Constitutional complaint rejected; abuse fee for concealment of facts

BVerfG 2 BvR 2190/16Bverfg / 2. Senat 2. Kammer15 févr. 2017Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Constitutional Court did not accept a constitutional complaint against forensic identification measures taken in a criminal investigation under Section 89a StGB. The complaint was held manifestly inadmissible because it failed to satisfy the substantiation requirements and omitted decisive facts, notably that one of the ambulances financed by the complainant's association had allegedly been used in Syria as an attack vehicle. In light of this omission and the complaint's unsachliche tone, the Court found an abusive filing and imposed a misuse fee of EUR 500 on the complainant's representative.

Regeste Omnilex

§ 93a Abs. 2, § 92, § 23 Abs. 1 Satz 2 BVerfGG; § 34 Abs. 2 BVerfGG; admissibility of a constitutional complaint and abuse fee for withholding decisive facts and lack of objectivity. A constitutional complaint is inadmissible where the complainant fails to present, in a constitutionally reviewable manner, the facts and arguments necessary to show an infringement of fundamental rights. The duty of candor requires disclosure of all facts evidently relevant to the decision; the Court is not obliged to reconstruct the material facts from annexes. A misuse fee may be imposed not only where the complaint is objectively frivolous, but also where the pleading deliberately conceals decisive circumstances or is drafted in a grossly unsachliche, defamatory manner (consid. 8-9).

Texte intégral

BVerfG — 2 BvR 2190/16, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2017-02-15

Aktenzeichen: 2 BvR 2190/16

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2017:rk20170215.2bvr219016

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 34 Abs 2 BVerfGG, § 92 BVerfGG, § 89a StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Stuttgart, 1. August 2016, Az: 18 Qs 41/16, Beschlussvorgehend AG Stuttgart, 8. Juni 2016, Az: 29 Gs 4773/16, Beschluss

Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Missbräuchlichkeit der Beschwerdeerhebung iSd § 34 Abs 2 BVerfGG bei Versuch des Vorenthaltens entscheidungserheblicher Tatsachen sowie bei mangelnder Sachlichkeit - hier: Verschweigen von Indizien für Unterstützung des islamistischen Terrorismus als Verdachtsgrund bei Rüge einer Grundrechtsverletzung durch erkennungsdienstliche Behandlung (§ 89a StPO) - zudem Diffamierung durch Vorwurf "rassistischer Diskriminierung" gegenüber Ermittlungsbehörden

Tenor

Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.

Dem Verfahrensbevollmächtigten des Beschwerdeführers wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 500 Euro (in Worten: fünfhundert Euro) auferlegt.

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde wendet sich gegen durchgeführte erkennungsdienstliche Maßnahmen im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens nach § 89a StGB.

I.

2 Die Verfassungsbeschwerde war nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Annahmevoraussetzungen nach § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht erfüllt sind. Die Verfassungsbeschwerde ist offensichtlich unzulässig. Der Beschwerdeführer hat bereits nicht in einer den Begründungsanforderungen der §§ 92, 23 Abs. 1 Satz 2 BVerfGG genügenden Weise vorgetragen, in verfassungsrechtlich geschützten Rechtspositionen verletzt worden zu sein. Eine derartige Rechtsverletzung ist auch sonst nicht erkennbar.

3 Der Beschwerdeführer war bis zum April 2014 Erster Vorstand des - nach seinen Angaben - "salafistisch geprägten" S… e.V. Mit eingeworbenen Spendenmitteln hatte er für diesen Verein mindestens zwei Krankenwagen erworben, die später nach Syrien verbracht wurden.

4 Der Beschwerdeführer hat in seiner Beschwerdeschrift unerwähnt gelassen, dass das Ermittlungsverfahren gemäß § 89a StGB (auch) deshalb gegen ihn geführt wurde, weil nach den Feststellungen des Landgerichts einer dieser Krankenwagen in Syrien - mit ausgebauter Krankenliege und eingebautem Maschinengewehr - als Anschlagsmittel verwendet wurde. Dies ergibt sich erst aus den als Anlagen vorgelegten Entscheidungen des Landgerichts Stuttgart vom 31. März 2015 und der Verfügung der Staatsanwaltschaft Stuttgart vom 6. April 2016.

