Duty to inform on possible loss of plea agreement binding effect

BGH 5 StR 15/17Bgh / Criminal Chamber 524 janv. 2017Remanded

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice allowed the defendant’s revision against a conviction for organized card forgery and computer fraud. It held that § 257c Abs. 5 StPO was violated because the defendant had not been informed, when the plea bargain was proposed, that the court’s binding effect on the agreement could cease. The court considered the error causal for the confession and the judgment. The conviction and findings were set aside, and the case was remitted to another criminal chamber of the Landgericht Dresden, including on costs.

Regeste Omnilex

§ 257c Abs. 4, 5 StPO; duty to inform on the limited binding effect of a plea agreement and the circumstances in which the court may cease to be bound; an accused must be instructed already upon presentation of the plea proposal, before the agreement is concluded, that the court is not unconditionally bound. A plea agreement is compatible with the fair-trial principle only if the defendant is made aware in advance of the restricted binding effect. A violation of this duty generally leads to reversal where the confession and the conviction rest on the agreement and no concrete indication exists that the defendant already knew the relevant conditions (consid. 2).

Texte intégral

BGH — 5 StR 15/17, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2017-01-24

Aktenzeichen: 5 StR 15/17

ECLI: ECLI:DE:BGH:2017:240117B5STR15.17.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 257c Abs 4 StPO, § 257c Abs 5 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Dresden, 14. September 2016, Az: 424 Js 60945/15 - 15 KLs

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Verständigung im Strafprozess: Belehrungspflicht hinsichtlich der Möglichkeit eines Entfallens der Bindung des Gerichts an die Verständigung

Tenor

Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Dresden vom 14. September 2016 mit den Feststellungen aufgehoben.

Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen banden- und gewerbsmäßiger Fälschung von Zahlungskarten mit Garantiefunktion in Tateinheit mit banden- und gewerbsmäßigem Computerbetrug zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten verurteilt und eine Anrechnungsentscheidung getroffen. Die hiergegen gerichtete Revision hat mit der Rüge, § 257c Abs. 5 StPO sei verletzt worden, Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO).

2 Hierzu hat der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift zutreffend ausgeführt:

„Die Rüge ist unter Berücksichtigung der einschlägigen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (vgl. Beschluss vom 25. August 2014 - 2 BvR 2048/13 -) und des Senats (vgl. Beschlüsse vom 5. November 2014 - 5 StR 253/13 - und vom 25. März 2015 - 5 StR 82/15 -) begründet.

Der Senat hat im Rahmen seiner Entscheidung vom 25. März 2015 unter anderem Folgendes ausgeführt:

‚... der Vorsitzende der Strafkammer hätte den Angeklagten bereits bei Unterbreitung des Verständigungsvorschlags über die in § 257 c Abs. 4 StPO geregelte Möglichkeit eines Entfallens der Bindung des Gerichts an die Verständigung belehren müssen. Eine Verständigung ist regelmäßig nur dann mit dem Grundsatz des fairen Verfahrens zu vereinbaren, wenn der Angeklagte vor ihrem Zustandekommen nach § 257 c Abs. 5 StPO über deren nur eingeschränkte Bindungswirkung für das Gericht belehrt worden ist (vgl. hierzu BVerfGE 133, 168, 237; BVerfG [Kammer], NStZ 2014, 721; BGH, Beschluss vom 10. Februar 2015 - 4 StR 595/14 mwN).

Das Geständnis des Angeklagten und damit auch das Urteil beruhen auf dem Verstoß gegen die Belehrungspflicht (§ 337 Abs. 1 StPO). Der Senat kann die Ursächlichkeit des Belehrungsfehlers für das Geständnis nicht ausnahmsweise ausschließen. Der Angeklagte hat die ihm zur Last gelegten Taten auf der Grundlage der Verständigung eingeräumt. Neben anderen Beweismitteln hat die Strafkammer vor allem hierauf die Verurteilung gestützt. Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass dem Angeklagten die Voraussetzungen für den Wegfall der Bindungswirkung bekannt waren, bestehen nicht.‘

Diese Erwägungen müssen im Ergebnis auch hier gelten.

Die Tatsache, dass der Verteidiger des Angeklagten bereits vor dem Verständigungsvorschlag des Gerichts eine geständige Einlassung in Aussicht gestellt hatte, steht einer solche Wertung nicht entgegen.“

3 Dem stimmt der Senat zu. Er bemerkt zudem im Hinblick auf die von der Revision erhobene Inbegriffsrüge (§ 261 StPO), dass es naheliegen wird, die im angegriffenen Urteil wiedergegebenen Urkunden im Selbstleseverfahren (§ 249 Abs. 2 StPO) in die neue Hauptverhandlung einzuführen, sofern das Tatgericht sie im Rahmen seiner Beweiswürdigung zu verwenden beabsichtigen sollte.

SanderSchneiderDölp
KönigMosbacher

Mots-clés

plea agreementduty to informbinding effectconfessionrevisionfair trialremand

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the plea agreement was invalid because the defendant was not informed that the court might cease to be bound by the agreement under § 257c StPO.

Solution extraite

Yes. The defendant had to be informed already when the plea proposal was made that the court's binding effect could cease; the omission violated § 257c Abs. 5 StPO and the judgment rested on that error.

Motifs extraits

The court adopted the Generalbundesanwalt's view and held that, for a plea agreement to be compatible with fair-trial guarantees, the accused must be informed before the agreement is concluded about the limited binding effect and the circumstances in which it may fall away. The defendant's admission was based on the agreement, and the conviction relied substantially on it; no indication showed he already knew the relevant conditions.

Question juridique clé

Whether the conviction had to be set aside because the trial court's evidentiary use of documents in the judgment was challenged by an inbegriff complaint.

Solution extraite

The court did not decide this separately; it only noted that the documents should, if needed again, be introduced in the new trial through the self-reading procedure.

Motifs extraits

This was an ancillary procedural remark for the retrial and not a separate dispositive ruling.

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