State liability and failure to use available remedies in workplace mobbing

BGH III ZR 316/15Bgh / IIIe chambre civile30 juin 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court rejected the plaintiff’s complaint against denial of leave to appeal in a state-liability case arising from alleged workplace mobbing after transfer to a referent post. It held that no ground for leave to appeal existed. The court confirmed that Section 839(3) BGB may apply in mobbing cases and that, depending on the circumstances, a claimant may be barred if he failed blameworthily to use an available and reasonable remedy. On the facts, the lower court correctly held that the plaintiff could have sought effective relief before the administrative court. Costs were imposed on the plaintiff.

Regeste Omnilex

§ 839 Abs. 3 BGB; Anwendung des Rechtsmittelausschlusses bei Amtshaftungsansprüchen wegen behaupteten „Mobbings“; der Anspruch entfällt grundsätzlich auch dann, wenn der Geschädigte ein zumutbares und erfolgversprechendes Rechtsmittel gegen die beanstandeten Maßnahmen schuldhaft nicht ergreift. Ob Rechtsmittelmöglichkeit, Zumutbarkeit und Erfolgsaussicht gegeben sind, ist nach den konkreten Umständen des Einzelfalls zu beurteilen (consid. 2, 3). Ein genereller Ausschluss des § 839 Abs. 3 BGB für „Mobbing“-Konstellationen besteht nicht; vielmehr können gerade gravierende Fälle wegen drohender Verschlechterung die Zumutbarkeit verneinen. Erweist sich der Verwaltungsrechtsweg als geeignete und zumutbare Abhilfemöglichkeit gegen Umsetzung und anschließende Beschäftigung, ist der Amtshaftungsanspruch wegen vorwerfbaren Nichtgebrauchs ausgeschlossen.

Texte intégral

BGH — III ZR 316/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-06-30

Aktenzeichen: III ZR 316/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:300616BIIIZR316.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 839 Abs 3 BGB, Art 34 GG

Vorinstanz: vorgehend Brandenburgisches Oberlandesgericht, 8. September 2015, Az: 2 U 28/14, Urteilvorgehend LG Frankfurt (Oder), 2. Mai 2014, Az: 12 O 357/12

Spruchkörper: 3. Zivilsenat

Titelzeile

Amtshaftungsanspruch eines Landesbeamten gegen seinen Dienstherrn: "Mobbing" durch Umsetzung auf Referentenstelle mit angeblich nicht amtsangemessener Beschäftigung; Anspruchsausschluss wegen vorwerfbaren Nichtgebrauchs eines Rechtsmittels

Tenor

Die Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der Revision in dem Urteil des 2. Zivilsenats des Brandenburgischen Oberlandesgerichts vom 8. September 2015 - 2 U 28/14 - wird zurückgewiesen.

Der Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens (§ 97 Abs. 1 ZPO).

Streitwert: 31.400 €

Gründe

1 Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unbegründet, weil weder die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung hat noch die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts erfordert (§ 543 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

2 Das Berufungsgericht ist zu Recht davon ausgegangen, dass § 839 Abs. 3 BGB (Anspruchsausschluss wegen vorwerfbaren Nichtgebrauchs eines Rechtsmittels) grundsätzlich auch auf Amtshaftungsansprüche wegen amtspflichtwidrigen "Mobbings" anwendbar ist. Ob es dem Anspruchsteller möglich und zumutbar ist, sich mit einem Rechtsmittel gegen "Mobbing"-Maßnahmen zu wehren, und sich der Nichtgebrauch eines Rechtsmittels als vorwerfbar darstellt, ist ebenso wie die Erfolgsaussicht des Rechtsmittels eine Frage, die aufgrund der konkreten Umstände des jeweiligen Einzelfalls zu beurteilen ist (s. OLG Köln, Urteil vom 24. Mai 2012 - 7 U 207/11, BeckRS 2012, 11823; BVerwG, Beschluss vom 3. November 2014 - 2 B 24.14, BeckRS 2014, 58780 Rn. 6 f; OVG Münster, Urteil vom 12. Dezember 2013 - 1 A 71/11, BeckRS 2014, 46808; OVG Schleswig, Beschluss vom 23. Mai 2014 – 2 LA 15/14, BeckRS 2014, 52405). Dem Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart vom 28. Juli 2003 (4 U 51/03; NVwZ-RR 2003, 715, 716 f) ist Gegenteiliges nicht zu entnehmen. Es lässt nicht hinreichend eindeutig erkennen, ob § 839 Abs. 3 BGB in "Mobbing"-Fällen generell für unanwendbar gehalten wird. Jedenfalls handelt es sich insoweit nicht um eine tragende Erwägung, weil das Oberlandesgericht Stuttgart im dortigen Fall bereits eine ausreichende Darlegung von "Mobbing" verneint hat. Eine generelle Unanwendbarkeit von § 839 Abs. 3 BGB auf "Mobbing"-Fälle ergibt sich auch nicht aus dem Senatsbeschluss vom 1. August 2002 (III ZR 277/01; NJW 2002, 3172, 3174). Danach wird § 839 Abs. 3 BGB in gravierenden Fällen kaum zu einem Anspruchsverlust führen, wenn das Opfer befürchten muss, dass durch Einlegung einer Beschwerde eine baldige Besserung seiner Situation nicht zu erreichen, vielmehr im Gegenteil eine deutliche Verschlechterung zu befürchten ist. Hieraus folgt indes kein allgemeiner Ausschluss von § 839 Abs. 3 BGB, sondern nur, dass ein Rechtsmittel möglich, zumutbar und erfolgversprechend sein muss, damit sein Nichtgebrauch zu einem Anspruchsverlust führt, und dass das Vorliegen dieser Voraussetzungen in "Mobbing"-Fällen im besonderen Maße zweifelhaft sein kann.

3 Das Berufungsgericht hat im Streitfall ohne Rechtsfehler angenommen, dass es dem Kläger möglich und zumutbar gewesen sei, sich erfolgreich gegen die Umsetzung auf die Referentenstelle beim Landesamt für Bauen und Verkehr des beklagten Landes und die sich daran anschließende (behauptete) nicht amtsangemessene Beschäftigung vor dem Verwaltungsgericht zur Wehr zu setzen. Auf diese Weise wäre die vom Kläger geltend gemachte schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzung, die in erster Linie auf die Umsetzung gestützt wird, vermieden beziehungsweise behoben worden.

4 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbsatz 2 ZPO abgesehen.

Herrmann Hucke Tombrink

Reiter Pohl

Mots-clés

state liabilitymobbingremedy requirementadministrative courttransferpersonality rightscosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the complaint against denial of leave to appeal is admissible and well-founded.

Solution extraite

The complaint was unfounded and was rejected.

Motifs extraits

No ground for leave to appeal existed; the case raised no fundamental issue and did not require development of the law or uniformity of case law.

Question juridique clé

Whether Section 839(3) BGB bars a state-liability claim in 'mobbing' cases where no remedy was used.

Solution extraite

Section 839(3) BGB can in principle apply to state-liability claims based on allegedly official-duty-violating 'mobbing'.

Motifs extraits

Whether a remedy was possible, reasonable, and promising, and whether failure to use it is blameworthy, must be assessed on the circumstances of each case.

Question juridique clé

Whether the plaintiff could and should have challenged the transfer and ensuing employment situation before the administrative court.

Solution extraite

Yes; the lower court rightly found that the plaintiff could have obtained effective judicial protection there.

Motifs extraits

Such proceedings could have prevented or remedied the alleged severe personality-rights violation, which was mainly based on the transfer.

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