Non-admission complaint inadmissible: no properly stated procedural defect

BSG B 13 R 371/11 BBsg / Division 1317 déc. 2012Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Social Court rejected as inadmissible the claimant’s complaint against the Hessian LSG’s refusal to admit revision in a pension case. The claimant relied only on alleged procedural defects, especially a violation of the right to be heard and of the hearing duty under § 153 Abs 4 S 2 SGG, as well as a fair-trial complaint. The court held that the complaint did not satisfy the requirements for properly designating a procedural defect because it did not show what decisive arguments would have been submitted or how the alleged defects could have affected the result. It also stated that a breach of § 153 Abs 4 S 2 SGG is not an absolute ground for revision.

Regeste Omnilex

§ 160 Abs 2 Nr 3, § 160a Abs 2 S 3 SGG; non-admission complaint based on procedural defect: the complainant must designate the allegedly violated federal procedural norm precisely, substantiate the facts constituting the breach, and demonstrate that the challenged decision may have been based on the defect. A merely asserted violation of the right to be heard or of the hearing duty under § 153 Abs 4 S 2 SGG is insufficient absent a showing of decisiveness. Such a breach does not constitute an absolute ground of revision. The same applies to a fair-trial objection, which must likewise be presented with outcome-related reasoning (consid. 3-8).

Texte intégral

BSG — B 13 R 371/11 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-12-17

Aktenzeichen: B 13 R 371/11 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2012:171212BB13R37111B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 62 SGG, § 153 Abs 4 S 1 SGG, § 153 Abs 4 S 2 SGG, § 160 Abs 2 Nr 3 SGG, § 160a Abs 2 S 3 SGG, § 202 SGG, § 547 ZPO, Art 103 Abs 1 GG

Vorinstanz: vorgehend SG Frankfurt, 21. September 2009, Az: S 23 R 325/08vorgehend Hessisches Landessozialgericht, 6. September 2011, Az: L 2 R 373/09, Beschluss

Spruchkörper: 13. Senat

Titelzeile

(Nichtzulassungsbeschwerde - Gewährung rechtlichen Gehörs - Verletzung der Anhörungspflicht nach § 153 Abs 4 S 2 SGG - absoluter Revisionsgrund)

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision im Beschluss des Hessischen Landessozialgerichts vom 6. September 2011 wird als unzulässig verworfen.

Die Beteiligten haben einander für das Beschwerdeverfahren keine außergerichtlichen Kosten zu erstatten.

Gründe

1 Das Hessische LSG hat im Beschluss vom 6.9.2011 einen Anspruch des Klägers auf Rente wegen Erwerbsminderung verneint.

2 Der Kläger macht mit seiner beim BSG erhobenen Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision in dem genannten LSG-Beschluss ausschließlich Verfahrensmängel geltend.

3 Die Beschwerde des Klägers ist unzulässig. Seine Beschwerdebegründung vom 30.11.2011 genügt nicht der vorgeschriebenen Form, denn er hat einen Verfahrensmangel nicht ordnungsgemäß bezeichnet (§ 160 Abs 2 Nr 3 iVm § 160a Abs 2 S 3 SGG) .

4 Wird die Zulassung der Revision wegen eines Verfahrensmangels begehrt, ist in der Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde die bundesrechtliche Verfahrensnorm, die das Berufungsgericht verletzt haben soll, hinreichend genau zu benennen. Zudem müssen die tatsächlichen Umstände, welche den Verstoß begründen sollen, substantiiert dargetan und darüber hinaus muss insbesondere dargestellt werden, inwiefern die angefochtene Entscheidung auf diesem Verfahrensmangel beruhen kann (vgl BSG SozR 4-1500 § 160a Nr 3 RdNr 4, Nr 21 RdNr 4 - jeweils mwN; Krasney in Krasney/Udsching, Handbuch des sozialgerichtlichen Verfahrens, 6. Aufl 2011, Kap IX RdNr 202 ff) . Diesen Anforderungen wird das Vorbringen des Klägers nicht gerecht.

5 Dieser rügt zunächst eine Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör (§ 62 SGG, Art 103 Abs 1 GG) , weil das LSG den Beschluss vom 6.9.2011 überraschend ohne vorherige Mitteilung erlassen habe. Nach der Anhörungsmitteilung des LSG vom 11.2.2010 hinsichtlich eines Beschlusses nach § 153 Abs 4 S 1 SGG habe er mit Schreiben vom 18.7.2011 durch seinen Prozessbevollmächtigten "kurz die Klage mit dem Hinweis auf das Gutachten des Dr. S." begründet. Aufgrund der ihm anschließend vom Gericht übersandten Erklärung zur Entbindung von der Geheimhaltungspflicht und der ärztlichen Schweigepflicht habe er davon ausgehen dürfen, dass eine weitere Sachaufklärung stattfinden solle. Dr. S. habe unter dem 26.7.2011 eine Stellungnahme zu den Akten des LSG gereicht; diese enthalte auch eine Auskunft der Bundesagentur für Arbeit vom 26.5.2010 zu berufs- und wirtschaftskundlichen Fragen. Die hierzu getroffenen richterlichen Verfügungen seien auf Bl 291 und Bl 295 (jeweils Rückseite) der Gerichtsakte dokumentiert, doch liege in der Akte eine Ausführung ebenso wenig vor wie eine Weiterleitung der Stellungnahme des Gutachters oder der berufs- und wirtschaftskundlichen Auskunft an seinen Prozessbevollmächtigten. Bei ordnungsgemäßer Aktenführung und Information der Beteiligten hätte die Möglichkeit bestanden, "weitere Argumente" vorzutragen.

