BSG determines Stuttgart Social Court as competent court

BSG B 12 SF 7/10 SBsg / Division 123 déc. 2010Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The BSG resolved a negative conflict of jurisdiction between the Social Courts of Braunschweig and Stuttgart in a dispute about reimbursement of hospital treatment costs. Braunschweig had declared itself locally incompetent and referred the case to Stuttgart. Stuttgart then also declined jurisdiction and asked the BSG to determine the competent court. The BSG held that the referral order was binding and that no exception applied, because no arbitrariness or violation of elementary procedural principles was shown. It therefore designated the Social Court of Stuttgart as the competent court.

Regeste Omnilex

§ 58 Abs. 1 Nr. 4 SGG; negative competence conflict between social courts; binding effect of referral order under § 98 Satz 1 SGG in conjunction with § 17a Abs. 2 GVG. The common superior court may determine the competent court where two courts each decline jurisdiction. A referral order is generally binding irrespective of possible errors in the application of substantive or procedural jurisdiction rules. Departure from binding effect is permissible only in exceptional cases of manifest arbitrariness or disregard of elementary procedural principles; a merely incorrect subsumption under the rules on local jurisdiction does not suffice (consid. 4 f.).

Texte intégral

BSG — B 12 SF 7/10 S, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-12-03

Aktenzeichen: B 12 SF 7/10 S

ECLI: ECLI:DE:BSG:2010:031210BB12SF710S0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 58 Abs 1 Nr 4 SGG, § 98 S 1 SGG, § 17a Abs 2 GVG

Vorinstanz: vorgehend SG Stuttgart, 2. August 2010, Az: S 10 KR 3138/10, Beschluss

Spruchkörper: 12. Senat

Titelzeile

(Sozialgerichtliches Verfahren - Zuständigkeitsbestimmung durch BSG nach § 58 Abs 1 Nr 4 SGG - unmittelbare Anrufung durch Sozialgericht - Streitigkeit über Anwendung von Regelungen über die örtliche Zuständigkeit oder Richtigkeit des dem Verweisungsbeschlusses zugrundeliegenden Subsumtionsvorgangs - Bindungswirkung des Verweisungsbeschlusses)

Tenor

Das Sozialgericht Stuttgart wird zum zuständigen Gericht bestimmt.

Gründe

1 I. Die Beteiligten streiten um die Rückforderung von Kosten einer Krankenhausbehandlung im Jahr 2007. Die Krankenkasse hat mit einem am 11.3.2010 beim SG Braunschweig eingegangenen Schreiben Klage wegen Rückforderung dieser von ihr bereits beglichenen Kosten erhoben. Mit Verfügung vom 16.3.2010 hat das SG Braunschweig die Beteiligten zu einer beabsichtigten Verweisung des Rechtsstreits an das SG Hannover oder das SG Stuttgart angehört. Mit Beschluss vom 12.5.2010 hat sich das SG Braunschweig für örtlich unzuständig erklärt und den Rechtsstreit an das SG Stuttgart verwiesen. Anspruchsgrundlage für den streitigen Vergütungsanspruch sei der gem § 112 Abs 2 Nr 1 SGB V abgeschlossene Sicherstellungsvertrag zwischen der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft und den Verbänden der gesetzlichen Krankenkassen. Dieser sei ein Vertrag auf Landesebene iS des § 57a Abs 3 SGG, sodass sich die örtliche Zuständigkeit nach dem Sitz der (baden-württembergischen) Landesregierung richte. Mit Beschluss vom 2.8.2010 hat sich das SG Stuttgart ebenfalls nach Anhörung der Beteiligten für örtlich unzuständig erklärt und die Streitsache dem BSG zur Bestimmung des zuständigen Gerichts vorgelegt, weil die Verweisung willkürlich sei oder auf einer Missachtung elementarer Verfahrensgrundsätze beruhe und deshalb nicht binde.

2 II. Die Voraussetzungen für eine Zuständigkeitsbestimmung nach § 58 Abs 1 Nr 4 SGG durch das BSG liegen vor. Es ist als gemeinsam nächsthöheres Gericht im Sinne dieser Vorschrift zur Entscheidung des negativen Kompetenzkonflikts zwischen dem SG Braunschweig und dem SG Stuttgart berufen, nachdem das SG Braunschweig seine örtliche Zuständigkeit verneint und den Rechtsstreit an das SG Stuttgart verwiesen hat, dieses Gericht sich jedoch ebenfalls nicht für örtlich zuständig hält, sondern weiterhin das SG Braunschweig mangels Bindungswirkung als zuständig ansieht. Das SG Stuttgart konnte von einem eigenen Verweisungsbeschluss absehen und von seiner Unzuständigkeit ausgehend unmittelbar das BSG zur Bestimmung des zuständigen Gerichts anrufen (vgl BSG, Beschluss vom 27.5.2004, B 7 SF 6/04 S, SozR 4-1500 § 57a Nr 2) .

