsbeschwerde genügt offensichtlich nicht den Anforderungen der § 23 Abs. 1 Satz 2 1. Halbsatz, § 92 BVerfGG. Ihre Begründung lässt weder den zugrundeliegenden Sachverhalt noch eine Verletzung von Rechten im Sinne des § 90 Abs. 1 BVerfGG inhaltlich nachvollziehbar auch nur ansatzweise erkennen. Der Beschwerdeführer hat für die verfassungsrechtliche Beurteilung unverzichtbare Unterlagen, nämlich die von ihm angegriffene Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 26. Oktober 2015 (4 Ws 288/15), die staatsanwaltschaftlichen Bescheide im vorausgegangenen Ermittlungsverfahren sowie die gerichtlichen Entscheidungen in den zugrundeliegenden familienrechtlichen Verfahren, innerhalb der Frist des § 93 Abs. 1 BVerfGG weder vorgelegt noch ihrem wesentlichen Inhalt nach wiedergegeben (BVerfGE 78, 320 <327>; 88, 40 <45>; 93, 266 <288>; BVerfGK 5, 170 <171>).

2 Dem Bevollmächtigten des Beschwerdeführers wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 500 Euro auferlegt, weil die Einlegung der Verfassungsbeschwerde einen Missbrauch darstellt (§ 34 Abs. 2 BVerfGG). Ein Missbrauch liegt vor, wenn die Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig oder unbegründet ist und ihre Einlegung deshalb von jedem Einsichtigen als völlig aussichtslos angesehen werden muss (BVerfGK 6, 219; 10, 94 <97>).

3 Das ist hier der Fall. Die Unzulässigkeit der Verfassungsbeschwerde war aus den oben dargelegten Gründen ohne Weiteres ersichtlich. Auf diesen Mangel wurde der Bevollmächtigte des Beschwerdeführers mit Schreiben des Bundesverfassungsgerichts - Allgemeines Register - vom 8. Dezember 2015 hingewiesen. Aufgrund dieses Hinweises war es ihm zumutbar, sorgfältig zu erwägen, ob er das Bundesverfassungsgericht ungerechtfertigt in Anspruch nimmt, zumal von einem Rechtsanwalt bestimmte Mindestanforderungen an die Substantiierung von Schriftsätzen im Verfassungsbeschwerdeverfahren erwartet werden können, die hier deutlich unterschritten werden. Eine sorgfältige Abwägung hätte den Bevollmächtigten des Beschwerdeführers zu dem Ergebnis führen müssen, dass seine Verfassungsbeschwerde offensichtlich aussichtslos war (BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 3. März 2009 - 2 BvR 239/09 -; Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 1. April 2009 - 2 BvR 532/09 -; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 22. Mai 2010 - 2 BvR 1783/09 -). Die Missbrauchsgebühr kann dem Bevollmächtigten des Beschwerdeführers auferlegt werden, weil ihm die missbräuchliche Handlung allein zuzurechnen ist (vgl. BVerfGK 6, 219 <220>; 10, 94 <97>).

4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

5 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Mots-clés

constitutional complaintsubstantiation requirementsinadmissibilityabuse feecounsel responsibility

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the constitutional complaint should be accepted for decision despite major substantiation defects.

Solution extraite

No. The complaint was manifestly inadmissible because it did not satisfy the substantiation requirements and did not allow any meaningful review of a rights violation.

Motifs extraits

The filing neither sufficiently set out the facts nor reproduced the challenged decisions and other essential materials within the time limit, so the constitutional review could not be carried out.

Question juridique clé

Whether an abuse fee should be imposed on complainant's counsel.

Solution extraite

Yes. A EUR 500 abuse fee was imposed because filing the complaint, despite the obvious lack of prospects and a prior warning, constituted an abuse of process attributable to counsel alone.

Motifs extraits

An abuse exists where a complaint is obviously inadmissible or unfounded and any reasonable person would regard it as wholly hopeless; this was plainly recognizable here after the court's warning.

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