Constitutional complaints dismissed; abuse fee imposed on counsel

BVerfG 1 BvR 2642/11, 1 BvR 2812/11, 1 BvR 2815/11Bverfg / 1. Senat 2. Kammer11 janv. 2012Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Constitutional Court did not admit three constitutional complaints against an amusement tax based on gaming-machine turnover. It held that the complaints were inadmissible because they lacked the required substantiated engagement with the alleged constitutional violations and the relevant factual basis. Because counsel had repeatedly filed similarly reasoned complaints despite prior non-admission decisions in comparable cases, the Court found an abuse and imposed an EUR 1,000 fee on the complainants' counsel.

Regeste Omnilex

§ 23 Abs. 1 S. 2, § 92 BVerfGG; admissibility of a constitutional complaint requires substantiated, coherent pleading identifying the allegedly violated constitutional right and the factual circumstances constituting the violation. Where the Court has already formulated constitutional standards, the complainant must address them specifically and explain, in light of those standards, why the contested measure infringes constitutional rights (consid. 3). Under § 34 Abs. 2 BVerfGG, an abuse fee may be imposed if a complaint is obviously inadmissible or unfounded and is filed despite evident lack of prospects; repeated filing of substantially similar complaints after prior non-admission decisions may constitute abuse. The fee may be charged to counsel if the abusive conduct is attributable to him or her (consid. 5-6).

Texte intégral

BVerfG — 1 BvR 2642/11, 1 BvR 2812/11, 1 BvR 2815/11, Nichtannahmebeschluss

Entscheidungsdatum: 2012-01-11

Aktenzeichen: 1 BvR 2642/11, 1 BvR 2812/11, 1 BvR 2815/11

ECLI: ECLI:DE:BVerfG:2012:rk20120111.1bvr264211

Dokumenttyp: Nichtannahmebeschluss

Normen: § 23 Abs 1 S 2 BVerfGG, § 34 Abs 2 BVerfGG, § 92 BVerfGG

Vorinstanz: vorgehend Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, 21. September 2011, Az: 14 A 1595/11, Beschlussvorgehend VG Gelsenkirchen, 1. Juli 2011, Az: 2 K 2222/08, Urteilvorgehend Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, 19. Oktober 2011, Az: 14 A 2033/11, Beschlussvorgehend VG Gelsenkirchen, 15. August 2011, Az: 2 K 649/10, Urteilvorgehend Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen, 19. Oktober 2011, Az: 14 A 2034/11, Beschlussvorgehend VG Gelsenkirchen, 15. August 2011, Az: 2 K 1581/10, Urteil

Spruchkörper: 1. Senat 2. Kammer

Titelzeile

Nichtannahmebeschluss: Auferlegung einer Missbrauchsgebühr iHv 1000 Euro zu Lasten der Bevollmächtigten bei wiederholter Einlegung von Verfassungsbeschwerden in gleichgelagerten Fällen trotz mehrerer Nichtannahmen - hier zudem offensichtliche Unzulässigkeit der Verfassungsbeschwerden mangels hinreichender Substantiierung

Tenor

Die Verfassungsbeschwerden werden nicht zur Entscheidung angenommen.

Den Bevollmächtigten der Beschwerdeführerinnen wird eine Missbrauchsgebühr in Höhe von 1.000 € (in Worten: eintausend Euro) auferlegt.

Gründe

1 Die Verfassungsbeschwerden richten sich gegen eine nach dem Einspiel-ergebnis von Geldspielgeräten bemessene Vergnügungsteuer.

2 1. Die Verfassungsbeschwerden sind nicht zur Entscheidung anzunehmen, da die Voraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen. Die Verfassungsbeschwerden haben weder grundsätzliche Bedeutung noch sind ihre Annahmen zur Durchsetzung von Grundrechten oder grundrechtsgleichen Rechten der Beschwerdeführerinnen angezeigt, weil sie bereits mangels einer den Anforderungen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG entsprechenden Begründung unzulässig sind.

