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BVerfG 2 BvR 1714/16 ΓÇó Constitutional complaint inadmissible pending IRG remedy
BVerfG 2 BvR 1714/16Bverfg / 2. Senat 2. Kammer25 août 2016Dismissed
The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint in an extradition case because the complainant had not first pursued the available remedy under § 33(2) IRG with respect to new submissions. The Court held that subsidiarity under § 90(2) BVerfGG required prior recourse to the competent Higher Regional Court, which had not yet ruled on the new material. As a result, the request for interim relief was also moot. The Court noted that the Higher Regional Court may, if warranted, suspend extradition under § 33(4) IRG.
§ 90 Abs. 2 BVerfGG; § 33 Abs. 2 und 4 IRG; subsidiarity of the constitutional complaint in extradition proceedings: New factual or legal submissions must first be presented in the pending specialist-court procedure under § 33(2) IRG. Constitutional review is unavailable so long as the Higher Regional Court has not examined whether the new circumstances justify a different decision. In that context, the court must assess whether, in light of the additional submissions, compliance with the requesting state’s binding assurances appears unlikely; if the specialist-court review so requires, it may order a stay of extradition under § 33(4) IRG (consid. 1-2).
Entscheidungsdatum: 2016-08-25
Aktenzeichen: 2 BvR 1714/16
ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2016:rk20160825.2bvr171416
Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss
Normen: § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 33 Abs 1 IRG, § 33 Abs 2 IRG, § 33 Abs 4 IRG
Vorinstanz: vorgehend OLG Düsseldorf, 10. August 2016, Az: III - 3 Ausl 17/14, Beschluss
Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer
Nichtannahmebeschluss: Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde gegenüber dem fachgerichtlichen Verfahren nach § 33 Abs 2 IRGÜberprüfung der Zulässigkeitsentscheidung aufgrund neuer Umstände im Auslieferungsverfahren
Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.
Damit erledigt sich der Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung.
1 1. Die Verfassungsbeschwerde ist, soweit sie das Vorbringen aus den Schriftsätzen vom 20. und 22. August 2016 betrifft, unzulässig, denn ein Beschwerdeführer muss die Beseitigung des Hoheitsaktes, durch den er in seinen Grundrechten verletzt zu sein meint, zunächst mit den ihm durch das Gesetz zur Verfügung gestellten anderen Rechtsbehelfen zu erreichen suchen (§ 90 Abs. 2 BVerfGG).
2 Über einen Antrag des Beschwerdeführers nach § 33 Abs. 2 des Gesetzes über die internationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 27. Juni 1994 (BGBl I S. 1537) zu dem neuen Vortrag hat das Oberlandesgericht Düsseldorf bisher nicht entschieden (zur Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde in dieser Konstellation vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 29. Oktober 1990 - 2 BvR 303/89 -, juris; vom 15. Dezember 1996 - 2 BvR 2407/96 -, juris, Rn. 4). Das Oberlandesgericht Düsseldorf wird im Rahmen einer neuen Prüfung der Geeignetheit der Umstände für eine andere Entscheidung insbesondere zu erwägen haben, ob auf Grund des Vortrags des Beschwerdeführers zu der Behandlung der drei mutmaßlichen Mitbeschuldigten durch den ersuchenden Staat im Einzelfall zu erwarten ist, dass die völkerrechtlich verbindliche Zusicherung nicht eingehalten wird (vgl. BVerfGK 14, 372 <377 f.>; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 2. Februar 2016 - 2 BvR 2486/15 -, juris, Rn. 22; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 9. März 2016 - 2 BvR 348/16 -, juris, Rn. 10, jeweils m.w.N.; zur Behandlung eines Antrags nach § 33 Abs. 2 IRG durch das Oberlandesgericht vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 29. Oktober 1990 - 2 BvR 303/89 -, juris, Rn. 3; vom 15. Dezember 1996 - 2 BvR 2407/96 -, juris, Rn. 5). In diesem Rahmen kann das Oberlandesgericht, sollte die fachgerichtliche Prüfung dies ergeben, gemäß § 33 Abs. 4 IRG den Aufschub der Auslieferung anordnen.
3 2. Von einer weiteren Begründung wird abgesehen (§93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG).
4 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.