Non-admission complaint dismissed as inadmissible in disability case

BSG B 9 SB 42/16 BBsg / Division 924 oct. 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The BSG rejected the claimant's non-admission complaint as inadmissible. It held that the submission did not satisfy the strict substantiation requirements of § 160a SGG for alleging fundamental importance. The claimant had not properly shown why the legal question concerning a follow-up notice in a disability determination decision remained unresolved. In substance, he merely challenged the LSG's assessment that the notice lacked the character of an administrative act. The court therefore dismissed the complaint without oral elaboration and ordered no reimbursement of costs.

Regeste Omnilex

§ 160a Abs. 2 S. 3 SGG; substantiation of a non-admission complaint alleging fundamental importance and limits of review of factual assessment. A complaint seeking admission of revision must, with reference to the applicable law, identify a specific legal question, explain its abstract need for clarification and capacity for clarification, and show its broader significance. It is insufficient to merely assert unresolved legal issues or to criticize the lower court's appreciation of the facts and its application of the law. A challenge directed in substance against the factual and legal assessment of the appellate court cannot found admission of revision under § 160 Abs. 2 Nr. 3 Halbs. 2 SGG. Where the complaint does not comply with these requirements, it is to be dismissed as inadmissible; costs are then to be decided under § 193 SGG.

Texte intégral

BSG — B 9 SB 42/16 B, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-10-24

Aktenzeichen: B 9 SB 42/16 B

ECLI: ECLI:DE:BSG:2016:241016BB9SB4216B0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 31 SGB 10, § 69 Abs 1 SGB 9, § 128 Abs 1 S 1 SGG, § 160a SGG, § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 SGG

Vorinstanz: vorgehend SG Lüneburg, 19. Juni 2015, Az: S 43 SB 23/15, Gerichtsbescheidvorgehend Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, 21. April 2016, Az: L 10 SB 87/15, Urteil

Spruchkörper: 9. Senat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerde - grundsätzliche Bedeutung einer Rechtssache - sozialrechtliches Verwaltungsverfahren - Ankündigung der Nachuntersuchung im Ausführungsbescheid - Vorliegen eines Verwaltungsakts - richterliche Sachverhaltswürdigung - sozialgerichtliches Verfahren - Darlegungsanforderungen

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen vom 21. April 2016 wird als unzulässig verworfen.

Kosten des Beschwerdeverfahrens sind nicht zu erstatten.

Gründe

1 I. Mit Urteil vom 21.4.2016 hat das LSG Niedersachsen-Bremen einen Anspruch des Klägers auf Feststellung der Entbehrlichkeit der Befristung seines Schwerbehindertenausweises sowie einer Nachuntersuchung verneint. Entgegen der Auffassung des Klägers handele es sich bei der Befristung der Gültigkeitsdauer des Schwerbehindertenausweises nicht um eine Nebenbestimmung zu einem Verwaltungsakt iS des § 32 Abs 1 SGB X. Der Schwerbehindertenausweis stelle mangels Regelung keinen Verwaltungsakt iS des § 31 SGB X dar. Auch die bloße Ankündigung der Nachuntersuchung im Ausführungsbescheid sei mangels Regelung kein Verwaltungsakt iS des § 31 SGB X, sondern lediglich die Mitteilung einer beabsichtigten Maßnahme. Soweit der Kläger die Feststellung begehre, dass auch über Oktober 2016 hinaus bei ihm weiterhin ein Grad der Behinderung (GdB) von 100 sowie die Voraussetzungen des Merkzeichens "G" vorlägen, fehle es für diese Feststellungsklage bereits am allgemeinen Rechtsschutzinteresse. Denn die begehrte Feststellung ergebe sich unmittelbar aus dem weiterhin gültigen Ausführungsbescheid des Beklagten vom 14.11.2012, der nicht befristet sei. Gegen die Nichtzulassung der Revision in diesem Urteil hat der Kläger beim BSG Beschwerde eingelegt und macht eine grundsätzliche Bedeutung der Rechtssache (§ 160 Abs 2 Nr 1 SGG) geltend. Werde eine Nachuntersuchung - wie hier - dem Schwerbehinderten im Ausführungsbescheid bekanntgegeben, so habe dies eine Außenwirkung und sei damit auch der Verwaltungsaktcharakter der Verfügung zu bejahen.

2 II. Die Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers ist unzulässig. Die Begründung genügt nicht den gesetzlichen Anforderungen, da keiner der in § 160 Abs 2 SGG abschließend aufgeführten Zulassungsgründe ordnungsgemäß dargetan worden ist (vgl § 160a Abs 2 S 3 SGG).

3 1. Grundsätzliche Bedeutung iS des § 160 Abs 2 Nr 1 SGG hat eine Rechtssache nur dann, wenn sie eine Rechtsfrage aufwirft, die - über den Einzelfall hinaus - aus Gründen der Rechtseinheit oder der Fortbildung des Recht einer Klärung durch das Revisionsgericht bedürftig und fähig ist. Ein Beschwerdeführer muss daher anhand des anwendbaren Rechts sowie unter Berücksichtigung der höchstrichterlichen Rechtsprechung und des Schrifttums angeben, welche Rechtsfragen sich stellen, dass diese noch nicht geklärt sind, weshalb eine Klärung aus Gründen der Rechtseinheit oder Rechtsfortbildung erforderlich ist und dass das angestrebte Revisionsverfahren eine Klärung erwarten lässt. Um seiner Darlegungspflicht zu genügen, muss der Beschwerdeführer mithin Folgendes aufzeigen: (1.) eine bestimmte Rechtsfrage, (2.) ihre (abstrakte) Klärungsbedürftigkeit, (3.) ihre (konkrete) Klärungsfähigkeit sowie (4.) die über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung der von ihm angestrebten Entscheidung, also eine Breitenwirkung (vgl BSG SozR 1500 § 160 Nr 17; BSGE 40, 158 = SozR 1500 § 160a Nr 11; BSG SozR 1500 § 160a Nr 7, 13, 31, 59, 65) . Diesen Anforderungen genügt die vorliegende Beschwerdebegründung nicht.

