No exclusion of police questioning of unreachable witness

BGH 5 StR 350/14Bgh / Criminal Chamber 514 août 2014Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice rejected the defendants' appeals against the Regional Court of Berlin. It held that the translated police interrogations of the defendant's wife, who was unreachable at trial, were not subject to an exclusionary rule under Sections 52 and 252 StPO. Since the witness had no privilege at the time of the police questioning and the reading of the records was admitted with the parties' consent under Section 251(1) No. 1 StPO, the material could be used. The court also noted that the statements were used only in the defendants' favor and therefore any error could not have affected the judgment against them.

Regeste Omnilex

§§ 52, 251 Abs. 1 Nr. 1, 252 StPO; Verwertbarkeit polizeilicher Vernehmungen eines in der Hauptverhandlung unerreichbaren, erst später zeugnisverweigerungsberechtigten Zeugen. Ein aus § 252 StPO abgeleitetes Verwertungsverbot greift nicht ein, wenn das Zeugnisverweigerungsrecht bei der polizeilichen Vernehmung noch nicht bestand und der Zeuge in der Hauptverhandlung unerreichbar ist, so dass nicht festgestellt werden kann, ob er von einem bestehenden Recht Gebrauch gemacht hätte. Die Verlesung der Niederschriften kann nach § 251 Abs. 1 Nr. 1 StPO mit Zustimmung der Angeklagten und Verteidiger erfolgen. Ein Beruhen scheidet jedenfalls aus, wenn die Angaben ausschließlich zugunsten der Angeklagten verwertet werden und nur Zweifel an belastenden Aussagen begründen (vgl. BGHSt 25, 176; 27, 139).

Texte intégral

BGH — 5 StR 350/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-08-14

Aktenzeichen: 5 StR 350/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StPO, § 251 Abs 1 Nr 1 StPO, § 252 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Berlin, 12. Februar 2014, Az: 534 KLs 35/13, Urteil

Spruchkörper: 5. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren: Verwertungsverbot für die polizeilichen Vernehmungen eines in der Hauptverhandlung unerreichbaren zeugnisverweigerungsberechtigten Zeugen

Tenor

Die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Berlin vom 12. Februar 2014 werden nach § 349 Abs. 2 StPO als unbegründet verworfen.

Jeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels und die der Nebenklägerin durch ihre Revisionen entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.

Ergänzend bemerkt der Senat zu den auf Verletzung des § 252 StPO gestützten Verfahrensrügen:

Vorbehaltlich der Fragen der Rügebefugnis und des zureichenden Sachvortrags in der Revision bestand für die polizeilichen Vernehmungen der Ehefrau des Angeklagten I. S. in Rumänien, deren übersetzte Niederschriften in der Hauptverhandlung verlesen worden sind, kein aus §§ 52, 252 StPO abzuleitendes Verwertungsverbot (vgl. dazu BGH, Urteile vom 11. April 1973 - 2 StR 42/73, BGHSt 25, 176, und vom 16. März 1977 - 3 StR 327/76, BGHSt 27, 139). Die Zeugin war in der Hauptverhandlung unerreichbar, so dass nicht zu klären war, ob sie von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen wolle. Dieses hatte zum Zeitpunkt ihrer polizeilichen Vernehmungen noch nicht bestanden, so dass sie dabei nicht zu belehren gewesen war. Die Verlesung erfolgte nach § 251 Abs. 1 Nr. 1 StPO im Einverständnis der Angeklagten und ihrer Verteidiger. Das Ergebnis der Vernehmungen ist im Urteil ausschließlich zugunsten der Angeklagten verwendet worden, indem hierdurch Zweifel an sie weitergehend belastenden Angaben der Geschädigten begründet wurden (UA S. 25 ff.). Aus Letzterem ergäbe sich auch ein Ausschluss des Beruhens auf dem geltend gemachten Verstoß.

Basdorf Sander Schneider

Dölp König

Mots-clés

criminal procedureevidencewitness privilegereading of recordsexclusionary ruleconsentunreachable witnessappeal costs

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the police questioning of an unreachable witness with a later privilege against testimony was subject to an exclusionary rule under Sections 52 and 252 StPO.

Solution extraite

No exclusionary rule applied; the questioning could be used.

Motifs extraits

At the time of the police questioning, the witness had no privilege yet and therefore did not need to be warned. Because she was unreachable at trial, it could not be clarified whether she would actually exercise any later privilege. The readings were admitted with the defendants' and defense counsel's consent under Section 251(1) No. 1 StPO.

Question juridique clé

Whether the conviction had to be set aside because of the alleged violation of Section 252 StPO.

Solution extraite

No reversal was warranted, as the statements were used only in the defendants' favor and no causal reliance against them was shown.

Motifs extraits

The trial court relied on the statements only to create doubts about the more incriminating account given by the victim, so any asserted violation could not have affected the judgment to the defendants' detriment.

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