Dangerous bodily harm: findings on kicks to the head with shoes

BGH 2 StR 488/14Bgh / IIe chambre pénale13 mai 2015Partially Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court partially upheld the defendant's revision against a conviction for dangerous bodily harm. The conviction itself remained intact under § 224(1) No. 5 StGB, but the trial court had not sufficiently established the prerequisites for treating the shoes as a dangerous tool under § 224(1) No. 2 StGB. Because the lower court had also relied on that additional variant when selecting the sentence, the sentence and related findings were set aside. The compensation for excessive length of proceedings was left untouched, and the case was remitted to a different criminal chamber of the Regional Court.

Regeste Omnilex

§ 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB; § 354 Abs. 3 StPO; requirements for findings when kicks to the head with footwear are qualified as use of a dangerous tool: a conviction may rest on this aggravating circumstance only if the judgment conclusively establishes both the concrete nature of the shoes and the manner of their employment. A merely assumed or generally dangerous quality of the footwear is insufficient where the facts do not permit a reliable conclusion that the object, as used, was capable of causing serious injury. If the trial court has also relied on the unproven aggravating variant to the defendant's detriment in selecting the sentencing range and determining the concrete sentence, the sentence must be set aside, while an otherwise sustainable conviction under another variant of § 224 StGB remains unaffected. A compensation decision for excessive length of proceedings is not automatically covered by a partial reversal (consid. 4–6).

Texte intégral

BGH — 2 StR 488/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-05-13

Aktenzeichen: 2 StR 488/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 224 Abs 1 Nr 2 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Frankfurt, 9. Mai 2014, Az: 5/22 Ks 14/11

Spruchkörper: 2. Strafsenat

Titelzeile

Gefährliche Körperverletzung: Urteilsfeststellungen bei Tritten gegen den Kopf mit einem Straßenschuh

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 9. Mai 2014, soweit er verurteilt wurde, im Strafausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.

  2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels und die der Nebenklägerin insoweit entstandenen notwendigen Auslagen, an eine allgemeine Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  3. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten verurteilt und im Übrigen freigesprochen. Es hat zudem bestimmt, dass für die "überlange Verfahrensdauer" vier Monate Freiheitsstrafe als vollstreckt gelten. Gegen die Verurteilung richtet sich die auf die Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel führt zur Aufhebung des Strafausspruchs; im Übrigen ist es unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).

2 1. Da die Revision mit der Sachrüge hinsichtlich des Strafausspruchs durchdringt, bedarf es keiner Entscheidung über die nicht weitergehenden Verfahrensrügen.

3 2. Das Urteil unterliegt im Strafausspruch der Aufhebung. Die getroffenen Feststellungen belegen (nur) die Voraussetzungen einer gefährlichen Körperverletzung gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB, nicht hingegen gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 2 StGB.

4 Im Ausgangspunkt zutreffend hat das Landgericht ausgeführt, dass ein Straßenschuh von üblicher Beschaffenheit regelmäßig als gefährliches Werkzeug anzusehen sei, wenn damit einem Menschen gegen den Kopf getreten wird (vgl. auch BGH, Urteile vom 11. Februar 1982 - 4 StR 689/81, BGHSt 30, 375, 376 und vom 15. September 2010 - 2 StR 395/10, NStZ-RR 2011, 337 [fester Turnschuh]; Fischer, StGB, 62. Aufl., § 224 Rn. 9c mwN). Ob diese Voraussetzungen hier gegeben sind, lässt sich den Urteilsgründen nicht zweifelsfrei entnehmen. Einerseits stellt die Strafkammer ohne weitere Beschreibung (lediglich) fest, der Angeklagte habe der nach vorn gebeugten Geschädigten mit dem "beschuhten Fuß” ins Gesicht getreten, worauf sie nach hinten umgefallen sei; andererseits führt das Landgericht im Rahmen der rechtlichen Würdigung aus, dass "davon auszugehen" sei, die Schuhe des Angeklagten "in Form von Lederslippern" hätten "die Gefährlichkeit des wuchtigen Tritts mit dem Fuß noch erhöht [...], weil das schwungvolle Auftreten der festen Sohle auf das Gesicht/den Kopf [...] geeignet ist, gefährliche Verletzungen hervorzurufen". Weder die Beschaffenheit der vom Angeklagten getragenen Schuhe noch deren konkreter Einsatz ist somit nachvollziehbar belegt.

5 Auf den Schuldspruch wirkt sich dieser Rechtsfehler nicht aus. Das Landgericht hat den Angeklagten rechtsfehlerfrei der gefährlichen Körperverletzung - gemäß § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB - schuldig gesprochen. Da die Strafkammer jedoch sowohl bei der Strafrahmenwahl als auch bei der konkreten Strafe zu Lasten des Angeklagten berücksichtigt hat, beide Tatbestandsvarianten der gefährlichen Körperverletzung verwirklicht zu haben, ist das Urteil im Strafausspruch aufzuheben.

6 3. Die Kompensationsentscheidung, die keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten erkennen lässt, wird von der Teilaufhebung des Urteils nicht erfasst (BGH, Urteil vom 27. August 2009 - 3 StR 250/09, BGHSt 54, 135, 138).

7 4. Ein die Zuständigkeit des Schwurgerichts begründender Tatvorwurf steht nicht mehr in Frage; der Senat verweist die Sache entsprechend § 354 Abs. 3 StPO deshalb an eine allgemeine Strafkammer des Landgerichts zurück.

Fischer Roggenbuck Eschelbach

Zeng Bartel

Mots-clés

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Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the conviction for dangerous bodily harm under § 224(1) No. 2 StGB was sufficiently supported by findings on the shoes and their use.

Solution extraite

The findings did not clearly establish the nature of the shoes or the manner of their use, so the aggravating element of using a dangerous tool under § 224(1) No. 2 StGB could not be upheld.

Motifs extraits

The judgment described only a kick with a 'shod foot' to the face and speculated that leather slip-on shoes increased the danger. This left both the shoe characteristics and the concrete manner of use insufficiently established.

Question juridique clé

Whether the sentence had to be set aside because the sentencing court had taken both variants of dangerous bodily harm into account against the defendant.

Solution extraite

Yes. Because the trial court treated both § 224(1) No. 2 and No. 5 StGB as realized to the defendant's detriment, the sentence and related findings could not stand.

Motifs extraits

Although the conviction remained valid under § 224(1) No. 5 StGB, the erroneous additional assumption of No. 2 affected the choice of sentencing range and the concrete sentence.

Question juridique clé

Whether the remainder of the revision was well founded.

Solution extraite

No. Beyond the sentence, the revision was unfounded.

Motifs extraits

The conviction itself for dangerous bodily harm under § 224(1) No. 5 StGB was upheld; the compensation for excessive length of proceedings was unaffected by the partial setting aside.

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