Invalid opening of main proceedings after joinder

BGH 1 StR 50/14Bgh / Ire chambre pénale27 févr. 2014Modified

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court held that the district court’s opening of main proceedings for a joined count was ineffective because it was decided in the wrong composition. Even though the count had earlier been severed and intended for immediate joinder, this did not dispense with a separate valid opening order under the StPO. The conviction based on that count was therefore set aside in substance by discontinuing the proceedings for that part, while the unchallenged acquittal remained final. Costs for the discontinued portion were imposed on the state treasury.

Regeste Omnilex

§§ 203, 207 StPO; § 76 Abs. 1 GVG; validity of opening of main proceedings after joinder: A post-joinder opening of the main proceedings before the Landgericht must be decided by the grand criminal chamber outside the main hearing in the statutory composition of three professional judges; a decision taken in the composition of the main hearing with lay judges is ineffective. A severance order does not, even if aimed at immediate joinder, implicitly contain a valid opening decision unless this is clearly and conclusively expressed. If the opening is invalid, a procedural bar exists as to the affected count, requiring discontinuance only for that part of the case.

Texte intégral

BGH — 1 StR 50/14, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-02-27

Aktenzeichen: 1 StR 50/14

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 203 StPO, § 207 StPO, § 76 Abs 1 GVG

Vorinstanz: vorgehend LG Ravensburg, 29. Oktober 2013, Az: 2 KLs 460 Js 20893/13 Jug

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Strafverfahren: Ersetzung des Eröffnungsbeschlusses durch den in einer anderen Sache ergangenen Abtrennungsbeschluss für ein hinzuverbundenes Verfahren

Tenor

  1. Das Verfahren wird eingestellt, soweit der Angeklagte verurteilt worden ist.

  2. Die Staatskasse trägt auch insoweit die Kosten des Verfahrens und die dem Angeklagten entstandenen notwendigen Auslagen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Diebstahls in Tateinheit mit Sachbeschädigung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt. Im Übrigen hat es ihn freigesprochen. Die Revision des Angeklagten, mit der er - gestützt auf die allgemeine Sachrüge - seine Verurteilung beanstandet, führt insoweit zur Einstellung des Verfahrens wegen eines Verfahrenshindernisses. Der nicht angefochtene Teilfreispruch ist rechtskräftig.

2 Zu den Prozessvoraussetzungen hat der Generalbundesanwalt zutreffend ausgeführt:

„Durch Beschluss vom 17. Oktober 2013 im Verfahren (Akte , Band III, Bl. 442) trennte das Landgericht den die Tat des Angeklagten vom 13. April 2013 betreffenden Teil einer Anklage der Staatsanwaltschaft Ravensburg vom 8. August 2013 (Akte , Band I, Bl. 7 ff.) ab. Dieser Beschluss erging in der Besetzung der Strafkammer außerhalb der Hauptverhandlung mit drei Berufsrichtern.

Im Hauptverhandlungstermin vom selben Tag hat das Landgericht den genannten Tatkomplex durch Beschluss zum Verfahren hinzuverbunden (Protokoll S. 5). Anschließend wurde durch einen weiteren Beschluss im selben Termin hinsichtlich des hinzuverbundenen Teils der Anklage vom 8. August 2013 das Hauptverfahren eröffnet. Beide Beschlüsse fasste das Landgericht in der Besetzung der Hauptverhandlung mit zwei Berufsrichtern und zwei Schöffen (Protokoll S. 2, 4; Beschluss des Landgerichts Ravensburg vom 19. September 2013, Akte , Band I, Bl. 426 f.). Der Angeklagte, die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft erklärten sich jeweils mit 'dieser Sachbehandlung' einverstanden. Der den hinzuverbundenen Teil der Anklage vom 8. August 2013 betreffende Anklagesatz wurde verlesen."

