No legal basis for paying sale proceeds to private victims

BGH 4 StR 124/15Bgh / Criminal Chamber 419 mai 2015Modified

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The BGH rejected the defendant’s revision against his conviction for dangerous assault, dangerous interference with road traffic, damage to property, and negligent drunken driving, as well as the prison sentence and driving-related measures. It held, however, that the criminal court could not require the defendant to sell his confiscated car and pay the proceeds to the private victims. Such victim compensation is only available through an adhesion procedure under §§ 403 ff. StPO, which had not been initiated. The confiscation reservation and sale order otherwise remained effective. The defendant had to bear the costs of the appeal and the private victims’ necessary expenses.

Regeste Omnilex

§ 74b Abs. 2 S. 2 Nr. 3 StGB; §§ 403 ff. StPO; compensation of injured persons in criminal proceedings: Where confiscation is reserved for reasons of proportionality, the court may order a less severe substitute measure, including immediate sale of the asset, if the purpose of confiscation can thereby be achieved. However, a direction to remit the sale proceeds to private victims lacks a statutory basis within the criminal judgment. Monetary compensation of the injured party is admissible only in the adhesion procedure and only if that procedure has been properly commenced (consid. 3-5).

Texte intégral

BGH — 4 StR 124/15, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2015-05-19

Aktenzeichen: 4 StR 124/15

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 74b Abs 2 S 2 Nr 3 StGB, § 403 StPO, §§ 403ff StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Neubrandenburg, 17. Dezember 2014, Az: 60 Ks 3/14

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Vorbehaltene Einziehung und Anweisung der Veräußerung eines Kfz: Zulässigkeit der Auskehrung des Erlöses an die Nebenkläger

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Neubrandenburg vom 17. Dezember 2014 wird als unbegründet verworfen. Jedoch entfällt die Anweisung an den Angeklagten, den Erlös aus der Veräußerung seines unter der Nummer 899/14, lfd. Nr. 9, asservierten Kraftfahrzeugs, amtliches Kennzeichen , zu gleichen Teilen an die Nebenkläger herauszugeben.

Der Angeklagte trägt die Kosten des Rechtsmittels und die den Nebenklägern im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr und mit Sachbeschädigung, jeweils begangen in zwei tateinheitlich zusammentreffenden Fällen, und in weiterer Tateinheit mit fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt und Maßnahmen nach §§ 69, 69a StGB angeordnet. Es hat ferner bestimmt, dass die Einziehung des Kraftfahrzeugs des Angeklagten vorbehalten bleibt, und den Angeklagten angewiesen, das Fahrzeug unverzüglich zu veräußern und den Veräußerungserlös zu gleichen Teilen an die Nebenkläger herauszugeben. Die nicht näher begründete Revision des Angeklagten, die auf die Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützt ist, führt lediglich zum Wegfall des aus der Beschlussformel ersichtlichen Teils der Einziehungsentscheidung; im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Während die Verfahrensrüge schon den Anforderungen des § 344 Abs. 2 Satz 2 StPO nicht entspricht, bleibt die Revision auf Grund der Sachrüge überwiegend erfolglos, da die Nachprüfung des angefochtenen Urteils zum Schuld-, Straf- und Maßnahmeausspruch keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat. Insoweit wird auf die Ausführungen des Generalbundesanwalts in seiner Antragsschrift vom 24. April 2015 Bezug genommen.

3 2. Die Anweisung an den Angeklagten, den Erlös aus der Veräußerung seines Kraftfahrzeugs an die Nebenkläger herauszugeben, kann jedoch nicht bestehen bleiben.

4 Gemäß § 74b Abs. 2 StGB hat das Gericht in den Fällen der §§ 74 und 74a StGB anzuordnen, dass die Einziehung - aus Gründen der Verhältnismäßigkeit (vgl. BVerfG, Beschluss vom 22. Mai 1995 - 2 BvR 195/92, NJW 1996, 246, 247; BGH, Beschluss vom 28. November 2008 - 2 StR 501/08, BGHSt 53, 69, 71) - vorbehalten bleibt, und eine weniger einschneidende Maßnahme zu treffen, wenn der Zweck der Einziehung auch durch sie erreicht werden kann. Gemessen daran ist es aus Rechtsgründen zwar nicht zu beanstanden, dass die Strafkammer die Einziehung des dem Angeklagten gehörenden Kraftfahrzeugs hier vorbehalten und diesen angewiesen hat, das Fahrzeug unverzüglich zu veräußern (§ 74b Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 StGB). Für die weiter gehende Anweisung an ihn, den Veräußerungserlös zu gleichen Teilen an die Nebenkläger herauszugeben, fehlt es indes an einer gesetzlichen Grundlage. Die Entschädigung des durch eine Straftat Verletzten kann im Rahmen des Strafverfahrens nur unter den Voraussetzungen der §§ 403 ff. StPO im - hier nicht in Gang gesetzten - Adhäsionsverfahren erfolgen.

5 Der Senat lässt den Ausspruch über die vorbehaltene Einziehung daher in dem aus der Beschlussformel ersichtlichen Umfang entfallen. Der geringfügige Erfolg des Rechtsmittels rechtfertigt es nicht, den Angeklagten von einem Teil der Kosten seines Rechtsmittels freizustellen (§ 473 Abs. 4 Satz 1 StPO).

| Sost-Scheible | | RinBGH Roggenbuck ist urlaubsbedingt abwesend und deshalb an der Unterschriftsleistung gehindert. | | Franke | | --- | --- | --- | --- | --- | | | | Sost-Scheible | | | | | Mutzbauer | | Bender | |

Mots-clés

confiscationproportionalityadhesion proceduresale proceedsvictim compensationrevisioncriminal proceedingscosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the revision against the conviction and sentence was otherwise well-founded

Solution extraite

The revision was unfounded in all other respects; the findings on guilt, sentence, and measures disclosed no legal error.

Motifs extraits

The procedural complaint did not meet the requirements of § 344(2) sentence 2 StPO, and the substantive review found no defendant-prejudicial error.

Question juridique clé

Whether the order requiring the defendant to remit the sale proceeds of the car to the private victims was lawful

Solution extraite

The order could not stand because there is no statutory basis for directing payment of the sale proceeds to the private victims in the criminal judgment absent an initiated adhesion procedure.

Motifs extraits

While § 74b(2) sentence 2 no. 3 StGB justified reserving confiscation and ordering sale as a less intrusive measure, compensation of injured persons in criminal proceedings is possible only under §§ 403 ff. StPO, which were not invoked here.

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