6 Mit diesen Darlegungen ist eine entscheidungserhebliche Verletzung des rechtlichen Gehörs des Klägers nicht schlüssig aufgezeigt. Es fehlt bereits an Darlegungen, dass die Entscheidung des LSG auf der behaupteten Gehörsverletzung beruhen kann. Der Kläger hat nicht aufgezeigt, welche konkreten Argumente von ihm vorgetragen worden wären und inwiefern diese eine abweichende Entscheidung hätten bewirken können. Dies gilt auch für die sinngemäß geltend gemachte Verletzung der Anhörungspflicht nach § 153 Abs 4 S 2 SGG, denn eine solche stellt keinen absoluten Revisionsgrund dar (BSG SozR 4-1500 § 153 Nr 7 RdNr 19; Senatsbeschluss vom 23.2.2011 - B 13 R 19/10 BH - BeckRS 2011, 69538 RdNr 10; Senatsbeschluss vom 17.4.2012 - B 13 R 61/12 B - Juris RdNr 9; soweit dem Senatsbeschluss vom 20.10.2010 - B 13 R 63/10 B - SozR 4-1500 § 153 Nr 11 RdNr 15, 17, noch eine abweichende Aussage entnommen werden kann, hält der Senat daran nicht fest. S hierzu auch Bienert, NZS 2012, 885, 891).

7 Soweit der Kläger ferner beanstandet, dass in der Gerichtsakte weder eine Benachrichtigung der Beklagten über die Bevollmächtigung seines Prozessbevollmächtigten dokumentiert noch die Weiterleitung seiner "Klagebegründung" an diese durch ein Schreiben belegt sei, macht er schon nicht die Verletzung eigener Verfahrensrechte geltend. Er zeigt zudem auch insoweit nicht in nachvollziehbarer Weise auf, inwiefern hierauf die angefochtene Entscheidung des LSG beruhen kann.

8 Entsprechendes gilt auch für die Rüge einer Verletzung des Anspruchs auf ein faires Verfahren. Der Kläger sieht diesen Grundsatz dadurch verletzt, dass die Entscheidung nur 10 Tage nach dem Tod des Mitarbeiters A. (am 26.8.2011) des von ihm bevollmächtigten Sozialverbands ergangen sei, obwohl der Präsident des LSG am 29.8.2011 von der Geschäftsstelle des Verbands über diesen Umstand unterrichtet worden sei. Selbst wenn hierin ein Verfahrensmangel läge, ist auch insoweit nicht hinreichend dargetan, in welcher Weise dieser hätte entscheidungserheblich sein können.

9 Von einer weiteren Begründung sieht der Senat ab (§ 160a Abs 4 S 2 Halbs 2 SGG) .

10 Die Verwerfung der danach nicht formgerecht begründeten und somit unzulässigen Beschwerde erfolgt gemäß § 160a Abs 4 S 1 Halbs 2 iVm § 169 S 2 und 3 SGG durch Beschluss ohne Zuziehung der ehrenamtlichen Richter.

11 Die Kostenentscheidung beruht auf einer entsprechenden Anwendung von § 193 SGG.

Mots-clés

non-admission complaintright to be heardprocedural defectfair trialsocial security pensionadmissibilityhearing duty

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the non-admission complaint sufficiently identified a procedural defect under § 160 Abs 2 Nr 3 SGG

Solution extraite

The complaint did not comply with the required form because no procedural defect was properly designated and no decisive reliance was shown.

Motifs extraits

The complainant did not specify concrete arguments he would have made or explain why they could have changed the result.

Question juridique clé

Whether the alleged violation of the right to be heard or the duty to hear under § 153 Abs 4 S 2 SGG justified admission of the appeal

Solution extraite

No. The asserted hearing defect was not shown to be outcome-determinative, and the hearing duty under § 153 Abs 4 S 2 SGG is not an absolute ground for revision.

Motifs extraits

Even if a hearing defect existed, the complainant failed to explain causal relevance. The court expressly rejected treating the hearing-duty breach as an absolute revision ground.

Question juridique clé

Whether an alleged breach of fair-trial guarantees due to the death of the union employee and the timing of the LSG decision warranted relief

Solution extraite

No. The asserted defect was not substantiated as decisive for the outcome.

Motifs extraits

The complaint lacked a plausible explanation of how the timing issue could have affected the decision.

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