5 Vor diesem Hintergrund sind die Durchführung eines Ermittlungsverfahrens und die von dem Beschwerdeführer nur rudimentär beschriebenen Ermittlungsmaßnahmen nachvollziehbar und stellen insbesondere keine "rassistische Diskriminierung" (S. 9 der Verfassungsbeschwerde) des Beschwerdeführers dar. Dass das Ermittlungsverfahren später mangels Beweises für eine (subjektive) Kenntnis des Beschwerdeführers von einer entsprechenden Verwendung des Krankenwagens eingestellt wurde, steht dem nicht entgegen.

6 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

II.

7 Die Verfassungsbeschwerde wurde missbräuchlich im Sinne von § 34 Abs. 2 BVerfGG erhoben. Dem Verfahrensbevollmächtigten des Beschwerdeführers ist daher eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 500 Euro aufzuerlegen.

8 Eine Missbrauchsgebühr kann verhängt werden, wenn die Verfassungsbeschwerde in ihrer äußeren Form die gebotene Sachlichkeit vermissen lässt (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 23. Juni 1998 - 2 BvR 1916/97 -, juris, Rn. 3), und auch dann, wenn der Beschwerdeführer versucht, dem Gericht die Kenntnis von für die Entscheidung offensichtlich bedeutsamen Tatsachen vorzuenthalten (vgl. BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 16. August 1994 - 2 BvR 983/94 -, juris, Rn. 16). Das Instrument der Verfassungsbeschwerde wird missbraucht, wenn das Bundesverfassungsgericht bei der Erfüllung seiner Aufgaben in dieser Weise durch eine sinnentleerte Inanspruchnahme seiner Arbeitskapazität behindert zu wird (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 23. Juni 1998 - 2 BvR 1916/97 -, juris, Rn. 3).

9 Die Verwendung wenigstens eines der gespendeten Krankenwagen als Anschlagsmittel in Syrien war von offensichtlicher Relevanz für das Strafverfahren aufgrund des Verdachts einer Finanzierung islamistischer Terroristen. Diese Tatsache war in der Beschwerdeschrift erkennbar mitzuteilen, da es nicht Aufgabe des Bundesverfassungsgerichts ist, sich den verfahrensrelevanten Sachverhalt selbst aus den Anlagen zusammenzusuchen. Angesichts der gegebenen Sachlage erscheint zudem der Vorwurf "rassistischer Diskriminierung" gegenüber den Ermittlungsbehörden als diffamierend und grob unsachlich.

III.

10 Diese Entscheidung ist unanfechtbar. Dies gilt auch hinsichtlich des Ausspruchs über die Missbrauchsgebühr (vgl. BVerfGE 133, 163 <167>).

Mots-clés

constitutional complaintinadmissibilitysubstantiationconcealment of factsmisuse feeobjectivityforensic measuresterrorism investigation

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the constitutional complaint was admissible and sufficiently substantiated

Solution extraite

The complaint was manifestly inadmissible because it did not meet the substantiation requirements and no constitutional violation was otherwise apparent.

Motifs extraits

The complainant failed to disclose facts essential to review, especially that one ambulance had allegedly been used as an attack vehicle in Syria. This omission made the complaint incomplete and prevented meaningful constitutional review.

Question juridique clé

Whether a misuse fee should be imposed on counsel

Solution extraite

A misuse fee of EUR 500 was imposed on the complainant's representative because the complaint was brought in a manifestly abusive manner, including concealment of decisive facts and grossly unsachliche allegations.

Motifs extraits

Misuse exists both where a complaint lacks basic factual candor and where it is filed in an insulting or grossly unsachliche manner. Here, the court found deliberate withholding of decisive information and the accusation of 'racist discrimination' against investigators to be defamatory and grossly inappropriate.

Poursuivez vos recherches dans ChatGPT ou Claude

Connectez Omnilex pour rechercher dans le corpus juridique depuis votre assistant IA.