Nonadmission complaint inadmissible without grounds for each independent basis

BSG B 3 KR 14/12 BBsg / 3e division19 sept. 2012Inadmissible

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Bundessozialgericht rejected the claimant’s nonadmission complaint as inadmissible. The complaint alleged only a procedural error, but an attack on the LSG’s reasoning on multiple independent grounds required a successful showing of a ground for leave to appeal against each basis. The asserted violation of the duty to investigate failed because no evidentiary motion had been made at the appellate hearing. Costs were not reimbursed.

Regeste Omnilex

§ 160 Abs. 2 Nr. 3, § 160a Abs. 2 S. 3 SGG; nonadmission complaint against a judgment based on several independent grounds; evidentiary complaint under the duty to investigate. A complaint for leave to appeal is inadmissible if it does not set out, in the manner required by statute, a ground for admission. A procedural complaint under § 103 SGG can succeed only where the appellant identifies a rejected evidentiary motion that was denied without sufficient reason. If the appellate judgment rests on several independently sufficient reasons, leave to appeal can be granted only if a ground for admission is successfully demonstrated for each separate reason supporting the operative part.

Texte intégral

BSG — B 3 KR 14/12 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2012-09-19

Aktenzeichen: B 3 KR 14/12 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2012:190912BB3KR1412B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 13 Abs 3 SGB 5, § 27 Abs 1 S 2 Nr 3 SGB 5, § 33 Abs 1 SGB 5, § 92 Abs 1 S 2 Nr 5 SGB 5, § 135 Abs 1 S 1 Nr 1 SGB 5, § 135 Abs 1 S 4 SGB 5, § 160 Abs 2 Nr 3 SGG, § 160a Abs 2 S 3 SGG, § 160a Abs 4 S 1 Halbs 2 SGG, § 169 S 3 SGG

Vorinstanz: vorgehend SG Braunschweig, 30. September 2010, Az: S 6 KR 226/07, Urteilvorgehend Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, 23. Februar 2012, Az: L 1 KR 561/10, Urteil

Spruchkörper: 3. Senat

Titelzeile

Krankenversicherung - Nichtaufnahme eines Hilfsmittels in das Hilfsmittelverzeichnis bei Nichtvorliegen einer positiven Empfehlung des G-BA für die zu Grunde liegende Behandlungsmethode - Nichtzulassungsbeschwerde - Revisionszulassungsgrund - mehrfach begründete Entscheidung - Erfordernis einer erfolgreichen Geltendmachung jeweils eines Revisionszulassungsgrundes für jede der Begründungen

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen vom 23. Februar 2012 wird als unzulässig verworfen.

Kosten des Beschwerdeverfahrens sind nicht zu erstatten.

Gründe

1 I. Der am 2.5.2006 geborene, bei der Rechtsvorgängerin der beklagten Krankenkasse versichert gewesene Kläger begehrt die Erstattung der Kosten einer Kopforthese in Höhe von 1819 Euro, die wegen einer Schädelasymmetrie auf Verordnung der Universitätsklinik Gießen und Marburg angefertigt und im Rahmen einer entsprechenden Behandlung eingesetzt worden ist. Nach den Feststellungen des LSG ist die Beklagte mit diesem Begehren am 10.11.2006 erstmals und zu einem Zeitpunkt befasst worden, als mit der Behandlung bereits begonnen worden war. Der Kläger beruft sich hingegen darauf, seiner Mutter sei von einer Mitarbeiterin der Rechtsvorgängerin der Beklagten vor Behandlungsbeginn die Übernahme der Kosten fernmündlich in Aussicht gestellt worden. Während er damit beim SG erfolgreich gewesen ist, hat das LSG die Klage nach schriftlicher Befragung dieser Mitarbeiterin abgewiesen (Urteile vom 30.9.2010 und 23.2.2012) : Die Voraussetzungen von § 13 Abs 3 SGB V als einzig in Betracht kommender Anspruchsgrundlage seien nicht erfüllt. Die Behandlung mit der Kopforthese sei weder als unaufschiebbare Leistung im Sinne der 1. Alternative der Vorschrift anzusehen noch sei im Sinne deren 2. Alternative ein Ursachenzusammenhang zwischen der Leistungsablehnung und der Kostenbelastung des Klägers gegeben. Vielmehr sei die Rechtsvorgängerin der Beklagten erst nach Behandlungsbeginn mit dem Leistungsbegehren befasst worden. Eine vorherige Anfrage sei nicht nachgewiesen, nachdem sich die befragte Zeugin an den Vorgang nicht mehr habe erinnern können. Ungeachtet dessen bestehe der geltend gemachte Anspruch auch in der Sache nicht, weil die Kopforthesenbehandlung als neue Untersuchungs- und Behandlungsmethode iS von § 135 SGB V anzusehen sei und das dazu notwendige positive Votum des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) nicht vorliege.