3 Nach den hierin enthaltenen Mindestanforderungen an die Begründung einer Verfassungsbeschwerde muss ein Beschwerdeführer die Grundrechtsverletzung durch Bezeichnung des angeblich verletzten Rechts und des die Verletzung enthaltenden Vorgangs substantiiert und schlüssig vortragen (vgl. BVerfGE 81, 208 <214>; 81, 347 <355>; 99, 84 <87>; stRspr). Soweit das Bundesverfassungsgericht für bestimmte Fragen bereits verfassungsrechtliche Maßstäbe formuliert hat, muss der Beschwerdeführer anhand dieser Maßstäbe aufzeigen, inwieweit seine Grundrechte durch die angegriffene Maßnahme verletzt sein sollen (vgl. BVerfGE 101, 331 <345 f.>; 102, 147 <164>). Diesen Anforderungen werden die vorliegenden Verfassungsbeschwerden nicht gerecht, da sie weder eine Auseinandersetzung mit den Maßstäben der als verletzt gerügten Grundrechte und grundrechtsgleichen Rechte noch einen Vortrag der hiernach relevanten Tatsachen enthalten.

4 2. Die Auferlegung einer Missbrauchsgebühr in Höhe von 1.000 € beruht auf § 34 Abs. 2 BVerfGG.

5 Ein Missbrauch liegt unter anderem dann vor, wenn eine Verfassungsbeschwerde offensichtlich unzulässig oder unbegründet ist und ihre Einlegung von jedem Einsichtigen als völlig aussichtslos angesehen werden muss (vgl. BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 9. Juni 2004 - 1 BvR 915/04 -, NJW 2004, S. 2959). Das Bundesverfassungsgericht muss nicht hinnehmen, dass es an der Erfüllung seiner Aufgaben durch für jedermann erkennbar aussichtslose Verfassungsbeschwerden behindert wird und dadurch anderen Bürgern den ihnen zukommenden Grundrechtsschutz nur verzögert gewähren kann. Dies gilt namentlich dann, wenn trotz mehrerer Nichtannahmeentscheidungen in ähnlich gelagerten Fällen weiterhin Verfassungsbeschwerden ohne wesentliche neue Gesichtspunkte anhängig gemacht werden (BVerfGK 6, 219; 10, 94 <97>). Die Missbrauchsgebühr kann dem Bevollmächtigten des Beschwerdeführers auferlegt werden, wenn ihm die missbräuchliche Handlung zuzurechnen ist (vgl. BVerfGK 6, 219 <220>; 10, 94 <97>).

6 Nach diesen Maßstäben liegt eine den Bevollmächtigten der Beschwerdeführerinnen zuzurechnende missbräuchliche Erhebung der Verfassungsbeschwerden vor. Jedem Einsichtigen wäre ohne Schwierigkeiten erkennbar gewesen, dass Verfassungsbeschwerden wie die vorliegenden den Begründungsanforderungen bei Weitem nicht genügen und damit offensichtlich unzulässig sind. Hinzu kommt, dass die Bevollmächtigten namens verschiedener Beschwerdeführer bereits zahlreiche Verfassungsbeschwerden mit ähnlichen, teilweise gleichen Begründungen erhoben haben, die - soweit sie bereits entschieden wurden - nicht zur Entscheidung angenommen wurden (vgl. Beschlüsse der 2. Kammer des Ersten Senats vom 15. März 2011 - 1 BvR 2990/10 -, vom 13. April 2011 - 1 BvR 2895/09 - und vom 8. September 2011 - 1 BvR 2558/10 -).

7 Von einer weiteren Begründung wird - insbesondere im Hinblick auf die Nichtannahme der Verfassungsbeschwerden zur Entscheidung

  • nach § 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG abgesehen.

8 Diese Entscheidung ist unanfechtbar.

Mots-clés

constitutional complaintadmissibilitysubstantiationabuse feemanifest inadmissibilitycounsel liabilitynon-admission

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the constitutional complaints should be accepted for decision.

Solution extraite

The complaints were not accepted because they failed to satisfy the admissibility and substantiation requirements and showed neither fundamental significance nor a need for enforcement of constitutional rights.

Motifs extraits

The submissions did not engage with the constitutional standards for the alleged rights violations and did not set out the relevant facts in a sufficiently substantiated and coherent manner.

Question juridique clé

Whether an abuse fee should be imposed on counsel.

Solution extraite

Yes. A fee of EUR 1,000 was imposed on the complainants' counsel.

Motifs extraits

Repeated filing of essentially similar constitutional complaints despite prior non-admission decisions, combined with manifestly inadmissible and clearly hopeless complaints, constituted an abuse attributable to counsel.

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