Non-entry on challenge to Stuttgart 21 plan approval

BVerfG 1 BvR 2614/12Bverfg / 1. Senat 1. Kammer17 avr. 2013Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Constitutional Court did not accept the constitutional complaint for decision. It held that the Administrative Court of Baden-Württemberg had not misconstrued the constitutional protection of property: even after final judicial confirmation of a plan approval decision with expropriation-preparatory effect, annulment is constitutionally required only if later changes make the planned expropriation no longer serve the public interest. Whether those conditions were met in the individual case was a matter of ordinary-law assessment and not open to broader constitutional review.

Regeste Omnilex

Art. 14 GG; challenge to a final plan approval decision with expropriation-preparatory effect; constitutional limits on annulment after res judicata. The Basic Law does not require the setting aside of a finally confirmed plan approval decision merely because the owner seeks protection against implementation of the project. Annulment is constitutionally relevant only where, due to subsequent changes in fact or law, an expropriation intended to realize the approved project would no longer serve the public interest. Whether such circumstances exist is primarily a question of ordinary-law fact assessment and interpretation, reviewable by the Constitutional Court only within narrow limits (consid. 6).

Texte intégral

BVerfG — 1 BvR 2614/12, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2013-04-17

Aktenzeichen: 1 BvR 2614/12

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2013:rk20130417.1bvr261412

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: Art 14 Abs 1 S 1 GG, Art 14 Abs 3 S 1 GG, §§ 72ff VwVfG, § 48 VwVfG, § 49 VwVfG, § 51 VwVfG, § 72 VwVfG, § 75 VwVfG

Vorinstanz: vorgehend Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, 13. August 2012, Az: 5 S 1200/12, Beschluss

Spruchkörper: 1. Senat 1. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Aufhebung eines Planfeststellungsbeschlusses nur nach Maßgabe der anerkannten Grundsätze für die Überwindung rechtskräftig bestätigter Planfeststellungsbeschlüsse - Grenzen der Anordnung einer Enteignung zur Verwirklichung eines planfestgestellten Vorhabens auch bei rechtskräftiger Bestätigung des Planfeststellungsbeschlusses mit enteignungsrechtlicher Vorwirkung

Gründe

1 Die mit einem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung verbundene Verfassungsbeschwerde betrifft die Sicherung eines vom Beschwerdeführer geltend gemachten Anspruchs auf Aufhebung eines Planfeststellungsbeschlusses zur Realisierung des Vorhabens "Stuttgart 21".

2 1. Der Beschwerdeführer ist Eigentümer einer Wohnung in einem Gebäude in Stuttgart, dessen Abbruch der Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahn-Bundesamts vom 28. Januar 2005 über die "Talquerung mit neuem Hauptbahnhof" als notwendige Folgemaßnahme vorsieht. Gegen den Planfeststellungsbeschluss hat der Beschwerdeführer erfolglos geklagt (vgl. Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Urteil vom 6. April 2006 - 5 S 848/05 -, juris).

3 Im Mai 2012 beantragte der Beschwerdeführer beim Eisenbahn-Bundesamt die Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses. Im Juni 2012 stellte er zur Sicherung des geltend gemachten Anspruchs einen Antrag auf Gewährung vorläufigen Rechtsschutzes. Diesen lehnte der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg mit Beschluss vom 13. August 2012 (5 S 1200/12, juris) ab. Hiergegen richtet sich die Verfassungsbeschwerde.

4 Mit seiner Verfassungsbeschwerde rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung seiner Rechte aus Art. 19 Abs. 4 Satz 1, Art. 14 Abs. 1 Satz 1, Abs. 3, Art. 3 Abs. 1 und Art. 103 Abs. 1 GG.

5 2. Die Verfassungsbeschwerde ist nicht zur Entscheidung anzunehmen, weil die Voraussetzungen nach § 93a Abs. 2 BVerfGG hierfür nicht vorliegen.

6 Der Verwaltungsgerichtshof hat nicht verkannt, dass der verfassungsrechtlich garantierte Schutz des Eigentums (Art. 14 GG) es trotz Rechtskraft eines Urteils über die Klage gegen einen Planfeststellungsbeschluss, der enteignungsrechtliche Vorwirkung entfaltet, verbietet, eine Enteignung zur Verwirklichung des mit dem Planfeststellungsbeschluss zugelassenen Vorhabens anzuordnen, wenn feststeht, dass diese Enteignung aufgrund nachträglich eingetretener Änderungen der Sach- oder Rechtslage nicht mehr dem Gemeinwohl dienen würde (vgl. dazu BVerfG, Beschluss der 2. Kammer des Ersten Senats vom 19. September 2007 - 1 BvR 1698/04 -, juris Rn. 13 sowie für den Fall der Rückenteignung BVerfGE 38, 175 <181>). Dass der Verwaltungsgerichtshof die begehrte Aufhebung des Planfeststellungsbeschlusses nur nach Maßgabe der in der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung anerkannten Grundsätze für die Überwindung rechtskräftig bestätigter Planfeststellungsbeschlüsse zulässt, ist von Verfassungs wegen nicht zu beanstanden. Ob die Voraussetzungen für eine solche Aufhebung im konkreten Fall vorlagen, ist in erster Linie eine Frage der Würdigung des Sachverhalts und der Auslegung und Anwendung des einfachen Rechts, die nur in engen Grenzen verfassungsgerichtlicher Kontrolle zugänglich sind (vgl. BVerfGE 18, 85 <92 f.>; stRspr). Für eine Verletzung spezifischen Verfassungsrechts ist hier nichts ersichtlich.

7 Von einer weiteren Begründung wird nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

8 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Mots-clés

constitutional complaintproperty protectionplan approvalexpropriationfinalityinterim reliefpublic interest

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the constitutional complaint was admissible for decision under § 93a BVerfGG

Solution extraite

The complaint was not accepted for decision because the statutory requirements were not met.

Motifs extraits

No specific constitutional violation was apparent; the lower court’s reliance on the recognized principles for overcoming a final plan approval decision was constitutionally unobjectionable.

Question juridique clé

Whether a plan approval decision with expropriation-preparatory effect may still be set aside after final judicial confirmation

Solution extraite

Yes only if, under the recognized principles, changes in fact or law mean that the expropriation would no longer serve the public interest; otherwise constitutional law does not require annulment.

Motifs extraits

The assessment whether those prerequisites exist depends primarily on ordinary-law fact finding and interpretation, subject only to limited constitutional review.

Poursuivez vos recherches dans ChatGPT ou Claude

Connectez Omnilex pour rechercher dans le corpus juridique depuis votre assistant IA.