Betrieblichen Versorgungsanrechte remain divisible despite lump-sum election

BGH XII ZB 16/14Bgh / Civil Chamber 1216 juil. 2014Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice rejected the husband's legal complaint against the appellate decision on pension equalization. The husband had become holder of three occupational pension rights after the end of the marriage and then declared that he wanted a lump-sum payout instead of a pension. The court held that rights under the Occupational Pensions Act are equalized regardless of whether they are to be paid as a pension or capital sum. The decisive time is the end of the marital period; a later election of the payment form does not alter the character of the rights and cannot defeat equalization.

Regeste Omnilex

§ 2 Abs. 2 Nr. 3 VersAusglG; betriebliche Anrechte sind unabhängig von der Leistungsform auszugleichen. Der Ausnahmetatbestand erfasst alle Anrechte i.S.d. BetrAVG und des AltZertG; auf die Ausgestaltung als Renten- oder Kapitalleistung kommt es nicht an. Ein nach Ehezeitende ausgeübtes Kapitalwahlrecht kann die Einbeziehung in den Versorgungsausgleich nicht beseitigen, weil maßgeblich der Rechtszustand zum Ende der Ehezeit ist und die spätere Leistungswahl nur die Art der Erfüllung betrifft, nicht aber die Qualität des Anrechts als betriebliche Altersversorgung (vgl. consid. 6-8).

Texte intégral

BGH — XII ZB 16/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-07-16

Aktenzeichen: XII ZB 16/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 2 Abs 2 Nr 3 VersAusglG, BetrAVG

Vorinstanz: vorgehend Schleswig-Holsteinisches Oberlandesgericht, 20. Dezember 2013, Az: 14 UF 123/13vorgehend AG Lübeck, 8. August 2013, Az: 124 F 58/12

Spruchkörper: 12. Zivilsenat

Titelzeile

Versorgungsausgleich betrieblicher Anrechte: Unabhängigkeit von der Leistungsform

Leitsatz

Ein Anrecht im Sinne des Betriebsrentengesetzes ist unabhängig von der Leistungsform auszugleichen. Es kann deshalb nicht durch Ausübung eines Wahlrechts auf einmalige Kapitalauszahlung dem Versorgungsausgleich entzogen werden (im Anschluss an Senatsbeschluss vom 18. April 2012, XII ZB 325/11, FamRZ 2012, 1039).

Tenor

Die Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des 6. Senats für Familiensachen des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts in Schleswig vom 20. Dezember 2013 wird auf Kosten des Antragsgegners zurückgewiesen.

Beschwerdewert: 5.640 €

Gründe

I.

1 Auf den am 5. September 2012 zugestellten Antrag hat das Familiengericht die am 21. Oktober 1988 geschlossene Ehe der Antragstellerin (Ehefrau) und des Antragsgegners (Ehemann) rechtskräftig geschieden, den Versorgungsausgleich abgetrennt und hierüber durch gesonderten Beschluss entschieden. Während der Ehezeit (1. Oktober 1988 bis 31. August 2012; § 3 Abs. 1 VersAusglG) erwarb der Ehemann - soweit für das Rechtsbeschwerdeverfahren von Belang - betriebliche Anrechte aus zwei von seinem Arbeitgeber für ihn bei der Beteiligten zu 1 abgeschlossenen Direktversicherungen mit Kapitalwerten von 18.491,76 € (Ausgleichswert: 9.045,88 €) und 13.438,55 € (Ausgleichswert: 6.519,28 €) sowie eine weitere vom Arbeitgeber für ihn bei der Beteiligten zu 2 abgeschlossene Pensionskassenversorgung mit einem Kapitalwert von 20.150,20 € (Ausgleichswert: 9.875,10 €). Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum 31. März 2013 - also nach Ehezeitende - übertrug der vormalige Arbeitgeber die Rechte aus den Direktversicherungen und der Pensionskassenversorgung auf den Ehemann mit Wirkung ab 1. April 2013. Dieser teilte den Versorgungsträgern mit Schreiben vom 2. April 2013 mit, dass er von seinem „Auszahlungswahlrecht“ Gebrauch mache und auf jegliche Umwandlung in eine Rentenzahlung verzichte.

2 Das Familiengericht hat die bezeichneten Anrechte - neben weiteren Anrechten - intern geteilt. Unter anderem gegen die Einbeziehung der bezeichneten Anrechte in den Versorgungsausgleich hat der Ehemann Beschwerde eingelegt. Das Oberlandesgericht hat die Beschwerde insoweit zurückgewiesen; hiergegen richtet sich die zugelassene Rechtsbeschwerde des Ehemanns.