4 Der Kläger hält es für eine Rechtsfrage von grundsätzlicher Bedeutung, "ob die in einem Feststellungsbescheid nach § 69 Abs 1 SGB IX enthaltene Verfügung der zuständigen Behörde, dass eine Nachprüfung erforderlich sei, ein Verwaltungsakt nach § 31 SGB X ist".

5 Ungeachtet der Frage, ob der Kläger damit eine bestimmte Rechtsfrage aufgeworfen hat, hat er deren höchstrichterliche Klärungsbedürftigkeit nur behauptet, nicht jedoch schlüssig dargelegt. Hierzu hätte er im Einzelnen darstellen müssen, inwiefern die Rechtsfrage vom BSG bisher noch nicht entschieden ist (vgl BSG SozR 1500 § 160 Nr 51; BSG SozR 1500 § 160a Nr 13 und 65) und warum sich für die Beantwortung der Frage nicht bereits ausreichende Anhaltspunkte in vorliegenden Entscheidungen des BSG finden lassen (vgl BSG SozR 3-1500 § 146 Nr 2 und § 160 Nr 8) .

6 Zwar benennt der Kläger die bereits vom LSG zitierte Entscheidung des BSG mit Urteil vom 11.8.2015 (B 9 SB 2/15 R - Juris) , legt jedoch nicht dar, weshalb die von ihm aufgeworfene Frage nicht bereits durch die benannte Entscheidung des BSG beantwortet ist. Insoweit hätte es unter Auseinandersetzung mit der vom LSG durchgeführten Prüfung der gesetzlichen Voraussetzungen des § 31 SGB X der Darlegung bedurft, wie die von dem Kläger benannte Rechtsfrage nach dem Wortlaut des Gesetzes zu beantworten ist und ob sich eine ausreichende Antwort dazu nicht bereits aus der vom LSG angeführten Rechtsprechung sowie anhand der zitierten Literatur ergibt (s hierzu: Engelmann in von Wulffen/Schütze, SGB X, 8. Aufl 2014, § 31 RdNr 26 mwN auch zur Rechtsprechung des BSG) . Denn eine Rechtsfrage ist dann nicht mehr klärungsbedürftig, wenn sie bereits höchstrichterlich beantwortet ist oder sich mit ihrer Hilfe beantworten lässt (BSG SozR 1500 § 160 Nr 51; BSG SozR 1500 § 160a Nr 13 und 65; BSG Beschluss vom 29.6.2015 - B 10 EG 6/15 B -) . Darüber hinaus ist es nicht Aufgabe des Beschwerdegerichts, aus dem Vorbringen des Beschwerdeführers selbst eine Rechtsfrage zu formulieren, der möglicherweise grundsätzliche Bedeutung zukommen könnte (vgl BSG SozR 3-1500 § 160a Nr 26 S 48) . Indem der Kläger die Wertung des Berufungsgerichts kritisiert, dass es sich bei der Ankündigung einer Nachuntersuchung im Ausführungsbescheid mangels Regelung nicht um einen Verwaltungsakt iS des § 31 SGB X handelt, wendet er sich tatsächlich gegen die Sachverhaltswürdigung des LSG (vgl § 128 Abs 1 S 1 SGG) , womit er nach § 160 Abs 2 Nr 3 Halbs 2 SGG von vornherein keine Revisionszulassung erreichen kann. Entsprechendes gilt, soweit der Kläger insoweit eine unzureichende Rechtsanwendung des LSG rügen wollte (vgl BSG SozR 1500 § 160a Nr 7 S 10) .

7 2. Von einer weiteren Begründung sieht der Senat ab (§ 160a Abs 4 S 2 Halbs 2 SGG) .

8 3. Die Verwerfung der Beschwerde erfolgt ohne Hinzuziehung ehrenamtlicher Richter (§ 160a Abs 4 S 1 Halbs 2 iVm § 169 SGG) .

9 4. Die Kostenentscheidung beruht auf einer entsprechenden Anwendung des § 193 SGG.

Mots-clés

non-admission complaintfundamental importancesubstantiation requirementsadministrative actdisability assessmentjudicial reviewcosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the claimant's non-admission complaint met the requirements of § 160a SGG.

Solution extraite

The complaint did not satisfy the statutory substantiation requirements for any admissible ground for review.

Motifs extraits

The claimant did not properly demonstrate a ground for admission under § 160 Abs. 2 SGG, especially not the asserted fundamental importance.

Question juridique clé

Whether the asserted question about a follow-up notice in a disability determination decision raised a question of fundamental importance.

Solution extraite

No sufficient showing of fundamental importance was made.

Motifs extraits

A party must identify a specific legal question, its need for clarification, its ability to be clarified in the present case, and its general significance; the claimant merely asserted this without engaging with existing case law and scholarship, including the cited BSG decision.

Question juridique clé

Whether the challenge against the lower court's assessment of the follow-up notice could justify leave to appeal.

Solution extraite

No; it was directed against factual assessment and legal application insufficient to obtain revision leave.

Motifs extraits

The complaint in substance attacked the lower court's evaluation that the follow-up announcement lacked regulatory content and was not an administrative act; such criticism cannot found revision admission under § 160 Abs. 2 Nr. 3 Halbs. 2 SGG.

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