Referral inadmissible after death of claimant and no continuation

BVerfG 1 BvL 6/12Bverfg / 1. Senat 1. Kammer21 sept. 2016Inadmissible

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Résumé

The Federal Constitutional Court held that a concrete judicial referral concerning the valuation of child-rearing periods in statutory pension insurance was inadmissible. After the claimant in the underlying social court case died, her successors informed the court that they would not continue the proceedings. Although the action was only suspended by operation of law under social court and civil procedure rules, the constitutional question was no longer decisive for the main proceedings because no resumption was to be expected. The Court therefore declared the referral inadmissible.

Regest

Art. 100 Abs. 1 GG, § 80 BVerfGG; concrete judicial referral inadmissible if the underlying proceedings have lost their decisiveness after the claimant's death. The death of an unrepresented claimant in social court proceedings does not terminate the action but suspends it by operation of law under § 202 S. 1 SGG in conjunction with § 239 Abs. 1 ZPO. However, if continuation by the legal successors is no longer to be expected, the referral question ceases to be decision-relevant. In such circumstances, the Federal Constitutional Court must declare the referral inadmissible; an exceptional public interest may justify review only in narrowly defined cases (consid. 3-7).

Texte intégral

BVerfG — 1 BvL 6/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-09-21

Aktenzeichen: 1 BvL 6/12

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2016:lk20160921.1bvl000612

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: Art 100 Abs 1 GG, §§ 80ff BVerfGG, § 80 BVerfGG, § 202 S 1 SGG, § 239 Abs 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend SG Neubrandenburg, 12. Januar 2012, Az: S 4 RA 152/03, Vorlagebeschluss

Spruchkörper: 1. Senat 1. Kammer

Titelzeile

Unzulässigkeit einer Richtervorlage im Normenkontrollverfahren nach Tod der Klägerin des sozialgerichtlichen Ausgangsverfahrens und mangelnder Bereitschaft der Rechtsnachfolger zur Verfahrensfortführung - Wegfall der Entscheidungserheblichkeit

Tenor

Die Vorlage ist unzulässig.

Gründe

I.

1 Die Vorlage betrifft die Bewertung von Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung, wenn für denselben Zeitraum Pflichtbeiträge aus einer sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit geleistet wurden.

2 Nach Einleitung des Verfahrens der konkreten Normenkontrolle beim Bundesverfassungsgericht ist die nicht durch einen Prozessbevollmächtigten vertretene Klägerin des Ausgangsverfahrens verstorben. Ihre Rechtsnachfolger werden nach den Feststellungen des vorlegenden Sozialgerichts den fachgerichtlichen Rechtsstreit nicht fortsetzen.

II.

3 Nach dem Tod der unvertretenen Klägerin des Ausgangsverfahrens, deren Rechtsnachfolger den fachgerichtlichen Rechtsstreit nicht fortführen wollen, ist die Grundlage für eine Sachentscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Vorlage entfallen. Denn der Ausgang des fachgerichtlichen Verfahrens hängt nicht mehr von der Entscheidung über die Vorlagefrage ab. Erledigt sich das Ausgangsverfahren, so fehlt es ab diesem Zeitpunkt regelmäßig an der Entscheidungserheblichkeit der vorgelegten Rechtsfrage (vgl. BVerfGE 14, 140 <142>; 29, 325 <326 f.>; 51, 161 <163 f.>; 108, 186 <209>; BVerfGK 18, 290 <291>; vgl. zu Ausnahmen von diesem Grundsatz BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 26. Juli 2016 - 1 BvL 8/15 -, juris, Rn. 63).

4 Zwar führt der Tod des unvertretenen Klägers im Sozialgerichtsprozess nicht zur Erledigung des Klageverfahrens sondern wird der Rechtsstreit durch den Tod des Klägers, der keinen Prozessbevollmächtigten hat, nach § 202 Satz 1 Sozialgerichtsgesetz in Verbindung mit § 239 Abs. 1 Zivilprozessordnung kraft Gesetzes lediglich unterbrochen; die Unterbrechung dauert bis zur Aufnahme des Verfahrens durch den Rechtsnachfolger fort. Dies gilt jedenfalls für Klagen, die - wie hier - keine höchstpersönlichen Rechte oder Pflichten zum Gegenstand haben (vgl. zum Ganzen etwa Keller, in: Meyer-Ladewig/Keller/Leitherer, SGG, 11. Auflage, Vor § 114 Rn. 2; Leitherer, ebenda, § 70 Rn. 8).

5 Eine solche Unterbrechung des Ausgangsverfahrens führt aber jedenfalls dann zum Wegfall der Entscheidungserheblichkeit der vorgelegten Rechtsfrage, wenn mit einer Verfahrensfortsetzung durch die Rechtsnachfolger nicht mehr zu rechnen ist.

6 So verhält es sich hier. Als Rechtsnachfolger der Klägerin des Ausgangsverfahrens konnten deren beiden Söhne ermittelt werden, die gegenüber dem Sozialgericht mitgeteilt haben, den Rechtsstreit nicht fortsetzen zu wollen. Mit einer Wiederaufnahme des Ausgangsverfahrens ist dauerhaft nicht zu rechnen. Ein ausnahmsweises öffentliches Interesse an der Bescheidung der konkreten Normenkontrolle besteht nicht.

7 Es bedarf allerdings einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Unzulässigkeit der Vorlage, weil der Vorlagebeschluss seitens des Sozialgerichts nicht aufgehoben worden ist (vgl. BVerfGE 29, 325 <326 f.>; BVerfGK 18, 290 <291>).

8 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Mots-clés

concrete judicial reviewadmissibilitydecision relevancedeath of claimantsuccessionsuspension of proceedings