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BGH 1 ARs 19/11 ΓÇó GmbH manager can be liable for bankruptcy regardless of company interest
BGH 1 ARs 19/11Bgh / Ire chambre pénale29 nov. 2011Confirmed
The 1st Criminal Senate of the Federal Court of Justice answered a request from the 3rd Criminal Senate concerning bankruptcy liability of a GmbH manager. It held that a manager who, in the face of impending insolvency, conceals company assets is punishable for bankruptcy even if he does not act in the company’s interest. The senate expressly approved the requesting senate’s view and gave up its own earlier contrary case law, which had relied on the so-called interest theory.
Bankruptcy liability of a GmbH manager; abandonment of the interest theory: a corporate representative who in the face of impending insolvency removes assets from the company’s estate is punishable under the bankruptcy offences even if the act is not in the company’s interest. The prior case law, which restricted the scope of the offence by reference to the company’s interest, is no longer followed; this theory is incompatible with equal treatment and unduly narrows insolvency protection for asset-diminishing conduct (consid. 4 f.).
Entscheidungsdatum: 2011-11-29
Aktenzeichen: 1 ARs 19/11
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 23 StGB, §§ 23ff StGB
Vorinstanz: vorgehend BGH, 15. September 2011, Az: 3 StR 118/11, Beschlussnachgehend BGH, 15. Mai 2012, Az: 3 StR 118/11, Beschluss
Spruchkörper: 1. Strafsenat
Strafbarkeit eines GmbH-Geschäftsführes wegen Bankrotts
Der Senat stimmt der Rechtsansicht des anfragenden 3. Strafsenats zu. Er gibt entgegenstehende eigene Rechtsprechung auf.
1 1. Der 3. Strafsenat beabsichtigt zu entscheiden (Beschluss vom 15. September 2011 - 3 StR 118/11):
2 Schafft der Geschäftsführer einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung bei drohender Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft Bestandteile des Gesellschaftsvermögens beiseite, so ist er auch dann wegen Bankrotts strafbar, wenn er hierbei nicht im Interesse der Gesellschaft handelt.
3 Er hat daher bei den anderen Strafsenaten angefragt, ob diese an entgegenstehender Rechtsprechung festhalten.
4 2. Der 3. Strafsenat hatte bereits mit Beschluss vom 10. Februar 2009 im Verfahren 3 StR 372/08 gewichtige Argumente angeführt, die für ein Abweichen der Rechtsprechung von der „Interessentheorie“ sprechen könnten (BGH NStZ 2009, 437, 439). Namentlich im Hinblick auf die bei Anwendung der Interessentheorie entstehende Ungleichbehandlung von Einzelkaufleuten und GmbH-Geschäftsführern sowie auf den Umstand, dass die Anwendung der „Interessenformel“ zu einer dem Schutzzweck zuwiderlaufenden Zurückdrängung der Delikte des Insolvenzstrafrechts bei vermögensschädigenden und damit in der Regel masseschmälernden Verhaltensweisen zum Nachteil von Handelsgesellschaften führt (vgl. Radtke, GmbHR 2009, 875), hatte auch der 1. Strafsenat schon damals Bedenken gegen die weitere Anwendung der „Interessenformel“ zur Bestimmung des Anwendungsbereichs des Bankrotttatbestands bei Handelsgesellschaften. Er neigte ebenfalls dazu, von der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur Strafbarkeit eines Vertreters wegen Bankrotts abzuweichen und die Abgrenzung zwischen den Insolvenzdelikten der §§ 283 ff. StGB und insbesondere der Untreue nach § 266 StGB, aber auch den Eigentumsdelikten gemäß §§ 242, 246 StGB nicht mehr nach der Interessenformel vorzunehmen. Mit Beschluss vom 1. September 2009 im Verfahren 1 StR 301/09 hat der 1. Strafsenat dies klar zum Ausdruck gebracht. Ein Anfrageverfahren kam damals mangels Entscheidungserheblichkeit der Rechtsfrage nicht in Betracht.
5 Der 1. Strafsenat teilt die Rechtsauffassung des anfragenden Senats und gibt eigene entgegenstehende Rechtsprechung auf.
Nack Wahl Graf
Jäger Sander