No legal interest in setting higher object value after non-admission

BVerfG 1 BvR 1179/08Bverfg / 1. Senat 3. Kammer28 sept. 2010Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

Counsel for the constitutional complainants requested that the object value in the constitutional complaint proceedings be set at the amount of the civil dispute, EUR 38,569.29, after the complaint had not been admitted. The Federal Constitutional Court held that, in non-admission cases decided without reasons, the statutory minimum value of EUR 4,000 normally governs fee calculation. Because no special circumstances or legal interest in a higher fixation were shown, the application was inadmissible and was rejected.

Regeste Omnilex

§ 37 Abs. 2 S. 2 RVG i.V.m. § 14 Abs. 1 RVG; object value in constitutional complaint proceedings after non-admission of the complaint without merits review: As a rule, the statutory minimum value of EUR 4,000 applies. A higher fixation requires special circumstances justifying a legal interest in such determination; in the absence of admission and substantive review, the success of the complaint does not support an increase. If no particular circumstances are alleged or apparent, an application for higher object-value fixation is inadmissible (consid. 3-5).

Texte intégral

BVerfG — 1 BvR 1179/08, Gegenstandswertfestsetzung im verfassungsgerichtlichen Verfahren

Entscheidungsdatum: 2010-09-28

Aktenzeichen: 1 BvR 1179/08

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2010:rk20100928.1bvr117908

Dokumenttyp: Gegenstandswertfestsetzung im verfassungsgerichtlichen Verfahren

Normen: § 93d Abs 1 S 3 BVerfGG, § 14 Abs 1 RVG, § 37 Abs 2 S 2 RVG

Vorinstanz: vorgehend BVerfG, 5. Juli 2010, Az: 1 BvR 1179/08, Kammerbeschluss ohne Begründungvorgehend BGH, 26. März 2008, Az: XI ZR 16/06, Beschlussvorgehend BGH, 22. Januar 2008, Az: XI ZR 16/06, Urteilvorgehend OLG Stuttgart, 21. Dezember 2005, Az: 9 U 26/05, Urteilvorgehend LG Tübingen, 17. Dezember 2004, Az: 3 O 59/04, Urteil

Spruchkörper: 1. Senat 3. Kammer

Titelzeile

Verwerfung eines Antrags auf Gegenstandswertfestsetzung: Kein Rechtsschutzbedürfnis für Gegenstandswertfestsetzung bei Nichtannahme einer Verfassungsbeschwerde ohne nähere Begründung

Gründe

I.

1 Die anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer wandten sich mit einer Verfassungsbeschwerde gegen Entscheidungen in einem zivilgerichtlichen Verfahren. Der Streitwert des Ausgangsverfahrens betrug 38.569,29 €. Die Verfassungsbeschwerde wurde nicht zur Entscheidung angenommen.

2 Der Bevollmächtigte der Beschwerdeführer beantragt im eigenen Namen und aus eigenem Recht, den Gegenstandswert entsprechend dem Streitwert des Ausgangsverfahrens festzusetzen.

II.

3 Der Antrag auf Festsetzung des Gegenstandswerts ist unzulässig. Für die Berechnung der Rechtsanwaltsgebühren ist hier der gesetzliche Mindestwert nach § 37 Abs. 2 Satz 2 RVG in Höhe von 4.000 € maßgebend. Für die Festsetzung eines darüber hinausgehenden Wertes ist ein Rechtsschutzbedürfnis weder dargetan noch sonst erkennbar.

4 1. Der Gegenstandswert für das Verfassungsbeschwerdeverfahren wird nach § 37 Abs. 2 Satz 2 RVG in Verbindung mit § 14 Abs. 1 RVG festgesetzt. Danach ist der Gegenstandswert unter Berücksichtigung aller Umstände, insbesondere der Bedeutung der Angelegenheit, des Umfangs und der Schwierigkeit der anwaltlichen Tätigkeit sowie der Vermögens- und Einkommensverhältnisse des Auftraggebers nach billigem Ermessen zu bestimmen, jedoch nicht unter 4.000 €. In objektiver Hinsicht kommt auch dem Erfolg der Verfassungsbeschwerde für die Bemessung des Gegenstandswerts Bedeutung zu. Wird die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen, über sie also nicht inhaltlich befunden, ist es deshalb im Regelfall nicht gerechtfertigt, über den gesetzlichen Mindestwert hinauszugehen. In diesen Fällen besteht kein Rechtsschutzbedürfnis für die Festsetzung des Gegenstandswerts (vgl. BVerfGE 79, 365 <369>; BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 25. Mai 1999 - 2 BvR 1790/94 -, NJW 2000, S. 1399; Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 24. April 2008 - 1 BvR 206/08 -, juris <Rn. 7>; Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 7. Januar 2009 - 1 BvR 2523/08 -, juris <Rn. 4>; Beschluss der 3. Kammer des Zweiten Senats vom 13. Januar 2010 - 2 BvR 2552/08 -, juris <Rn. 2>).

5 2. Der vorliegende Fall bietet keinen Anlass, von dieser Regel abzuweichen. Die Verfassungsbeschwerde, die besondere rechtliche Schwierigkeiten nicht aufwies, wurde nicht zur Entscheidung angenommen, ohne dass es einer näheren Begründung bedurfte. Anhaltspunkte, die es gleichwohl rechtfertigen könnten, für das Verfassungsbeschwerdeverfahren einen über den gesetzlichen Mindestbetrag hinausgehenden Gegenstandswert festzusetzen, sind mit der Antragsbegründung nicht dargetan und auch sonst nicht ersichtlich.

Mots-clés

object valuelegal interestconstitutional complaintnon-admissionattorney feesminimum value

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether a higher object value should be fixed for the constitutional complaint proceedings

Solution extraite

The application was inadmissible because no legal interest in setting an amount above the statutory minimum was shown or otherwise apparent.

Motifs extraits

Under § 37(2) sentence 2 RVG read with § 14(1) RVG, the object value is ordinarily based on all circumstances, but if a constitutional complaint is not admitted and not decided on the merits, the statutory minimum of EUR 4,000 generally applies. In such cases, a higher value is usually not justified, and no legal interest for such fixation exists absent special circumstances.

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