Requirements for imposing a unified juvenile sentence

BGH 2 StR 274/15Bgh / IIe chambre pénale15 oct. 2015Partially Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice partly upheld the defendants’ revisions. It set aside only the sentencing portion of the Regional Court of Bonn’s judgment for both B. and T. and remanded the case to a different criminal chamber. For B., the court had failed to examine whether an earlier Siegburg judgment had to be included under § 31 JGG. For T., the Regional Court wrongly treated a unified juvenile sentence as needing to exceed the earlier sentence; it must be determined independently. The conviction findings and the remaining complaints were rejected.

Regeste Omnilex

§ 31 JGG; requirements for inclusion of prior judgments in a unified juvenile sentence; the new court must examine ex officio whether earlier final decisions are still unexecuted or otherwise not completed and, if so, include them unless educational expediency under § 31(3) JGG justifies non-inclusion. The unified juvenile sentence is to be fixed independently from the sentence of the included judgment and is not bound to be higher than that prior sentence; the decisive factor is the educational assessment of the individual case (consid. 4-5).

Texte intégral

BGH — 2 StR 274/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-10-15

Aktenzeichen: 2 StR 274/15

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 31 JGG

Vorinstanz: vorgehend LG Bonn, 9. Januar 2015, Az: 28 KLs - 781 Js 232/13 - 8/14

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Bemessung einer Einheitsjugendstrafe

Tenor

  1. Auf die Revisionen der Angeklagten B. und T. wird das Urteil des Landgerichts Bonn vom 9. Januar 2015 jeweils im Rechtsfolgenausspruch aufgehoben.

  2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel und die dem Nebenkläger insoweit entstandenen notwendigen Auslagen, an eine andere als Jugendkammer zuständige Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  3. Die weiter gehenden Revisionen der Angeklagten werden verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat die Angeklagten jeweils wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen und den Angeklagten T. unter Einbeziehung vorangegangener Urteile zu einer zur Bewährung ausgesetzten Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt sowie gegen den Angeklagten B. Jugendarrest in Form eines Freizeitarrestes verhängt. Mit ihren Revisionen rügen die Angeklagten die Verletzung materiellen Rechts; der Angeklagte B. beanstandet zudem das Verfahren. Die Rechtsmittel haben jeweils hinsichtlich des Rechtsfolgenausspruchs mit der Sachrüge Erfolg; im Übrigen sind sie unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).

2 1. Die von dem Angeklagten B. erhobenen Verfahrensrügen haben aus den zutreffenden Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts vom 9. Juli 2015 keinen Erfolg.

3 2. Der Schuldspruch weist keinen die Angeklagten beschwerenden Rechtsfehler auf. Der jeweilige Rechtsfolgenausspruch hält indes sachlichrechtlicher Nachprüfung nicht stand.

4 a) Die Jugendkammer hat eine Einbeziehung des Urteils des Amtsgerichts Siegburg vom 8. Oktober 2013, durch das der Angeklagte B. wegen vorsätzlicher Körperverletzung verwarnt und mit einer Geldzahlung in Höhe von 1.000 € sowie der Teilnahme an einem Anti-Gewalt-Training beauftragt worden war, nicht erörtert. § 31 Abs. 2 JGG sieht - unabhängig von der zeitlichen Reihenfolge einzelner Straftaten - grundsätzlich eine Einbeziehung bereits rechtskräftiger Entscheidungen, solange sie noch nicht vollständig ausgeführt, verbüßt oder sonst erledigt sind, in ein neues Urteil und die Verhängung einer einheitlichen Maßnahme für alle Taten vor. Ob die Auflagen aus dem Urteil des Amtsgerichts Siegburg bereits erledigt sind, hat das Landgericht indes nicht festgestellt. Das Revisionsgericht kann auch nicht entscheiden, ob von der Einbeziehung der früheren Verurteilung aus erzieherischen Zweckmäßigkeitserwägungen (§ 31 Abs. 3 Satz 1 JGG) abgesehen werden kann. Diese Entscheidung ist jeweils für den Einzelfall zu treffen und steht im pflichtgemäßen Ermessen des Tatrichters (vgl. auch Senat, Beschluss vom 12. Juli 1995 - 2 StR 60/95, BGHR JGG § 31 Abs. 2 Nichteinbeziehung 1 mwN).

5 b) Die Darlegungen des Landgerichts zur Höhe der Jugendstrafe hinsichtlich des Angeklagten T. begegnen ebenfalls rechtlichen Bedenken. Das Landgericht hat es als sachgerecht angesehen, die Vorverurteilung zu einer Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und acht Monaten durch das Amtsgericht Siegburg "maßvoll [...] zu erhöhen”. Mit einer Einbeziehung nach § 31 Abs. 2 JGG verliert das einbezogene Urteil indes im Strafausspruch seine Wirkung; der nunmehr zur Verhängung einer einheitlichen Maßnahme oder Jugendstrafe aufgerufene Richter hat diese selbständig und losgelöst von dem Strafausspruch der einzubeziehenden Entscheidung unter erkennbarer Berücksichtigung des Erziehungsgedankens zu bestimmen. Hieraus folgt, dass die Einheitsjugendstrafe nicht - wie das Landgericht offenbar meint - zwingend höher sein muss als die einbezogene Verurteilung (Senat, Urteil vom 2. Mai 1990 - 2 StR 64/90, BGHSt 37, 34, 40; Beschlüsse vom 23. Oktober 1991 - 2 StR 457/91, BGHR JGG § 31 Abs. 2 Einbeziehung 5 und vom 12. Juli 1995 - 2 StR 60/95, BGHR JGG § 31 Abs. 2 Nichteinbeziehung 1).

6 c) Der Senat kann nicht ausschließen, dass der jeweilige Rechtsfolgenausspruch auf den rechtsfehlerhaften Erwägungen beruht. Da jeweils nur ein Wertungsfehler vorliegt, bedarf es der Aufhebung der Feststellungen nicht; der Tatrichter ist nicht gehindert, neue Feststellungen zu treffen, die zum feststehenden Sachverhalt nicht in Widerspruch stehen.

Appl Eschelbach Ott

Bartel Zeng

Mots-clés

juvenile sentenceunified sentenceinclusion of prior judgmentseducational principlesentencing reviewappealrevision

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether B.'s sentence had to address the prior Siegburg judgment under § 31 JGG.

Solution extraite

The sentencing part could not stand because the court failed to examine whether the earlier decision still had to be included in a unified juvenile sanction.

Motifs extraits

Under § 31(2) JGG, prior final decisions are generally to be included so long as they are not fully executed or otherwise completed. The trial court made no findings on completion and the appellate court could not substitute its own discretion under § 31(3) JGG.

Question juridique clé

Whether T.'s unified juvenile sentence was lawfully fixed by merely increasing the earlier sentence.

Solution extraite

The sentence could not stand because a unified juvenile sentence must be determined independently and is not required to be higher than the included prior sentence.

Motifs extraits

Once included under § 31(2) JGG, the earlier sentence loses its independent effect. The new judge must set the unified measure independently, guided by educational considerations, rather than mechanically exceeding the previous sentence.

Question juridique clé

Whether the remaining complaints and conviction findings succeeded on appeal.

Solution extraite

The procedural complaints failed and the convictions were otherwise free of reversible error.

Motifs extraits

The General Federal Prosecutor's submissions disposed of the procedural complaints, and the conviction findings showed no error of law.

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