Use of witness testimony after withdrawal of waiver of privilege

BGH 1 StR 429/14Bgh / Ire chambre pénale20 mai 2015Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice dismissed the defendant’s revision against the Essen Regional Court’s judgment in a tax evasion case. It held that witness Ö.’s testimony given in the main hearing remained usable despite his later invocation of the privilege to refuse testimony. The court also rejected the challenge to the court’s composition as inadmissible and found no error in the refusal to adjourn the trial. The defendant was ordered to bear the costs of the appeal.

Regeste Omnilex

§ 252 StPO; withdrawal of a witness’s waiver of the privilege to refuse testimony in the main hearing does not retroactively bar use of statements already made in that hearing. Prior judicial reasoning remains outside the scope of the exclusion rule; a challenge to the use of pretrial witness statements requires sufficiently specific pleading of the content of the statement. A complaint under § 338 Nr. 1 StPO is inadmissible if the revision omits incorporated presidency materials necessary to review the chamber’s overload decision. A refusal to adjourn under § 265 Abs. 3 StPO is unassailable absent a relevant change in the factual basis of the accusation (consid. 1-3).

Texte intégral

BGH — 1 StR 429/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-05-20

Aktenzeichen: 1 StR 429/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StPO, § 252 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Essen, 31. Januar 2014, Az: 21 KLs - 302 Js 122/10 - 17/13

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung: Verwertbarkeit der Zeugenaussage bei Widerruf des Verzichts auf ein Zeugnisverweigerungsrecht

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Essen vom 31. Januar 2014 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend zu den Ausführungen des Generalbundesanwalts in seiner Antragsschrift bemerkt der Senat:

  1. Soweit geltend gemacht wird, die Angaben des Zeugen Ö. in der Hauptverhandlung hätten nach dessen Erklärung, nunmehr von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen zu wollen, nicht verwertet werden dürfen, verkennt die Revision die Reichweite des § 252 StPO. Der Widerruf des Verzichts auf das Zeugnisverweigerungsrecht in der Hauptverhandlung führt nicht zur Unverwertbarkeit der davor getätigten Angaben des Zeugen in der Hauptverhandlung (BGH, Urteile vom 15. Januar 1952 - 1 StR 341/51, BGHSt 2, 99, 107; und vom 28. Januar 2004 - 2 StR 452/03, NJW 2004, 1466, 1467). Soweit die Rüge hingegen mit der Angriffsrichtung geführt wird, aufgrund dieses Widerrufs hätten Angaben des Zeugen bei einer nichtrichterlichen Zeugenvernehmung nicht über die Vernehmungsbeamten eingeführt werden dürfen, genügt sie schon nicht den Vortragserfordernissen des § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO. Denn der Inhalt der Vernehmung, deren Verwertung beanstandet wird, ist nicht vorgetragen. Ihr Inhalt ergibt sich auch nicht mit der erforderlichen Klarheit aus den Urteilsgründen, auf die wegen der zulässig erhobenen Sachrüge zurückgegriffen werden kann (vgl. BGH, Urteil vom 3. September 2014 - 1 StR 145/14, NStZ 2015, 227, 229). Jedenfalls kann ein Beruhen des Urteils auf den diesbezüglichen Angaben der Vernehmungsbeamten ausgeschlossen werden. Nach den Urteilsgründen hat der Zeuge selbst in der Hauptverhandlung die Erstellung von Scheinrechnungen umfassend und für die Strafkammer glaubhaft geschildert, was durch zahlreiche objektive Umstände Bestätigung erfahren hat.

  2. Die Rüge nicht vorschriftsmäßiger Gerichtsbesetzung (§ 338 Nr. 1 StPO) ist bereits unzulässig. Die Revision versäumt es, den in dem die Besetzungsrüge zurückweisenden Beschluss in Bezug genommenen weiteren Präsidiumsbeschluss betreffend die Entlastung der Strafkammer XV vorzutragen. Dessen Kenntnis wäre jedoch erforderlich, um abschließend beurteilen zu können, ob das Präsidium seiner Pflicht zur umfassenden, nachvollziehbaren Dokumentation und Darlegung der Gründe (vgl. zu diesem Maßstab BGH, Urteil vom 9. April 2009 - 3 StR 376/08, BGHSt 53, 268) für die Entlastung der Strafkammer XV nachgekommen ist. Jedenfalls aber belegt der von der Revision vorgetragene Präsidiumsbeschluss, der zu Details der Belastung auf den Vermerk des Vorsitzenden der Strafkammer verweist, in noch ausreichender Weise mit Tatsachen die Überlastung der Strafkammer XV. Zum Zeitpunkt der Entlastung zeichnete sich neben der Einarbeitung in zahlreiche anhängige Verfahren auch das Erfordernis der Fortsetzung eines bereits vor der Strafkammer XV verhandelten Verfahrens auch über den November 2013 hinaus konkret ab. Auch handelte es sich danach um keine unzulässige Einzelfallzuweisung.

  3. Die Rüge einer Verletzung des § 265 Abs. 3 StPO versagt ebenfalls. Der die Aussetzung ablehnende Beschluss der Strafkammer ist nicht zu beanstanden. Auch die Revision behauptet nicht, dass die der Berechnung der Steuerschuld zugrunde liegenden Tatsachen (vgl. hierzu BGH, Urteil vom 9. Dezember 2009 - 1 StR 167/09, wistra 2010, 154) sich gegenüber der Anklage verändert hätten.

Rothfuß Jäger Cirener

Mosbacher Fischer

Mots-clés

tax evasionwitness testimonyprivilege against testimonyadmissibility of evidencecourt compositionadjournmentrevisioncosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether statements made by witness Ö. in the main hearing remained usable after he later invoked his privilege to refuse testimony.

Solution extraite

The earlier statements given in the main hearing remained admissible; withdrawal of the waiver did not render them unusable.

Motifs extraits

Section 252 StPO does not cover prior testimony already given in the main hearing when the witness later changes position. Any challenge to pretrial non-judicial questioning also failed because the defense did not sufficiently plead the content of the questioned testimony, and in any event the judgment did not rest on it.

Question juridique clé

Whether the complaint about improper court composition was admissible and well-founded.

Solution extraite

The complaint was inadmissible, and in any event the documented reasons sufficiently supported the transfer/relief of the chamber.

Motifs extraits

The revision omitted a further presidency decision incorporated by reference into the order rejecting the composition challenge. Without it, the completeness of the presidency’s reasoning could not be reviewed. The submitted materials nevertheless showed a sufficiently documented overload of the chamber.

Question juridique clé

Whether the refusal to adjourn the trial violated the defendant’s right to be heard under Section 265(3) StPO.

Solution extraite

No violation was shown.

Motifs extraits

The challenged order was unobjectionable, and the defense did not allege any change in the facts underlying the tax calculation compared with the indictment.

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