Constitutional complaint inadmissible against exclusion of paternity challenge

BVerfG 1 BvR 1154/10Bverfg / 1. Senat 1. Kammer4 déc. 2013Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Constitutional Court refused to admit a constitutional complaint by an alleged biological father who had been unsuccessful in challenging paternity before the ordinary courts. The lower courts had applied Section 1600(2) BGB to bar the action because the child lived in a stable social family with the legal father. The Court held that its settled case law already permits such an exclusion under Article 6(2) GG, and that the ECtHR jurisprudence does not compel a different result. No question of fundamental constitutional significance was shown.

Regeste Omnilex

Art. 6 Abs. 1 and 2 GG; § 1600 Abs. 2 BGB; Art. 8 EMRK; admissibility of a constitutional complaint against the exclusion of a putative biological father from paternity challenge. The protection of the legal-social family may justify excluding the alleged biological father from contesting paternity, even if he alleges a biological tie and an earlier social relationship with the child. In such constellations, the Constitution does not require that biological parentage prevail in every individual balancing exercise; rather, the legislature may give decisive weight to family stability. Existing constitutional case law and the ECtHR’s case law leave the matter within the State’s margin of appreciation. A constitutional complaint that merely repeats already settled objections raises no question of fundamental importance within the meaning of § 93a(2) BVerfGG.

Texte intégral

BVerfG — 1 BvR 1154/10, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2013-12-04

Aktenzeichen: 1 BvR 1154/10

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2013:rk20131204.1bvr115410

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 6 Abs 1 GG, Art 6 Abs 2 GG, § 1600 Abs 2 BGB, Art 8 MRK

Vorinstanz: vorgehend OLG Dresden, 8. April 2010, Az: 20 UF 0730/09, Beschlussvorgehend OLG Dresden, 19. März 2010, Az: 20 UF 730/09, Urteilvorgehend AG Zwickau, 30. Oktober 2009, Az: 008 F 00502/09, Urteilnachgehend Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, 10. März 2015, Az: 42719/14, Entscheidung

Spruchkörper: 1. Senat 1. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Mangels Vorliegens der Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs 2 BVerfGG erfolglose Verfassungsbeschwerde gegen den Ausschluss des mutmaßlichen biologischen Vaters von der Vaterschaftsanfechtung, um eine bestehende rechtlich-soziale Familie zu schützen

Gründe

1 1. Der Beschwerdeführer ist überzeugt, biologischer Vater einer Tochter zu sein, die in die Ehe der Kindesmutter mit einem anderen Mann hineingeboren wurde. Die außereheliche Beziehung der Kindesmutter zum Beschwerdeführer - deren Intensität im fachgerichtlichen Verfahren streitig blieb - endete, als das Kind vier Monate alt war. Seit das Kind elf Monate alt ist, lebt es mit der Kindesmutter, dem rechtlichen Vater und seinen minderjährigen Geschwistern in einem gemeinsamen Haushalt.

2 a) Eine Vaterschaftsanfechtungsklage des Beschwerdeführers blieb vor den Fachgerichten erfolglos. Die sozial-familiäre Beziehung zwischen dem Kind und seinem rechtlichen Vater stehe gemäß § 1600 Abs. 2 BGB einer Anfechtung entgegen.

3 b) Der Beschwerdeführer hält die Abweisung seiner Vaterschaftsanfechtungsklage für verfassungswidrig; sie verletze unter anderem Art. 6 Abs. 1 und Abs. 2 GG sowie Art. 20 Abs. 3 GG in Verbindung mit Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK). Der Gesetzgeber sei verfassungsrechtlich verpflichtet, dem biologischen Vater die rechtliche Elternstellung einzuräumen, es sei denn, nach einer Interessenabwägung im Einzelfall stünden ausnahmsweise gleichrangige Interessen anderer Beteiligter entgegen. Gefährde eine Anfechtung im konkreten Einzelfall weder das Kindeswohl noch den Familienfrieden, müsse sich der biologische Vater durchsetzen.

4 2. Die Verfassungsbeschwerde war nicht zur Entscheidung anzunehmen. Die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG liegen nicht vor.

5 Das Bundesverfassungsgericht hat bereits festgestellt, dass es mit Art. 6 Abs. 2 GG vereinbar ist, den mutmaßlichen biologischen Vater zum Schutz der rechtlich-sozialen Familie von der Vaterschaftsanfechtung auszuschließen, auch wenn der biologische Vater vorträgt, vor und in den Monaten nach der Geburt eine sozial-familiäre Beziehung zum Kind aufgebaut zu haben und hat für diesen Fall lediglich aus Art. 6 Abs. 1 GG ein Umgangsrecht abgeleitet (BVerfGE 108, 82 <87 f., 90, 106, 109, 112 f.>). Aus der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte folgt nichts anderes. Der Gerichtshof hat insbesondere klargestellt, dass die Entscheidung darüber, ob dem biologischen Vater in dem Fall, dass die rechtliche Vaterschaft mit der Rolle als sozialer Vater übereinstimmt, die Anfechtung der Vaterschaft gestattet werden soll, innerhalb des Beurteilungsspielraums des Staats liegt (EGMR, Urteile vom 22. März 2012 - Beschwerde-Nr. 23.338/09, Kautzor/Deutschland - juris, Rn. 78 ff. und - Beschwerde-Nr. 45.071/09, Ahrends/Deutschland - juris, Rn. 74 ff.; Entscheidung vom 11. Dezember 2012 - Beschwerde-Nr. 11858/10, Koppikar/Deutschland).

6 Vor diesem Hintergrund wirft die Verfassungsbeschwerde keine klärungsbedürftige verfassungsrechtliche Frage von grundsätzlicher Bedeutung auf. Auch hat der Beschwerdeführer nicht dargelegt, dass die angegriffenen fachgerichtlichen Entscheidungen unter Heranziehung der genannten verfassungsgerichtlichen Rechtsprechung seine Grundrechte verletzen.

7 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

8 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Mots-clés

paternity challengelegal-social familyconstitutional complaintbiological fatheradmissibilityfamily protection

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the constitutional complaint against the exclusion of the alleged biological father from paternity challenge was admissible and raised a constitutional question of fundamental importance.

Solution extraite

The complaint was not admitted because the admissibility requirements under Section 93a(2) BVerfGG were not met.

Motifs extraits

The Court reiterated that excluding the putative biological father from paternity challenge to protect the legal-social family is compatible with Article 6(2) GG, even where a social relationship with the child is asserted. Existing case law and the ECtHR's jurisprudence did not show any unresolved constitutional question.

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