3 Zum zuständigen Gericht ist das SG Stuttgart zu bestimmen, weil dieses an den Verweisungsbeschluss des SG Braunschweig vom 12.5.2010 gebunden ist.

4 Gemäß § 98 Satz 1 SGG iVm § 17a Abs 2 GVG ist ein Verweisungsbeschluss wegen örtlicher oder sachlicher Unzuständigkeit für das Gericht, an das verwiesen wurde, bindend. Dies gilt im Interesse des verfassungsrechtlich gewährleisteten effektiven Rechtsschutzes (Art 19 Abs 4 GG) und einer möglichst zügigen sachlichen Entscheidung grundsätzlich unabhängig von der Verletzung prozessualer oder materieller Vorschriften. Den Streit der beteiligten Gerichte über die Anwendung von Regelungen über die örtliche Zuständigkeit zu entscheiden oder in jedem Einzelfall die Richtigkeit des dem Verweisungsbeschluss zugrundeliegenden Subsumtionsvorgangs zu überprüfen, ist gerade nicht Aufgabe des gemeinsam übergeordneten Gerichts im Verfahren nach § 58 Abs 1 Nr 4 SGG.

5 Ausnahmsweise kommt dem Verweisungsbeschluss dann keine Bindungswirkung zu, wenn die Verweisung auf einer Missachtung elementarer Verfahrensgrundsätze oder einem willkürlichen Verhalten beruht (vgl BSG, Beschlüsse vom 25.2.1999, B 1 SF 9/98 S, SozR 3-1720 § 17a Nr 11 S 19 ff, vom 27.5.2004, B 7 SF 6/04 S, SozR 4-1500 § 57a Nr 2 RdNr 11, vom 1.6.2005, B 13 SF 4/05 S, SozR 4-1500 § 58 Nr 6 RdNr 15, und vom 8.5.2007, B 12 SF 3/07 S, SozR 4-1500 § 57 Nr 2 RdNr 4, sowie BVerfG vom 19.12.2001, 1 BvR 814/01, NVwZ - RR 2002, 389; zuletzt Beschlüsse des BSG vom 16.9.2009, B 12 SF 7/09 S, und vom 10.3.2010, B 12 SF 2/10 S) . Für eine abweichende Bestimmung des örtlich zuständigen Gerichts in Anwendung dieser strengen Maßstäbe, die das BSG in seiner Rechtsprechung ausgeformt hat, ist vorliegend kein Raum. Zwar hat das SG Stuttgart geltend gemacht, dass ein Ausnahmefall vorliege, weil die Verweisung willkürlich sei oder auf einer Missachtung elementarer Verfahrensgrundsätze beruhe. Auch unter Berücksichtigung der von ihm benannten Entscheidungen des 1. und des 3. Senats des BSG ist ein Verstoß gegen elementare Verfahrensgrundsätze jedoch nicht ersichtlich. Die Entscheidung des SG Braunschweig ist auch nicht willkürlich. Allein eine möglicherweise fehlerhafte Anwendung des § 57a Abs 3 SGG durch das SG Braunschweig begründet solche Verstöße nicht.

Mots-clés

jurisdictionreferral orderbinding effectnegative competence conflictsocial insurancelocal jurisdictionarbitrariness

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the BSG could determine the competent court under Section 58(1) No. 4 SGG

Solution extraite

Yes. As the common superior court, the BSG was competent to resolve the negative conflict of jurisdiction.

Motifs extraits

Braunschweig had declined local jurisdiction and referred the case to Stuttgart; Stuttgart also declined jurisdiction, so a negative competence conflict existed.

Question juridique clé

Whether the referral order of the Sozialgericht Braunschweig bound the Sozialgericht Stuttgart

Solution extraite

Yes. Stuttgart was bound by Braunschweig's referral order and had to accept jurisdiction.

Motifs extraits

Under Section 98 sentence 1 SGG in conjunction with Section 17a(2) GVG, a referral order is binding even if the referring court may have erred in applying the rules on local jurisdiction.

Question juridique clé

Whether the referral was exceptionally non-binding because it was arbitrary or violated elementary procedural principles

Solution extraite

No. No arbitrariness or violation of elementary procedural principles was shown.

Motifs extraits

The strict exception to binding effect applies only in exceptional cases; a merely possibly incorrect application of Section 57a(3) SGG is insufficient.

Poursuivez vos recherches dans ChatGPT ou Claude

Connectez Omnilex pour rechercher dans le corpus juridique depuis votre assistant IA.