Emergency counsel refused after mandate termination dispute

BGH III ZR 211/14Bgh / IIIe chambre civile27 nov. 2014Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice rejected the plaintiff's request for appointment of emergency counsel in a pending non-admission appeal. The plaintiff's retained BGH lawyer had withdrawn because of fundamental disagreements about the content of the appeal grounds. The court held that emergency counsel is unavailable where the party is responsible for the breakdown of the mandate relationship. It also noted that the applicant had not sufficiently shown unsuccessful attempts to find substitute counsel within the appeal period.

Regeste Omnilex

§ 78b ZPO; appointment of emergency counsel after withdrawal of retained counsel in BGH appeal proceedings. Emergency counsel may be appointed only if the party is unable, without fault on its part, to secure representation and the intended prosecution is not manifestly hopeless. If a lawyer initially mandated withdraws because of irreconcilable disagreements over the content of the appeal filing, the party is responsible for the termination of the mandate relationship and cannot demand appointment of that lawyer as emergency counsel. In addition, the party must substantiate, within the appeal period, that it unsuccessfully sought representation from a sufficient number of lawyers; a bare reference to only a single further lawyer does not satisfy this requirement.

Texte intégral

BGH — III ZR 211/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-11-27

Aktenzeichen: III ZR 211/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 78 ZPO, § 78b ZPO, § 130 Nr 6 ZPO, § 544 ZPO

Vorinstanz: vorgehend OLG Bamberg, 19. Mai 2014, Az: 4 U 178/13vorgehend LG Hof, 14. November 2013, Az: 14 O 617/12

Spruchkörper: 3. Zivilsenat

Titelzeile

Beiordnung eines Notanwalts: Bestellung nach Mandatsniederlegung wegen Meinungsverschiedenheiten über die Begründung einer Nichtzulassungsbeschwerde

Tenor

Der Antrag des Klägers auf Beiordnung eines Notanwalts wird abgelehnt.

Gründe

I.

1 Der Kläger, ein ehemaliger Rechtsanwalt, nimmt den Beklagten aus Amtshaftung auf materiellen und immateriellen Schadensersatz in Anspruch. Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Die dagegen gerichtete Berufung hat keinen Erfolg gehabt. Der Kläger hat durch seinen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt fristgerecht Nichtzulassungsbeschwerde eingelegt. Die Frist zur Begründung des Rechtsmittels wurde auf Antrag bis zum 3. November 2014 verlängert. Mit Schreiben vom 17. Oktober 2014 hat der Prozessbevollmächtigte des Klägers das Mandat niedergelegt. Der Kläger hat daraufhin am 22. Oktober 2014 beantragt, seinen früheren Prozessbevollmächtigten als Notanwalt zu bestellen. Hierauf hat dieser mitgeteilt, er habe das Mandat niedergelegt, "da zu meinem Bedauern mit dem Kläger trotz großer Anstrengungen meinerseits keine gemeinsame Basis für eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zu erzielen war. Der Kläger sah sich nicht in der Lage, meinen Empfehlungen zu folgen, sondern verlangte in zahlreichen Telefonanrufen, Emails und Telefax-Sendungen, von ihm (teils wörtlich) vorgegebene Argumente vorzutragen, die nach meiner Einschätzung im vorliegenden Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren weder sachgerecht noch erfolgversprechend sind. Er hat seine Forderungen zuletzt mit der Ankündigung verbunden, mich anderenfalls in die Haftung zu nehmen". Der Kläger hat zuletzt beantragt, ihm Rechtsanwalt Dr. M. als Notanwalt beizuordnen. Dieser hatte zuvor die Übernahme des Mandats aus Zeitgründen abgelehnt.

II.

