Tarifplurality does not displace statutory tariff binding

BAG 10 AS 2/10Bag / Division 1023 juin 2010Confirmed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

In this senate referral under § 45(3) ArbGG, the 10th Senate confirmed its earlier position on tariff plurality. It held that the norms of a collective agreement governing the content, formation, and termination of employment contracts apply directly under §§ 3(1), 4(1) TVG in the respective employment relationships within an enterprise. This statutory effect is not displaced merely because the employer is bound by more than one collective agreement, resulting in tariff plurality; for employment relationships of the same kind, one collective agreement may apply to each employee or group of employees. The Senate aligned itself with the 4th Senate and gave no further reasons beyond that reference.

Regeste Omnilex

§ 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG; Tarifpluralität im Betrieb; keine allgemeine Tarifeinheit als gesetzlicher Vorrang. Die Normen eines Tarifvertrags wirken unmittelbar und zwingend in den Arbeitsverhältnissen der Tarifgebundenen. Dass im Betrieb kraft Arbeitgebertarifbindung mehrere Tarifverträge nebeneinander zur Anwendung gelangen, ändert an dieser gesetzlichen Geltung nichts. Das TVG lässt vielmehr zu, dass für verschiedene Arbeitnehmer im selben Betrieb unterschiedliche Tarifverträge gelten; ein aus dem Gesetz abzuleitender allgemeiner Grundsatz der Tarifeinheit besteht nicht (vgl. Erw. II).

Texte intégral

BAG — 10 AS 2/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-06-23

Aktenzeichen: 10 AS 2/10

Dokumenttyp: Beschluss

Vorinstanz: vorgehend ArbG Karlsruhe, 13. Juli 2007, Az: 1 Ca 173/06, Urteilvorgehend Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, 26. Februar 2008, Az: 14 Sa 91/07, Urteilvorgehend BAG, 27. Januar 2010, Az: 4 AZR 537/08 (A)nachgehend BAG, 7. Juli 2010, Az: 2 AZR 537/08nachgehend BAG, 7. Juli 2010, Az: 4 AZR 537/08, Urteil

Spruchkörper: 10. Senat

Tenor

Der Zehnte Senat schließt sich der Auffassung des Vierten Senats an, dass die Rechtsnormen eines Tarifvertrags, die den Inhalt, den Abschluss und die Beendigung von Arbeitsverhältnissen ordnen, nach § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 TVG in den jeweiligen Arbeitsverhältnissen eines Betriebes unmittelbar gelten und diese durch das Tarifvertragsgesetz vorgesehene Geltung nicht dadurch verdrängt wird, dass für den Betrieb kraft Tarifbindung des Arbeitgebers nach § 3 Abs. 1 TVG mehr als ein Tarifvertrag gilt, für Arbeitsverhältnisse derselben Art im Falle einer Tarifbindung eines oder mehrerer Arbeitnehmer allerdings jeweils nur ein Tarifvertrag („Tarifpluralität“).

Gründe

1 I. Der Vierte Senat hat gem. § 45 Abs. 3 Satz 1 ArbGG angefragt, ob der Zehnte Senat an seiner Rechtsauffassung zur eingeschränkten Geltung von § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG im Falle der sog. Tarifpluralität bei Tarifgeltung kraft Koalitionsmitgliedschaft nach § 3 Abs. 1 TVG festhält. Der Zehnte Senat hat bisher angenommen, nach dem Grundsatz der Spezialität komme hier allein der Tarifvertrag zur Anwendung, der dem Betrieb räumlich, betrieblich, fachlich und persönlich am nächsten stehe und deshalb den Erfordernissen und Eigenarten des Betriebs und der darin tätigen Arbeitnehmer am besten gerecht werde*(Senat 18. Oktober 2006 - 10 AZR 576/05 - Rn. 31 mwN, BAGE 120, 1).*

2

II. Der Zehnte Senat schließt sich der Auffassung an, § 4 Abs. 1 Satz 1 TVG gelte auch dann uneingeschränkt, wenn in einem Betrieb kraft Tarifbindung des Arbeitgebers nach § 3 Abs. 1 TVG auf mehrere Arbeitsverhältnisse derselben Art verschiedene Tarifverträge zur Anwendung kommen. Das Tarifvertragsgesetz ordnet in § 3 Abs. 1, § 4 Abs. 1 die unmittelbare und zwingende Wirkung der Normen eines Tarifvertrags im Arbeitsverhältnis beiderseits Tarifgebundener an. Es besteht kein hinreichender Grund, die damit im Gesetz angelegte Möglichkeit auszuschließen, dass für verschiedene Arbeitnehmer im Betrieb unterschiedliche Tarifverträge gelten. Insbesondere enthält das Tarifvertragsgesetz keinen insoweit vorgehenden allgemeinen Grundsatz der Tarifeinheit. Die durch beiderseitige Verbandsmitgliedschaft oder durch Verbandsmitgliedschaft und eigenen Abschluss des Tarifvertrags legitimierte Geltung der Tarifnormen darf nicht entgegen der eindeutigen gesetzlichen Regelung aufgehoben werden. Angesichts der vom Vierten Senat im Beschluss vom 27. Januar 2010 (- 4 AZR 537/08 (A) -) ausführlich und überzeugend dargelegten Begründung sieht der Zehnte Senat von einer weiteren Begründung ab.

MikoschW. ReinfelderMestwerdt
ThielPetri

Mots-clés

collective bargainingtariff pluralitytariff unitydirect effectmandatory effectemployment law

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether § 4(1) TVG is limited by a general principle of tariff unity when several collective agreements apply in one enterprise.

Solution extraite

No. § 4(1) TVG applies fully even if, due to employer tariff binding under § 3(1) TVG, different collective agreements govern different employment relationships of the same kind in one enterprise.

Motifs extraits

The TVG expressly provides direct and mandatory effect of tariff norms for bound parties. There is no sufficient basis to exclude the statutory possibility that different employees in the same enterprise are subject to different collective agreements. The Act contains no overriding general principle of tariff unity.

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