Baugeld misuse and no compensable damage under avoidance law

BGH IX ZR 220/11Bgh / Civil Chamber 926 avr. 2013Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice dismissed the claimant's complaint against denial of leave to appeal. It held that no recoverable damage existed under § 823(2) BGB in conjunction with the Construction Funds Security Act because any payment that should have been made to the claimant would have been avoidable in insolvency. The court also rejected the argument that avoidance would fail for lack of creditor prejudice, explaining that paid-out construction money becomes part of the insolvency estate. The complaint's objections to the due date of the claimed receivables were found insufficiently substantiated.

Regeste Omnilex

§ 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 1 Abs. 1 BauFordSiG; compensable damage and insolvency avoidance: If construction funds are misused, a builder's damages claim fails where a proper payment to the builder would not have survived avoidance under § 129 Abs. 1 InsO. Once construction money has been paid into the insolvency estate and no special trust arrangement or continuing attachment restriction exists, the funds are subject to general creditor access; the legislature has not provided a further preferential protection for construction fund creditors (consid. 3-5).

Texte intégral

BGH — IX ZR 220/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-04-26

Aktenzeichen: IX ZR 220/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 823 Abs 2 BGB, § 1 Abs 1 BauFordSiG, § 129 Abs 1 InsO

Vorinstanz: vorgehend Brandenburgisches Oberlandesgericht, 16. November 2011, Az: 4 U 202/10, Urteilvorgehend LG Potsdam, 9. Dezember 2010, Az: 2 O 186/10

Spruchkörper: 9. Zivilsenat

Titelzeile

Zweckwidrige Verwendung von Baugeld: Wegfall eines ersatzfähigen Schadens bei Anfechtbarkeit der zu leistenden Zahlungen

Leitsatz

Wird Baugeld zweckwidrig verwendet, entfällt ein ersatzfähiger Schaden des Bauhandwerkers, sofern an ihn pflichtgemäß geleistete Zahlungen anfechtungsrechtlich keinen Bestand gehabt hätten.

Tenor

Die Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Revision im Urteil des 4. Zivilsenats des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom 16. November 2011 wird auf Kosten der Klägerin zurückgewiesen.

Der Streitwert wird auf 40.000 € festgesetzt.

Gründe

1 Die Beschwerde deckt keinen Zulassungsgrund auf.

2 1. Ein Zulassungsgrund greift nicht durch, soweit das Berufungsgericht den von dem Kläger aus § 823 Abs. 2 BGB, § 1 Abs. 1 BauFordSiG hergeleiteten Schadensersatzanspruch mangels Eintritt eines ersatzfähigen Schadens als unbegründet erachtet. Diese rechtliche Würdigung ist zutreffend.

3 Werden Sozialversicherungsbeiträge vorenthalten, entfällt ein nach § 823 Abs. 2 BGB in Verbindung mit § 266a Abs. 1 StGB ersatzfähiger Schaden des Sozialversicherungsträgers, wenn pflichtgemäß geleistete Zahlungen anfechtungsrechtlich keinen Bestand gehabt hätten (BGH, Urteil vom 2. Dezember 2010 - IX ZR 247/09, WM 2011, 88 Rn. 19 mwN, insoweit in BGHZ 187, 337 nicht abgedruckt). Diese schadensrechtlichen Erwägungen sind auf den vorliegenden Sachverhalt, in dem Baugelder nicht an die Bauhandwerker ausgekehrt wurden, ohne weiteres zu übertragen. Danach scheidet ein Schadensersatzanspruch der Klägerin aus, weil etwaige von der Schuldnerin an ihn zur Tilgung seiner Bauforderungen bewirkte Zahlungen nach Verfahrenseröffnung der Anfechtung unterlegen hätten.

4 b) Die Anfechtung etwaiger an die Klägerin bewirkter Zahlungen wäre nicht - wie die Beschwerde meint - mit Rücksicht auf ein Vorrecht der Klägerin als Baugeldgläubigerin an einer fehlenden Gläubigerbenachteiligung (§ 129 Abs. 1 InsO) gescheitert.

