Early hearing complaint before written reasons is inadmissible

BSG B 12 KR 11/15 CBsg / Division 1229 oct. 2015Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The claimants brought an Anhörungsrüge against a BSG judgment after oral pronouncement of the result and oral communication of the essential reasons, but before the written reasons were served. The BSG held the complaint inadmissible because § 178a SGG requires the challenged decision and the decisive hearing violation to be shown on the basis of the written, reasoned judgment. Oral reasons, media information, and a terminological report are only provisional and non-binding. Costs were not reimbursed.

Regeste Omnilex

§ 178a Abs. 1 und 2 SGG; Anhörungsrüge before service of the written reasons; admissibility. The written, reasoned judgment is the decisive object of a hearing complaint. A complaint lodged before the written reasons exist is inadmissible, because the decisive grounds of the decision and thus the materiality of the alleged violation of the right to be heard cannot yet be substantiated. The oral communication of the core reasons after pronouncement serves only informational purposes; media information and case reports are not official judicial reasons and cannot substitute for the written judgment (consid. 4).

Texte intégral

BSG — B 12 KR 11/15 C, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-10-29

Aktenzeichen: B 12 KR 11/15 C

ECLI: ECLI:DE:BSG:2015:291015BB12KR1115C0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 178a Abs 1 S 1 SGG, § 178a Abs 2 S 5 SGG, § 132 Abs 2 SGG, § 134 Abs 2 SGG, § 136 Abs 1 SGG, § 153 Abs 3 S 1 SGG, § 165 SGG

Vorinstanz: vorgehend SG Freiburg (Breisgau), 11. Mai 2010, Az: S 14 KR 3338/07, Urteilvorgehend Landessozialgericht Baden-Württemberg, 24. April 2012, Az: L 11 KR 3416/10, Urteilvorgehend BSG, 30. September 2015, Az: B 12 KR 15/12 R, Urteilnachgehend BSG, 20. Juli 2016, Az: B 12 KR 3/16 C, Beschluss

Spruchkörper: 12. Senat

Titelzeile

Sozialgerichtliches Verfahren - Unzulässigkeit einer bereits vor dem Vorliegen der schriftlichen Urteilsgründe erhobenen Anhörungsrüge - Medieninformationen/Terminberichte des BSG

Leitsatz

Eine bereits vor dem Vorliegen der schriftlichen Urteilsgründe erhobene Anhörungsrüge ist unzulässig.

Tenor

Die Anhörungsrüge der Kläger wird als unzulässig verworfen.

Kosten sind nicht zu erstatten.

Gründe

1 I. In dem der Anhörungsrüge zugrundeliegenden Rechtsstreit (B 12 KR 15/12 R) hat der Senat nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 30.9.2015 gemäß § 132 Abs 1 S 1 und 2 SGG ein Urteil verkündet. Nach Verlesen der Urteilsformel hat der Vorsitzende in Anwesenheit der Beteiligten mündlich den wesentlichen Inhalt der Entscheidungsgründe mitgeteilt (§ 132 Abs 2 SGG) . Unmittelbar danach veröffentlichte die Pressestelle des BSG eine Medieninformation und am 1.10.2015 einen Terminbericht zu dem Verfahren. Eine schriftliche Urteilsfassung (§ 134 Abs 2, § 136 Abs 1, § 153 Abs 3 S 1, § 165 SGG) liegt noch nicht vor; sie muss - wie den Beteiligten nach der Verkündung mitgeteilt - binnen angemessener Zeit erstellt und den Beteiligten zugestellt (§ 135 SGG) werden.

2 Die Kläger haben am 12.10.2015 Anhörungsrüge mit dem Antrag erhoben, "die Revision gemäß § 178a Abs. 4 SGG fortzuführen und unverzüglich wieder in die mündliche Verhandlung einzutreten".

3 II. Die Anhörungsrüge der Kläger ist unzulässig und daher nach § 178a Abs 4 S 1 SGG zu verwerfen.

4 Nach § 178a Abs 1 S 1 SGG ist auf die Rüge eines durch eine gerichtliche Entscheidung beschwerten Beteiligten das Verfahren fortzuführen, wenn ein Rechtsmittel oder ein anderer Rechtsbehelf gegen die Entscheidung nicht gegeben ist (Nr 1) und das Gericht den Anspruch dieses Beteiligten auf rechtliches Gehör in entscheidungserheblicher Weise verletzt hat (Nr 2) . Die Rüge muss nach § 178a Abs 2 S 5 SGG die angegriffene Entscheidung bezeichnen und das Vorliegen der in Abs 1 S 1 Nr 2 genannten Voraussetzungen darlegen. Hieran fehlt es offenkundig. Mangels Vorliegens der mit Gründen versehenen schriftlichen Urteilsfassung kann die Entscheidungserheblichkeit der von den Klägern behaupteten Gehörsverletzung nicht dargelegt werden (vgl allgemein bereits BGH Beschluss vom 15.7.2010 - I ZR 160/07 - Juris RdNr 2) . Allein die schriftliche Urteilsfassung ist maßgebend (vgl BSG SozR Nr 159 zu § 162 SGG S D a 45 f mwN; Keller in Meyer-Ladewig/Keller/Leitherer, SGG, 11. Aufl 2014, § 132 RdNr 6; Harks in Roos/Wahrendorf, SGG, 2014, § 132 RdNr 21, jeweils mwN) . Demgegenüber haben die mündlich mitgeteilten Gründe nur die Bedeutung einer vorläufigen Information (BSG SozR Nr 159 zu § 162 SGG S D a 46 mwN; Harks, aaO, ebenda, mwN) . Welche Erwägungen für das Urteil tatsächlich tragend sind, kann den mündlich mitgeteilten Gründen verbindlich ebenso wenig entnommen werden, wie der Medieninformation und dem Terminbericht, auf deren Inhalt sich die Kläger zur Begründung ihrer Anhörungsrüge ebenfalls beziehen. Medieninformationen und Terminberichte sind keine amtlichen Veröffentlichungen des BSG, sondern lediglich Arbeitsunterlagen für die beim Gericht tätigen Presse- und Medienvertreter.

5 Die Kostenentscheidung beruht auf einer entsprechenden Anwendung von § 193 SGG.

Mots-clés

hearing complaintadmissibilitywritten reasonsoral pronouncementsocial insurancecosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether a hearing complaint filed before written judgment reasons are available is admissible.

Solution extraite

No. The complaint is inadmissible because the written, reasoned judgment is the decisive decision; before it exists, the decisive reasoning and the materiality of any alleged hearing violation cannot be shown.

Motifs extraits

Under § 178a SGG, the complaint must identify the challenged decision and explain the decisive hearing violation. Without the written judgment, only a provisional oral explanation exists; media information and a case report are not official reasons and cannot replace the written decision.

Question juridique clé

Whether costs should be reimbursed.

Solution extraite

No costs are to be reimbursed.

Motifs extraits

The cost order follows the analogous application of § 193 SGG.

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