Constitutional complaint inadmissible without prior hearing complaint

BVerfG 2 BvR 199/16Bverfg / 2. Senat 2. Kammer9 févr. 2016Inadmissible

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Résumé Omnilex

The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint for decision. It held that the complaint was inadmissible because the complainant had not first filed a hearing complaint against the Regional Court’s decision, although such a remedy was available for the alleged denial of the right to be heard. The Court relied on the principle of material subsidiarity under Art. 90(2) sentence 1 BVerfGG and referred to the hearing-complaint procedure under § 120(1) sentence 2 StVollzG and § 33a StPO.

Regeste Omnilex

Art. 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG; materielle Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde bei behaupteter Gehörsverletzung; § 120 Abs. 1 Satz 2 StVollzG, § 33a StPO. Der Grundsatz der materiellen Subsidiarität verlangt, dass der Beschwerdeführer nicht nur den Rechtsweg formal erschöpft, sondern alle nach Lage der Sache eröffneten und sachnächsten prozessualen Möglichkeiten zur Beseitigung oder Verhinderung der gerügten Grundrechtsverletzung ausschöpft. Steht gegen einen Gehörsverstoß die Anhörungsrüge offen, ist diese grundsätzlich vor Erhebung der Verfassungsbeschwerde zu ergreifen; andernfalls ist die Verfassungsbeschwerde unzulässig (consid. 2 f.).

Texte intégral

BVerfG — 2 BvR 199/16, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2016-02-09

Aktenzeichen: 2 BvR 199/16

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2016:rk20160209.2bvr019916

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 103 Abs 1 GG, § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 33a StPO, § 120 Abs 1 S 2 StVollzG

Vorinstanz: vorgehend LG Regensburg, 10. Dezember 2015, Az: SR StVK 760/15, Beschluss

Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde bei Statthaftigkeit einer Anhörungsrüge gem §§ 120 Abs 1 S 2 StVollzG, 33a StPO im fachgerichtlichen Verfahren

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, da sie keine Aussicht auf Erfolg hat (vgl. § 93a Abs. 2 BVerfGG).

2 Sie ist aus Gründen der materiellen Subsidiarität unzulässig, weil der Beschwerdeführer gegen den Beschluss des Landgerichts keine Anhörungsrüge erhoben hat. Der aus § 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG abgeleitete Grundsatz der materiellen Subsidiarität gebietet, dass der Beschwerdeführer den Rechtsweg nicht lediglich formell erschöpft, sondern darüber hinaus auch alle nach Lage der Sache zur Verfügung stehenden prozessualen Möglichkeiten ergreift, um die geltend gemachte Grundrechtsverletzung in dem unmittelbar mit ihr zusammenhängenden sachnächsten Verfahren zu verhindern oder zu beseitigen (vgl. BVerfGE 107, 395 <414>; 112, 50 <60>; 129, 78 <92>; 134, 106 <115>; stRspr).

3 Das Landgericht hat dem Beschwerdeführer nach dessen Vortrag die Stellungnahme der Justizvollzugsanstalt, auf die sich die angegriffene Entscheidung stützt, vor Erlass des angegriffenen Beschlusses nicht zugänglich gemacht. Gegen den darin liegenden Gehörsverstoß (vgl. BVerfGK 7, 438 <441>; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 6. Juni 2011 - 2 BvR 960/11 -, juris, Rn. 4 f.; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 6. Juni 2011 - 2 BvR 2076/08 -, juris, Rn. 3; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 24. Oktober 2012 - 2 BvR 1432/11 -, juris, Rn. 3; BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 30. Mai 2013 - 2 BvR 885/13 -, juris, Rn. 4; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 17. Juli 2015 - 2 BvR 1245/15 -, juris, Rn. 5; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 25. August 2015 - 2 BvR 1554/15 -, juris, Rn. 3; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 20. November 2015 - 2 BvR 2087/15 -, juris, Rn. 3; BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 11. Januar 2016 - 2 BvR 2474/15 -, juris, Rn. 3) steht dem Beschwerdeführer die Anhörungsrüge nach § 120 Abs. 1 Satz 2 StVollzG, § 33a StPO offen.

4 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

5 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Mots-clés

constitutional complaintsubsidiarityhearing complaintright to be heardinadmissibility

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the constitutional complaint was admissible despite the failure to file an Anhörungsrüge against the Regional Court decision.

Solution extraite

No. The complaint was inadmissible because the complainant had to use the available hearing complaint before turning to the Federal Constitutional Court.

Motifs extraits

Under the principle of material subsidiarity derived from Art. 90(2) sentence 1 BVerfGG, a complainant must use all procedural means available in the closest forum to prevent or remedy the alleged fundamental-rights violation. Since a hearing complaint under § 120(1) sentence 2 StVollzG and § 33a StPO was available for the alleged denial of the right to be heard, the constitutional complaint was premature.

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