2 Mit seiner Beschwerde wendet sich der Kläger gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des LSG und beruft sich sinngemäß auf einen Verfahrensfehler, und zwar auf die Verletzung der Amtsermittlungspflicht (§ 103 SGG) .

3 II. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unzulässig, weil sie nicht in der durch § 160 Abs 2, § 160a Abs 2 SGG normierten Form begründet worden ist. Sie ist deshalb ohne Zuziehung der ehrenamtlichen Richter zu verwerfen (§ 160a Abs 4 S 1, § 169 SGG) . Der Kläger weist zwar sinngemäß auf einen gesetzlichen Zulassungsgrund hin, nämlich auf einen Verfahrensmangel iS von § 160 Abs 2 Nr 3 SGG. Jedoch ist der Zulassungsgrund nicht so dargelegt, wie § 160a Abs 2 S 3 SGG dies verlangt.

4 Die Rüge eines Verstoßes gegen den Amtsermittlungsgrundsatz (§ 103 SGG) ist schon deshalb unzulässig, weil eine Verletzung dieser Verfahrensnorm gemäß § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 2. Alt SGG nur darauf gestützt werden kann, dass das LSG einem Beweisantrag ohne hinreichende Begründung nicht gefolgt ist. Der anwaltlich vertretene Kläger hat ausweislich des Protokolls vom 23.2.2012 im Termin zur mündlichen Verhandlung vor dem LSG solche Anträge nicht gestellt. Ungeachtet dessen ist die in Zusammenhang mit dem fehlenden positiven Votum des GBA zur Versorgung mit Kopforthesen erhobene Verfahrensrüge auch rechtlich unerheblich (vgl zum Erfordernis einer positiven Empfehlung des GBA bei Hilfsmitteln im Rahmen einer neuen Untersuchungs- oder Behandlungsmethode BSGE 104, 95 = SozR 4-2500 § 139 Nr 4, RdNr 14 ff) . Beruht aber eine Entscheidung des Berufungsgerichts auf mehreren Begründungen, die jede für sich den Urteilsspruch - hier: Abweisung der Klage - tragen, so kann die Nichtzulassungsbeschwerde nur dann zur Zulassung der Revision führen, wenn für jede dieser Begründungen ein Zulassungsgrund erfolgreich geltend gemacht wird (vgl BSG Beschluss vom 27.7.2006 - B 7a AL 52/06 B; BSG Beschluss vom 5.12.2007 - B 11a AL 112/07 B; BSG Beschluss vom 22.4.2010 - B 1 KR 145/09 B; Leitherer in Meyer-Ladewig/Keller/Leitherer, SGG, 10. Aufl 2012, § 160a RdNr 13f mwN; vgl auch Becker SGb 2007, 261, 265) .

5 Die Kostenentscheidung beruht auf der entsprechenden Anwendung des § 193 SGG.

Mots-clés

health insurancereimbursementmedical aidnonadmission complaintprocedural defectduty to investigateevidentiary motionmultiple groundscosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the nonadmission complaint was properly substantiated under § 160a SGG

Solution extraite

No. The complaint did not validly set out a ground for leave to appeal in the required manner.

Motifs extraits

The claimant pointed only to an alleged procedural error. This was insufficient because the complaint had to satisfy the formal requirements of § 160a Abs. 2 SGG.

Question juridique clé

Whether an alleged violation of the duty to investigate could support leave to appeal

Solution extraite

No. A challenge under § 103 SGG is admissible only if the appellate court failed to follow an evidentiary motion without adequate reason; no such motion had been made.

Motifs extraits

The record of the oral hearing before the LSG showed that the claimant, represented by counsel, had not filed any evidentiary motion. The complaint was therefore procedurally ineffective.

Question juridique clé

Whether a nonadmission complaint can succeed where the appellate judgment rests on multiple independent grounds

Solution extraite

Only if a ground for leave to appeal is successfully shown for each independent basis supporting the judgment.

Motifs extraits

Because the LSG had rejected the claim on several independently sufficient grounds, the complaint had to attack each of them. That requirement was not met.

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