Interim constitutional relief denied for lack of serious disadvantage

BVerfG 2 BvQ 28/14Bverfg / 2. Senat 2. Kammer31 juil. 2014Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Constitutional Court rejected an application for an interim order concerning prison pocket money. It held that interim constitutional relief under Section 32 BVerfGG is unavailable where the anticipated constitutional complaint would still be subject to subsidiarity and the applicant has not exhausted the main proceedings. The applicant had not shown that waiting for a decision on the merits would cause a serious and unavoidable disadvantage within the meaning of Section 90(2) sentence 2 BVerfGG. The order is final and not subject to appeal.

Regeste Omnilex

§ 32 Abs. 1 BVerfGG, § 90 Abs. 2 S. 1 und 2 BVerfGG; einstweilige Anordnung bei noch ausstehender Hauptsachebeschwerde. Eine einstweilige Anordnung dient der Sicherung der Hauptsache und setzt grundsätzlich voraus, dass die in Aussicht genommene Verfassungsbeschwerde weder unzulässig noch offensichtlich unbegründet erscheint. Steht der beabsichtigten Verfassungsbeschwerde der Grundsatz der Subsidiarität entgegen, weil die gerügte Grundrechtsverletzung im Hauptsacheverfahren noch behoben werden kann, ist Vorabrechtsschutz grundsätzlich ausgeschlossen. Eine Ausnahme nach § 90 Abs. 2 S. 2 BVerfGG verlangt die substantiierte Darlegung eines schweren und unabwendbaren Nachteils; bloßes Abwarten der Hauptsache genügt nicht (vgl. Erwägungen 2–5).

Texte intégral

BVerfG — 2 BvQ 28/14, Ablehnung einstweilige Anordnung

Entscheidungsdatum: 2014-07-31

Aktenzeichen: 2 BvQ 28/14

Dokumenttyp: Ablehnung einstweilige Anordnung

Normen: § 32 Abs 1 BVerfGG, § 90 Abs 2 S 1 BVerfGG, § 90 Abs 2 S 2 BVerfGG, § 46 StVollzG, § 114 Abs 2 S 2 StVollzG, § 123 VwGO

Vorinstanz: vorgehend LG Stendal, 8. Juli 2014, Az: 509 StVK 239/14, Beschluss

Spruchkörper: 2. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Ablehnung des Erlasses einer einstweiligen Anordnung: Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde bei ausstehendem strafvollstreckungsrechtlichen Hauptverfahren bzgl Gewährung von Taschengeld (§ 46 StVollzG) - mangels schweren Nachteils keine Vorabentscheidung (§ 90 Abs 2 S 2 BVerfGG) geboten

Gründe

1 1. Die Voraussetzungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung liegen nicht vor. Nach § 32 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall einen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur Abwehr schwerer Nachteile, zur Verhinderung drohender Gewalt oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist.

2 Als Mittel des vorläufigen Rechtsschutzes hat die einstweilige Anordnung auch im verfassungsgerichtlichen Verfahren die Aufgabe, die Schaffung vollendeter Tatsachen zu verhindern; sie soll auf diese Weise dazu beitragen, Wirkung und Bedeutung einer erst noch zu erwartenden Entscheidung in der Hauptsache zu sichern und zu erhalten (vgl. BVerfGE 42, 103 <119>). Deshalb kann eine einstweilige Anordnung nicht erlassen werden, wenn die in der Hauptsache erhobene oder noch zu erhebende Verfassungsbeschwerde unzulässig oder offensichtlich unbegründet ist (vgl. BVerfGE 89, 91 <94>; BVerfGK 1, 103 <105>; stRspr).

3 Danach kann eine einstweilige Anordnung im vorliegenden Verfahren nicht ergehen. Einer noch zu erhebenden Verfassungsbeschwerde gegen die mit dem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung vorgelegte, die Gewährung von Taschengeld betreffende Eilentscheidung des Landgerichts Stendal vom 8.Juli 2014 - 509 StVK 239/14 - stünde der Grundsatz der Subsidiarität entgegen. Allerdings hat der Antragsteller den Rechtsweg im Verfahren des vorläufigen Rechtsschutzes erschöpft, und gegen die Eilentscheidung sind Rechtsmittel nicht gegeben; hinsichtlich der Gewährung von Taschengeld ist jedoch die Erschöpfung des Rechtswegs in der Hauptsache geboten, da der Antragsteller eine Grundrechtsverletzung geltend macht, die nicht in der Behandlung seines Antrags auf vorläufigen Rechtsschutz liegt und noch im Hauptsacheverfahren ausgeräumt werden kann (vgl. BVerfGE 69, 315 <340>; 80, 40 <45>; 104, 65 <70 f.>).

4 Das Beschreiten des Rechtswegs in der Hauptsache erscheint auch nicht von vornherein aussichtslos (vgl. BVerfGE 70, 180 <186>; 79, 275 <279>).

5 2. Schließlich steht auch nicht zu befürchten, dass dem Antragsteller ein schwerer und unabwendbarer Nachteil im Sinne des § 90 Abs. 2 Satz 2 BVerfGG entstehen würde. Es ist weder vorgetragen noch ersichtlich, dass das Abwarten der Hauptsacheentscheidung über eine etwaige Verfassungsbeschwerde für den Antragsteller mit einem derart schweren Nachteil verbunden wäre, dass ein Tätigwerden des Bundesverfassungsgerichts im Verfahren des einstweiligen Rechtsschutzes in Betracht käme.

6 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Mots-clés

interim reliefsubsidiarityconstitutional complaintserious disadvantageprison lawpocket money

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether an interim order under Section 32 BVerfGG should be issued to regulate pocket money pending constitutional proceedings.

Solution extraite

No interim order was warranted because the underlying constitutional complaint would still have to satisfy subsidiarity and the applicant had not shown a serious and unavoidable disadvantage.

Motifs extraits

Interim relief is only available to prevent serious disadvantages or for another urgent public interest reason. It cannot be used where the main constitutional complaint would be inadmissible or manifestly unfounded. Here, the applicant had exhausted only the interim-remedy path; he still had to pursue the main proceedings because the alleged rights violation could be remedied there. In addition, no serious and unavoidable disadvantage under Section 90(2) sentence 2 BVerfGG was shown.

Question juridique clé

Whether the applicant could bypass exhaustion of the main proceedings under the subsidiarity principle.

Solution extraite

No. The objection of subsidiarity stood in the way of any future constitutional complaint against the interim decision on pocket money.

Motifs extraits

The alleged fundamental-rights violation did not lie in the handling of the provisional-remedy request itself and could still be cured in the main proceedings; therefore exhaustion of the main remedy was required.

Question juridique clé

Whether waiting for the main proceedings would cause a serious, irreparable disadvantage justifying advance constitutional intervention under Section 90(2) sentence 2 BVerfGG.

Solution extraite

No such disadvantage was shown or apparent.

Motifs extraits

The applicant did not substantiate that awaiting the main decision would cause harm of the requisite gravity and irreparability.

Poursuivez vos recherches dans ChatGPT ou Claude

Connectez Omnilex pour rechercher dans le corpus juridique depuis votre assistant IA.