Anhörungsrüge and value assessment in non-admission complaint

BGH VIII ZR 129/15Bgh / Civil Chamber 81 mars 2016Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice rejected the defendant's Anhörungsrüge against its earlier order of 8 December 2015. The defendant had argued that the rent should have been treated as a warm rent, which would have pushed the value in dispute above the threshold of § 26 No. 8 EGZPO. The court held that the decisive amount in dispute is determined by the factual allegations made at the time of the last oral hearing before the appellate court. The appellate court's findings on the rent structure were binding under § 314 ZPO and could only have been corrected by a record-correction motion under § 320 ZPO. Costs were imposed on the defendant.

Regeste Omnilex

§ 321a ZPO; § 314 ZPO; § 320 ZPO; § 26 No. 8 EGZPO; for the value of a non-admission complaint, the decisive point is the last oral hearing before the appellate court and the factual allegations then made. Later divergent factual assertions cannot be used to retrospectively alter the value in dispute so as to overcome the threshold. Findings in the appellate judgment on the content of the parties' oral submissions have binding evidentiary force under § 314 ZPO; if they are alleged to be incorrect, the proper remedy is a record-correction request under § 320 ZPO, not a hearing-rigour complaint. An Anhörungsrüge cannot serve to introduce an impermissible correction of the factual basis for the value assessment.

Texte intégral

BGH — VIII ZR 129/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2016-03-01

Aktenzeichen: VIII ZR 129/15

ECLI: ECLI:DE:BGH:2016:010316BVIIIZR129.15.0

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 26 Nr 8 ZPOEG

Vorinstanz: vorgehend BGH, 8. Dezember 2015, Az: VIII ZR 129/15, Beschlussvorgehend LG Köln, 21. Mai 2015, Az: 1 S 308/09vorgehend AG Köln, 20. September 2009, Az: 217 C 160/09

Spruchkörper: 8. Zivilsenat

Titelzeile

Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren: Neuer Vortrag zur Streitwertbemessung

Tenor

Die Anhörungsrüge des Beklagten gegen den Beschluss des Senats vom 8. Dezember 2015 wird zurückgewiesen.

Der Beklagte hat die Kosten des Rügeverfahrens zu tragen.

Gründe

1 Die gemäß § 321a Abs. 1 und 2 ZPO statthafte und fristgerecht erhobene Anhörungsrüge hat keinen Erfolg. Entgegen der Auffassung des Beklagten hat keine Veranlassung bestanden, sich mit seinem Instanzvorbringen zu befassen, es habe sich bei der mit der Klägerin vereinbarten Miete nicht um eine Kaltmiete nebst Betriebskostenvorauszahlung, sondern um eine einheitliche Warmmiete gehandelt, deren Ansatz zu einem Überschreiten der Wertgrenze des § 26 Nr. 8 EGZPO geführt hätte. Insoweit gilt vielmehr:

2 Entscheidend für die Bewertung der Beschwer einer Nichtzulassungsbeschwerde ist der Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Berufungsgericht, und zwar nach Maßgabe der dem Parteivorbringen zu diesem Zeitpunkt zugrunde liegenden tatsächlichen Angaben zum Wert (BGH, Beschlüsse vom 16. Mai 2013 - VII ZR 253/12, NJW-RR 2013, 1402 Rn. 3; vom 18. Dezember 2014 - III ZR 221/13, juris Rn. 2; jeweils mwN). Hieran anknüpfend ist es dem Beklagten verwehrt, sich im Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren auf hiervon abweichende Angaben zu berufen, um darüber die Wertgrenze des § 26 Nr. 8 EGZPO zu überschreiten (vgl. BGH, Beschlüsse vom 18. Dezember 2014 - III ZR 221/13, aaO; vom 16. Mai 2013 - VII ZR 253/12, aaO; vom 26. November 2009 - III ZR 116/09, NJW 2010, 681 Rn. 5). Auf die Berücksichtigung einer solchen unzulässigen Korrektur der tatsächlichen Angaben zum Wert zielt die Anhörungsrüge indes ab.