2 Der Antrag hat keinen Erfolg. Nach § 78b ZPO kann einer Partei ein Rechtsanwalt beigeordnet werden, wenn sie einen zu ihrer Vertretung bereiten Rechtsanwalt nicht findet und die Rechtsverfolgung nicht mutwillig oder aussichtslos erscheint. Hat eine Partei zunächst einen zu ihrer Vertretung bereiten Rechtsanwalt gefunden und entsprechend mandatiert, so kommt im Falle einer späteren Mandatsniederlegung die Bestellung eines Notanwalts nur dann in Betracht, wenn die Partei die Beendigung des Mandats nicht zu vertreten hat (vgl. nur Senat, Beschluss vom 18. Dezember 2013 - III ZR 122/13, NJW-RR 2014, 378 Rn. 9; BGH, Beschlüsse vom 12. März 2014 - V ZR 253/13, juris Rn. 1 und vom 24. Juni 2014 - VI ZR 226/13, VersR 2014, 1150 Rn. 2). Auslöser der Mandatsniederlegung waren hier die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kläger und seinem (vormaligen) Prozessbevollmächtigten über die Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde. Eine Partei hat aber keinen Anspruch auf Einreichung einer inhaltlich ihren Vorstellungen entsprechenden, mit den Vorstellungen ihres Prozessbevollmächtigten aber nicht in Einklang stehenden Rechtsmittelbegründung. Dies würde dem Sinn und Zweck der Zulassungsbeschränkung beim Bundesgerichtshof zuwider laufen und stünde im Widerspruch zur Eigenverantwortung des Rechtsanwalts (vgl. nur BGH, Beschlüsse vom 20. Juni 2006 - VI ZR 255/05, VersR 2007, 132 Rn. 3; vom 18. Dezember 2012 - VIII ZR 239/12, NJW 2013, 1011 Rn. 4; vom 12. März 2014 aaO Rn. 2; Senat aaO Rn. 12).

3 Im Übrigen setzt die Beiordnung eines Notanwalts voraus, dass eine Partei alle ihr zumutbaren Anstrengungen unternommen hat, einen zu ihrer Vertretung bereiten Rechtsanwalt zu finden. Im Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesgerichtshof muss eine Partei deshalb - innerhalb der Rechtsmittelfrist (vgl. nur BGH, Beschlüsse vom 24. August 2011 - V ZA 14/11, WuM 2011, 699 Rn. 3; vom 12. Juni 2012 - VIII ZB 80/11, juris Rn. 9 und vom 18. Dezember 2012 aaO Rn. 3) - substantiiert darlegen und nachweisen, sich ohne Erfolg zumindest an mehr als vier Rechtsanwälte gewandt zu haben (vgl. nur BGH, Beschlüsse vom 16. Februar 2004 - IV ZR 290/03, NJW-RR 2004, 864; vom 25. Januar 2007 - IX ZB 186/06, FamRZ 2007, 635; vom 28. Juni 2010 - IX ZA 26/10, WuM 2010, 649 Rn. 1 und vom 19. Januar 2011 - IX ZA 2/11, WuM 2011, 323 Rn. 2). Zu dieser Voraussetzung verhält sich der Kläger nicht näher. Aus den vorliegenden Unterlagen ergibt sich lediglich, dass sich der Kläger nach der Mandatsniederlegung seines (vormaligen) Prozessbevollmächtigten noch an einen weiteren Rechtsanwalt gewandt hat.

Schlick Herrmann Wöstmann

Seiters Reiter

Mots-clés

emergency counselmandate withdrawalnon-admission appealrepresentationlawyer refusalprocedural motion

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the applicant was entitled to appointment of emergency counsel under Section 78b ZPO after his retained lawyer withdrew.

Solution extraite

No. Emergency counsel is available only if the party did not cause the termination of the mandate; here the withdrawal was triggered by the applicant's dispute with counsel over the content of the appeal grounds.

Motifs extraits

A party has no right to insist on a submission that follows its own instructions but conflicts with counsel's professional assessment. Because the applicant caused the breakdown in cooperation, the prerequisite for appointment was missing.

Question juridique clé

Whether the applicant had shown sufficient efforts to find another lawyer willing to act within the appeal period.

Solution extraite

No sufficient showing was made. The applicant had not substantiated that he had unsuccessfully contacted more than four lawyers within the relevant period.

Motifs extraits

For proceedings before the Federal Court of Justice, the party must demonstrate diligent but unsuccessful attempts to secure representation within the time limit; the applicant's submissions only showed contact with one additional lawyer.

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