II.

3 Die Rechtsbeschwerde ist nicht begründet.

4 1. Das Oberlandesgericht hat seine Entscheidung im Wesentlichen wie folgt begründet: Bei den im Wege der Direktversicherung begründeten Anrechten handle es sich um Anrechte nach dem Betriebsrentengesetz, die gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 3 VersAusglG unabhängig von der Leistungsform auszugleichen seien. Ob die Klassifizierung der Anrechte als solche nach dem Betriebsrentengesetz dadurch nachträglich verändert worden sei, dass sie bei Ausscheiden aus dem Betrieb vom Arbeitgeber auf ihn übertragen worden seien, könne dahinstehen, da es maßgeblich auf den Rechtszustand zum Ehezeitende ankomme, in dem die Anrechte jedenfalls noch dem Betriebsrentengesetz unterfielen.

5 2. Diese Ausführungen halten einer rechtlichen Nachprüfung stand.

6 a) Nach § 2 Abs. 2 Nr. 3 VersAusglG ist ein Anrecht im Sinne des Betriebsrentengesetzes oder des Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetzes unabhängig von der Leistungsform auszugleichen. Ein Ausgleich findet also auch statt, wenn das betriebliche Anrecht auf eine Kapitalzahlung gerichtet ist. Mit dieser Ausnahmeregelung gegenüber dem ansonsten für den Versorgungsausgleich geltenden Grundsatz, dass nur auf Renten gerichtete Anrechte auszugleichen sind, sollten zum einen die bei der nach früherem Recht durch Einbeziehung von Anrechten auf Kapitalzahlung in den Zugewinnausgleich entstehende Liquiditätsprobleme des Ausgleichspflichtigen vermieden, zum anderen Umgehungsmöglichkeiten durch Ausübung eines Kapitalwahlrechts nach Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags abgeschnitten werden (vgl. BT-Drucks. 16/10144, S. 46).

7 Die unterschiedliche Behandlung der Anrechte aus einer betrieblichen Altersversorgung (sowie der ebenfalls in § 2 Abs. 2 Nr. 3 VersAusglG genannten Anrechte nach dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz) gegenüber Anrechten aus einer privaten, auf Kapitalleistung gerichteten Lebensversicherung rechtfertigt sich daraus, dass bei diesen besonders genannten Anrechten der Zweck der Alterssicherung eindeutig feststeht und durch Verfügungsbeschränkungen gesichert wird. So ist der Versicherte nach § 2 Abs. 2 Satz 4 bis 6, Abs. 3 Satz 3 BetrAVG daran gehindert, den Vertrag vorzeitig zu kündigen und die Auszahlung zu verlangen oder den Anspruch abzutreten oder zu beleihen (vgl. Senatsbeschluss vom 18. April 2012 - XII ZB 325/11 - FamRZ 2012, 1039 Rn. 15 ff.).

8 b) Der Ehemann konnte daher die bei den Beteiligten zu 1 und 2 begründeten Anrechte nicht dem Versorgungsausgleich entziehen (vgl. Blomeyer/Rolfs/Otto Betriebsrentengesetz 5. Aufl. § 2 Rn. 260 ff.). Seine Schreiben vom 2. April 2013 betrafen lediglich die Form der Leistung bei deren zukünftiger Fälligkeit. Das berührt unabhängig von dem Zeitpunkt der Ausübung dieses Wahlrechts nicht den Charakter der Anrechte als betriebliche Altersversorgung im Sinne des Betriebsrentengesetzes.

Dose Schilling Günter

Nedden-Boeger Botur

Mots-clés

pension equalizationoccupational pensionlump-sum payoutperformance formmarital propertyavoidance of circumvention

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether occupational pension rights under the BetrAVG remain subject to pension equalization when the holder elects a lump-sum payment after the relevant date.

Solution extraite

Yes. Rights falling under the BetrAVG must be equalized regardless of the form of payment; a later election of a capital payout does not remove them from pension equalization.

Motifs extraits

Section 2(2) no. 3 VersAusglG expressly requires equalization independent of the performance form. The decisive point is the legal status at the end of the marital period, when the rights still qualified as occupational pension rights. The later election only concerns the future method of payment and does not change that qualification.

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