3 Das Berufungsgericht hat im angefochtenen Urteil sowohl unter Bezugnahme auf die Feststellungen des erstinstanzlichen Urteils als auch anschließend noch einmal eigenständig festgestellt, dass sich die zwischen den Parteien vereinbarte Miete aus einer Grundmiete in Höhe von 405,71 € und einer Nebenkostenvorauszahlung von 112,48 € zusammensetzt. Dieses aus dem Berufungsurteil ersichtliche unstreitige beiderseitige Parteivorbringen im Sinne von § 559 Abs. 1 ZPO zum Inhalt der zwischen den Parteien bestehenden Mietzahlungsvereinbarungen erbringt nach § 314 ZPO den Beweis für das mündliche Parteivorbringen in der Berufungsinstanz, hier also die Vereinbarung nicht einer Warmmiete, sondern einer Kaltmiete zuzüglich abzurechnender Betriebskostenvorauszahlungen.

4 Der Einwand des Beklagten, dies stehe zu seinem aus den Akten ersichtlichen abweichenden Vorbringen im Widerspruch, ist unbeachtlich. Denn er hat es unterlassen, die insoweit auch sein Vorbringen betreffenden und mit der Beweiswirkung des § 314 ZPO ausgestatteten Feststellungen im Berufungsurteil in der erforderlichen Weise durch ein Tatbestandsberichtigungsverfahren nach § 320 ZPO zu beseitigen (vgl. BGH, Urteil vom 8. Januar 2007 - II ZR 334/04, NJW-RR 2007, 1434 Rn. 11; Musielak/Voit/Ball, ZPO, 12. Aufl., § 559 Rn. 16; jeweils mwN). Ohne Erfolg macht der Beklagte darüber hinaus geltend, dass die Feststellungen des Berufungsgerichts im angefochtenen Urteil im Widerspruch zu den Ausführungen im vorausgegangenen, durch das Senatsurteil vom 20. Juni 2012 (VIII ZR 268/11, NJW-RR 2012, 977) aufgehobenen Berufungsurteil vom 11. November 2010 stünden; daraus werde zugleich deutlich, dass das Berufungsgericht in Wirklichkeit Feststellungen zur Art der zu zahlenden Miete nicht habe treffen wollen und auch nicht getroffen habe. Das geht schon deshalb fehl, weil durch die kassatorische Wirkung, die der vom Senat erkannten Aufhebung und Zurückverweisung zukommt, das Urteil vom 11. November 2010 rechtlich nicht mehr existent ist. An seine Stelle ist vielmehr das vorliegend mit der Nichtzulassungsbeschwerde angegriffene Berufungsurteil vom 21. Mai 2015, und zwar unter Einschluss der darin zweifelsfrei getroffenen tatsächlichen Feststellungen zur unstreitig vereinbarten Art der Mietzahlung, getreten.

Dr. Milger Dr. Hessel Dr. Achilles

Dr. Schneider Kosziol

Mots-clés

hearing complaintvalue in disputenon-admission complaintrent characterizationbinding factual findingsrecord correctioncosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the Anhörungsrüge was well-founded because the court allegedly ignored the defendant's argument on rent characterization and the value threshold.

Solution extraite

No. The court had no duty to revisit the defendant's new or divergent factual assertions on the rent structure at the hearing-rigour stage.

Motifs extraits

For the amount in dispute in a non-admission complaint, the decisive point is the time of the last oral hearing before the appellate court and the factual allegations then made. Findings in the appellate judgment on the agreed rent are binding under § 314 ZPO unless corrected by a record-correction procedure under § 320 ZPO. A contrary version raised later in the non-admission complaint cannot be used to exceed the threshold of § 26 No. 8 EGZPO.

Question juridique clé

Costs of the hearing-rigour proceedings

Solution extraite

The defendant must bear the costs of the proceeding.

Motifs extraits

As the Anhörungsrüge failed, costs were imposed on the defendant.

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