Appeal against guardian removal was inadmissible

BGH XII ZB 501/15Bgh / Civil Chamber 128 juin 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The BGH dismissed the legal complaint against the regional court's decision removing a guardian because the complaint was not admissible without leave. The leave-free route in family matters applies to proceedings on the appointment of a guardian under §§ 70(3) sentence 1 no. 1, 271 no. 1 FamFG, but not to the removal of a guardian under § 1908b BGB and the corresponding appointment of a new guardian under § 1908c BGB. The respondent's request for legal aid was also rejected because the complaint was manifestly inadmissible.

Regeste Omnilex

§§ 70 Abs. 3 S. 1 Nr. 1, 271 Nr. 1 FamFG; Abgrenzung der zulassungsfreien Rechtsbeschwerde in Betreuungssachen. Die zulassungsfreie Rechtsbeschwerde erfasst nur Verfahren der Betreuerbestellung nach § 1896 BGB, also Erst- und Verlängerungsverfahren, in denen Betreuung und Betreuerbestellung als Einheitsentscheidung zusammentreffen. Die Entlassung des Betreuers nach § 1908b Abs. 1 BGB und die korrespondierende Neubestellung nach § 1908c BGB lassen den Bestand der Betreuung unberührt und fallen daher nicht unter die Ausnahme des § 70 Abs. 3 S. 1 Nr. 1 FamFG (E. 1–3). Einem Rechtsmittelgegner ist Verfahrenskostenhilfe grundsätzlich erst nach Begründung des Rechtsmittels zu bewilligen; ist das Rechtsmittel offensichtlich unstatthaft, entfällt die Grundlage der Bewilligung (E. 4–6).

Texte intégral

BGH — XII ZB 501/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-06-08

Aktenzeichen: XII ZB 501/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:080616BXIIZB501.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 70 Abs 2 S 1 Nr 1 FamFG, § 70 Abs 3 S 1 Nr 1 FamFG, § 271 Nr 1 FamFG, § 1896 BGB, § 1908b Abs 1 BGB, § 1908c BGB

Vorinstanz: vorgehend LG Frankfurt, 18. September 2015, Az: 2-29 T 137/15vorgehend AG Bad Homburg, 13. Mai 2015, Az: 42 VII XVII 113/13

Spruchkörper: 12. Zivilsenat

Titelzeile

Betreuungsverfahren: Rechtsbeschwerde gegen die Betreuerentlassung

Tenor

Die Rechtsbeschwerde des Beteiligten zu 1 gegen den Beschluss der 29. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt am Main vom 18. September 2015 wird verworfen.

Das Verfahren der Rechtsbeschwerde ist gerichtsgebührenfrei (§ 25 Abs. 2 GNotKG).

Der Antrag des Betroffenen, ihm für das Rechtsbeschwerdeverfahren Verfahrenskostenhilfe zu gewähren, wird zurückgewiesen.

Gründe

I.

1 Die Rechtsbeschwerde ist mangels Zulassung nicht statthaft und daher unzulässig. Die Voraussetzungen für eine zulassungsfreie Rechtsbeschwerde in Betreuungssachen gemäß § 70 Abs. 3 Nr. 1 FamFG liegen nicht vor.

2 Betreuungssachen zur Bestellung eines Betreuers im Sinne der §§ 70 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1, 271 Nr. 1 FamFG sind Verfahren nach § 1896 BGB. Dabei kann es sich sowohl um ein Erstverfahren als auch um ein Verlängerungsverfahren handeln, für das § 295 Abs. 1 FamFG eine entsprechende Anwendung der Vorschriften über die erstmalige Anordnung dieser Maßnahme, also der §§ 1896 ff. BGB, anordnet. Die besonders hohe Eingriffsintensität ergibt sich bei diesen Verfahren daraus, dass mit der Bestellung des Betreuers zugleich die Anordnung der Betreuung selbst einhergeht. Denn § 1896 BGB unterscheidet nicht zwischen Anordnung der Betreuung und Bestellung eines Betreuers; vielmehr ist eine Einheitsentscheidung zu treffen.

3 Die Entscheidung über die Entlassung eines Betreuers gemäß § 1908 b Abs. 1 BGB und die damit korrespondierende Bestellung eines neuen Betreuers nach § 1908 c BGB lassen den Fortbestand der Betreuung demgegenüber unberührt. Diese Verfahren werden nicht von den §§ 70 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1, 271 Nr. 1 FamFG erfasst (Senatsbeschluss vom 9. Februar 2011 - XII ZB 364/10 - FamRZ 2011, 632 Rn. 8 f.).

II.

4 Der Antrag des Betroffenen auf Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe hat keinen Erfolg.

5 Einem Rechtsmittelgegner kann im Allgemeinen Verfahrenskostenhilfe erst gewährt werden, wenn das Rechtsmittel begründet worden ist und die Voraussetzungen für eine Verwerfung des Rechtsmittels nicht gegeben sind (vgl. Senatsbeschluss vom 28. April 2010 - XII ZB 180/06 - FamRZ 2010, 1147 Rn. 7 mwN; Zöller/Geimer ZPO 31. Aufl. § 119 Rn. 55 mwN).

6 Zwar hat der Beteiligte zu 1 seine Rechtsbeschwerde bereits begründet. Jedoch ist die Rechtsbeschwerde - wie sich aus den Ausführungen zu I. ergibt - offensichtlich unstatthaft und daher zu verwerfen.

Dose Klinkhammer Schilling

Guhling Krüger

Mots-clés

guardianshiplegal complaintadmissibilityleave requirementguardian removallegal aid

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the legal complaint against the guardian-removal decision was admissible without leave.

Solution extraite

No. A legal complaint without leave is available only for proceedings on the appointment of a guardian under §§ 70(3) sentence 1 no. 1, 271 no. 1 FamFG, not for the removal of a guardian under § 1908b BGB.

Motifs extraits

The statutory exception concerns the particularly intrusive initial or extension proceedings in which the guardianship itself is ordered together with the guardian's appointment. By contrast, removal of a guardian and appointment of a new one leave the guardianship itself unaffected and are therefore outside the scope of the leave-free complaint route.

Question juridique clé

Whether the protected person was entitled to legal aid for the legal complaint proceedings.

Solution extraite

No. Legal aid is generally granted to an opposing party only after the appeal has been substantiated and if dismissal as inadmissible is not evident; here the complaint was manifestly inadmissible.

Motifs extraits

Because the legal complaint was obviously not admissible, the preconditions for granting legal aid were not met.

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