5 Die von der Schuldnerin eingezogenen Baugelder sind mangels etwaiger fortbestehender Pfändungsbeschränkungen (§ 36 Abs. 1 InsO) Bestandteil der Insolvenzmasse (§ 35 Abs. 1 InsO) geworden. Die Baugeldforderungen, denen aufgrund ihrer Zweckbindung gemäß § 851 Abs. 2 ZPO Pfändungsschutz zukam (vgl. Jaeger/Henckel, InsO, § 36 Rn. 25), sind im Streitfall durch Zahlung an die spätere Masse erfüllt worden. In dieser Gestaltung sieht das Gesetz keinen weiteren Schutz vor (OLGR Hamm 2007, 159 f; MünchKomm-InsO/Kirchhof, 2. Aufl., § 129 Rn. 106; HmbKomm-InsO/Lüdtke, 4. Aufl., § 36 Rn. 17; Heidland, ZInsO 2010, 737, 743). Ist das Baugeld ausgezahlt und nicht auf einem besonderen Treuhandkonto verbucht, dann ist es der Pfändung durch andere Gläubiger ausgesetzt. Eine solche Pfändung durch Personen, die nicht Baugläubiger sind, ist zwar nicht im Sinne des Schutzanliegens des Gesetzes zur Sicherung der Bauforderungen. Der Gesetzgeber hat aber keine Sicherungsmöglichkeiten vorgesehen, die anderen Gläubigern des Baugeldempfängers einen Zugriff auf das Baugeld verwehren können. Es ist vielmehr nach dem Gesetz grundsätzlich allein Sache des Baugeldempfängers, dafür zu sorgen, dass das Baugeld seiner Zweckbestimmung zugeführt wird (BGH, Urteil vom 13. Oktober 1987 - VI ZR 270/86, NJW 1988, 263, 265). Hat sich infolge der Zahlung die Zweckbindung des Anspruchs erledigt, stehen die Mittel als Bestandteil der Masse dem allgemeinen Gläubigerzugriff offen (BGH, Beschluss vom 8. November 2007 - IX ZB 221/03, WM 2008, 87 Rn. 5).

6 2. Die Rügen, welche die Fälligkeit der Forderungen der Klägerin betreffen, sind nicht ordnungsgemäß ausgeführt. Sie setzen sich nicht mit der Würdigung des Berufungsgerichts auseinander, dass die Forderungen im Blick auf den Bautenstand und den Leistungsumfang nicht ausreichend und in schlüssiger Weise dargelegt worden sind und zudem nicht dem Ratenzahlungsplan des Vertrages entsprechen.

Kayser Gehrlein Vill

Lohmann Fischer

Mots-clés

construction fundsavoidanceinsolvency estatecompensable damagecreditor prejudiceconstruction contractdamages claim

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the claimant had a compensable damage claim under § 823(2) BGB and § 1(1) BauFordSiG despite the payments being avoidable in insolvency.

Solution extraite

No compensable damage existed, because payments made to satisfy the claimant's construction claims would have been avoidable after insolvency opening.

Motifs extraits

The court extended its prior case law on withheld social security contributions: if proper payment would not have survived avoidance, the protected party suffers no recoverable damage. The same applies to construction money not paid out to the builder.

Question juridique clé

Whether avoidance would have failed for lack of creditor prejudice because the claimant had a privileged position as a construction fund creditor.

Solution extraite

No. The construction funds became part of the insolvency estate once paid into it, and the law provides no further protection against ordinary creditor access in this situation.

Motifs extraits

The court held that, absent a special trust account or remaining attachment restrictions, paid-out construction money is part of the estate and subject to general creditor access; the legislature did not create additional barriers for other creditors.

Question juridique clé

Whether the complaint sufficiently challenged the appellate court's finding that the claimant's receivables were not properly shown to be due.

Solution extraite

No. The complaint did not adequately engage with the appellate court's reasoning on construction progress, scope of performance, and the contractual instalment plan.

Motifs extraits

The objections were not properly substantiated and did not address the decisive factual and contractual deficiencies identified by the court below.

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