Danger prognosis for assembly ban; complaint not accepted

BVerfG 1 BvR 3279/14Bverfg / 1. Senat 3. Kammer13 avr. 2015Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint against an assembly ban. It held that a danger prognosis cannot be supported merely by a hostile attitude toward the state or by the expected participation of many persons from the autonomous left scene. Even so, the lower courts' overall assessment remained within the bounds of judicial discretion, so the ban was not disturbed.

Regeste Omnilex

Art. 8 Abs. 1 und 2 GG, § 15 Abs. 1 VersammlG; Gefahrenprognose bei Versammlungsverboten: Eine gegen den Staat gerichtete Einstellung der Versammlungsteilnehmer sowie die erwartete Beteiligung zahlreicher Angehöriger der linksautonomen Szene genügen für sich allein nicht als tragfähige Anhaltspunkte für einen gewalttätigen Verlauf. Hält sich die Prognose jedoch bei einer Gesamtschau aufgrund weiterer Umstände im fachgerichtlichen Wertungsrahmen, ist sie verfassungsrechtlich hinzunehmen (vgl. auch die Zurückhaltung bei der verfassungsgerichtlichen Kontrolle fachgerichtlicher Wertungen). Die bloße Unzuträglichkeit einzelner Erwägungen führt nicht zur Aufhebung, wenn die Entscheidung im Ergebnis auf tragfähigen Gründen beruht.

Texte intégral

BVerfG — 1 BvR 3279/14, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2015-04-13

Aktenzeichen: 1 BvR 3279/14

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2015:rk20150413.1bvr327914

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 8 Abs 1 GG, Art 8 Abs 2 GG, § 15 Abs 1 VersammlG

Vorinstanz: vorgehend Oberverwaltungsgericht der Freien Hansestadt Bremen, 31. Oktober 2014, Az: 1 A 110/11, Beschlussvorgehend VG Bremen, 22. März 2011, Az: 5 K 1008/09, Urteil

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Zur Gefahrenprognose im Rahmen eines Versammlungsverbots - "staatsfeindliche" Einstellung der Versammlungsteilnehmer sowie Anzahl der Teilnehmer aus linksautonomer Szene keine tragfähigen Anhaltspunkte für gewalttätigen Versammlungsverlauf

Gründe

1 Die Entscheidung ist im Ergebnis verfassungsrechtlich tragfähig. Allerdings liegt dem von dem Beschwerdeführer angegriffenen Versammlungsverbot eine Gefahrenprognose zugrunde, die nicht in jeder Hinsicht auf verfassungsrechtlich tragfähige Erwägungen gestützt ist. Insbesondere begründen eine feindliche Positionierung der Versammlungsteilnehmer gegenüber dem deutschen Staat und die Tatsache, dass diese die Polizei als Exekutive und Repräsentant staatlicher Macht in besonderem Maße als Übel ansehen, ebensowenig einen tragfähigen Gesichtspunkt für die Prognose einer drohenden Gewalttätigkeit der Versammlung, wie die zu erwartende Teilnahme einer erheblichen Zahl von Angehörigen der linksautonomen Szene. Im Blick auf weitere Erwägungen hält sich die Gefahrenprognose jedoch bei Gesamtsicht im fachgerichtlichen Wertungsrahmen.

2 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

3 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Mots-clés

freedom of assemblydanger prognosisassembly banpublic orderautonomous left scenestate hostilityconstitutional complaint

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the assembly ban based on the danger prognosis violated freedom of assembly.

Solution extraite

The constitutional complaint was not accepted; although parts of the danger prognosis were not constitutionally convincing, the overall assessment remained within the limits of judicial appraisal.

Motifs extraits

Hostility toward the German state and the expected participation of many persons from the autonomous left scene were not sufficient, by themselves, to predict violence; however, other considerations supported the prognosis in overall view.

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