(Es) „liegt in dem in der Hauptverhandlung gefassten 'Eröffnungsbeschluss' keine wirksame Eröffnung des Hauptverfahrens im Sinne von § 207 StPO, weil das Landgericht nicht in der dafür gesetzlich vorgesehenen Besetzung entschieden hat. Sie war in der Hauptverhandlung gemäß § 76 Abs. 2 Satz 1 GVG mit zwei Berufsrichtern und zwei Schöffen besetzt. Über eine - grundsätzlich mögliche - nachträgliche Eröffnung des Hauptverfahrens in der Hauptverhandlung entscheidet aber beim Landgericht auch dann die Große Strafkammer in ihrer Besetzung außerhalb der Hauptverhandlung mit drei Berufsrichtern ohne Mitwirkung der Schöffen, wenn die Kammer die Hauptverhandlung in reduzierter Besetzung durchführt (vgl. Senat, Beschluss vom 7. September 2011 - 1 StR 388/11; BGH, Beschluss vom 2. November 2005 - 4 StR 418/05; Beschluss vom 25. Februar 2010 - 4 StR 596/09; Beschluss vom 22. Juni 2010 - 4 StR 216/10). Auch eine Einbeziehung über § 266 StPO, über die in der Besetzung der Hauptverhandlung hätte entschieden werden können, lag nicht vor."

3 Der Umstand, dass das Landgericht bei dem mit drei Berufsrichtern gefassten Abtrennungsbeschluss vom 17. Oktober 2013 das Ziel verfolgte, den abgetrennten Verfahrensteil sogleich zum Verfahren Jug. hinzu zu verbinden, macht einen in der gesetzlich vorgeschriebenen Besetzung ergangenen Eröffnungsbeschluss (§§ 203, 207 StPO) nicht entbehrlich. Denn der Abtrennungsbeschluss ist nicht dahin auszulegen, dass er - schlüssig (vgl. dazu BGH, Beschluss vom 17. Dezember 1999 - 2 StR 376/99, BGHR StPO § 203 Beschluss 5) - die Eröffnung des Verfahrens mit enthalten sollte. Diese blieb vielmehr einem eigenständigen Beschluss vorbehalten, der dann allerdings in der Hauptverhandlung nach Verfahrensverbindung fehlerhaft mit zwei Berufsrichtern und zwei Schöffen getroffen wurde.

4 Damit lag hinsichtlich des hinzuverbundenen Verfahrensteils, der zur Verurteilung des Angeklagten geführt hat, mangels wirksamen Eröffnungsbeschlusses ein Verfahrenshindernis vor (vgl. BGH, Beschluss vom 7. September 2011 - 1 StR 388/11, NStZ 2012, 50). Das Verfahren ist insoweit einzustellen; betroffen ist nur der Tatvorwurf, hinsichtlich dessen das Landgericht den Angeklagten verurteilt hat.

Raum Graf Jäger

Cirener Mosbacher

Mots-clés

opening of main proceedingsjoinderseveranceprocedural barcomposition of courtcriminal appealcostsnullity

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the main proceedings were validly opened for the joined part of the indictment.

Solution extraite

No. The opening decision was ineffective because the district court ruled in the wrong composition; for a post-joinder opening of main proceedings the grand criminal chamber had to decide outside the main hearing with three professional judges.

Motifs extraits

The opening decision in the main hearing was not a valid opening under §§ 203, 207 StPO. The earlier severance order did not itself contain an implicit opening decision, and the subsequent opening after joinder was taken by two professional judges and two lay judges, although the law required a decision by three professional judges without lay judges.

Question juridique clé

What consequence follows for the conviction based on the joined count?

Solution extraite

The proceedings are discontinued as to the convicted count because of the procedural obstacle of a missing valid opening order.

Motifs extraits

Without a valid opening of main proceedings there is a procedural bar; only the count on which the defendant was convicted is affected. The uncontested acquittal part remains final.

Question juridique clé

Who bears the costs and necessary expenses for the discontinued part?

Solution extraite

The state treasury also bears the costs of the proceedings and the defendant's necessary expenses for that part.

Motifs extraits

The disposition orders cost allocation to the state for the discontinued portion.

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