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BGH 1 StR 406/15 ΓÇó Hearing complaint inadmissible after missed one-week deadline
BGH 1 StR 406/15Bgh / Ire chambre pénale4 avr. 2016Dismissed
The BGH rejected the convicted person's hearing complaint against its earlier order dismissing the revision under § 349(2) StPO. The complaint was inadmissible because it was filed outside the one-week period of § 356a sentence 2 StPO: the defendant learned of the order on 2016-02-10, but the complaint reached the court only on 2016-03-03. The Senate also stated that the complaint would have failed on the merits because no relevant submission had been ignored and a more detailed reasoning of the revision dismissal was not constitutionally required. Costs were imposed on the convicted person.
§ 356a StPO; hearing complaint and time limit; § 349 Abs. 2 StPO, Art. 103 Abs. 1 GG, Art. 6 Abs. 1 EMRK. The one-week period for an Anhörungsrüge begins with knowledge of the alleged violation of the right to be heard; delivery of the challenged decision is sufficient for such knowledge. A complaint lodged after expiry of the statutory period is inadmissible. In proceedings under § 349 Abs. 2 StPO, disagreement with the appellate court's legal assessment does not constitute a hearing violation. Nor does the Constitution or the ECHR generally require a more detailed statement of reasons for a final appellate dismissal order (consid. 2-5).
Entscheidungsdatum: 2016-04-04
Aktenzeichen: 1 StR 406/15
ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:040416B1STR406.15.0
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: Art 103 Abs 1 GG, Art 6 Abs 1 MRK, § 349 Abs 2 StPO
Vorinstanz: vorgehend BGH, 12. Januar 2016, Az: 1 StR 406/15, Beschlussvorgehend LG Stade, 24. März 2015, Az: 12 KLs 141 Js 5173/09 ( 15/09)
Spruchkörper: 1. Strafsenat
Revision in Strafsachen: Begründungspflicht bei Verwerfungsbeschluss
Die Anhörungsrüge des Verurteilten vom 28. Februar 2016 gegen den Beschluss des Senats vom 12. Januar 2016 wird auf seine Kosten verworfen.
1 Der Senat hat die Revision des Verurteilten gegen das Urteil des Landgerichts Stade vom 24. März 2015 unter Nachholung der Festsetzung von zwei Einzelstrafen auf das gesetzliche Mindestmaß durch einen mit Gründen versehenen Beschluss vom 12. Januar 2016 gemäß § 349 Abs. 2 StPO verworfen. Die gegen diese Entscheidung gerichtete Anhörungsrüge (§ 356a StPO) des Verurteilten ist als unzulässig zu verwerfen.
2 Die Anhörungsrüge des Verurteilten wahrt nicht die gesetzliche Frist des § 356a Satz 2 StPO zur Erhebung der Rüge. Ausweislich des Rügeschreibens vom 28. Februar 2016 ist dem Verurteilten der Verwerfungsbeschluss des Senats am 10. Februar 2016 ausgehändigt worden. Damit hat er an diesem Tag im Sinne von § 356a Satz 2 StPO Kenntnis von der (behaupteten) Verletzung des rechtlichen Gehörs erlangt. Durch das erst am 3. März 2016 bei dem Bundesgerichtshof eingegangene Rügeschreiben ist die einwöchige Frist aus § 356a Satz 2 StPO nicht eingehalten worden.
3 Die Rüge wäre auch in der Sache ohne Erfolg geblieben.
4 Der Senat hat bei seinem Verwerfungsbeschluss weder in einer Art. 103 Abs. 1 GG widersprechenden Weise Verfahrensstoff verwertet, zu dem der Verurteilte nicht gehört worden wäre, noch hat er bei der Entscheidung zu berücksichtigendes Vorbringen des Verurteilten übergangen.
5 Der Umstand, dass der Senat der Rechtsauffassung der Revision auch unter Einbeziehung ihrer Ausführungen im Schriftsatz vom 23. September 2015 nicht gefolgt ist, begründet keinen Gehörsverstoß (vgl. BGH, Beschlüsse vom 2. Mai 2012 – 1 StR 152/11, NStZ-RR 2012, 314; vom 3. September 2013– 1 StR 189/13 und vom 26. November 2015 – 1 StR 386/15 Rn. 8). Ebenso wenig bedarf es bei der Entscheidung des Revisionsgerichts gemäß § 349 Abs. 2 StPO einer (näheren) Begründung des Verwerfungsbeschlusses. Das Grundgesetz gebietet bei letztinstanzlichen gerichtlichen Entscheidungen regelmäßig keine Begründung (siehe nur BVerfG [3. Kammer des Zweiten Senats], Beschluss vom 30. Juni 2014 – 2 BvR 792/11, NJW 2014, 2563, 2564 mwN). Auch die Gewährleistungen der Europäischen Menschenrechtskonvention verlangen eine Begründung der Entscheidung des Revisionsgerichts nicht (EGMR, Entscheidung vom 13. Februar 2007 – 15073/03, EuGRZ 2008, 274, 276; siehe auch BGH, Beschluss vom 12. November 2013 – 3 StR 135/13, StraFo 2014, 121).
Raum Graf Jäger Radtke Fischer