Sentencing court must address mitigating effect of confession

BGH 4 StR 502/13Bgh / Criminal Chamber 428 janv. 2014Partially Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court partly upheld the defendant's revision. It found that the regional court had to expressly address the defendant's own confession when determining the sentence, because his statements were relevant and not shown to be merely tactical. The legal-consequences portion, including the compensation for undue delay, was therefore set aside and the matter remitted to another criminal chamber. The remainder of the revision was rejected.

Regeste Omnilex

§ 46 StGB, § 267 Abs. 3 S. 1 StPO; the sentencing court must address a defendant's confession when it is relevant to mitigation. A confession may be denied mitigating weight only where it is clearly not motivated by remorse and guilt, but rests merely on overwhelming evidence. If the reasons for judgment show that the defendant's statements contributed to the factual findings and were not discredited, the appellate court may not exclude that their mitigating significance was overlooked. Sentence and delay-compensation may be assessed separately; however, complete remittal of the legal-consequences portion is permissible to enable a comprehensive reassessment, subject to the prohibition of reformatio in peius.

Texte intégral

BGH — 4 StR 502/13, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2014-01-28

Aktenzeichen: 4 StR 502/13

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 46 StGB, § 267 Abs 3 S 1 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Kaiserslautern, 21. Juni 2013, Az: 6053 Js 20240/06 Wi - 7 KLs

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Strafurteil: Strafmildernde Bedeutung eines Geständnisses

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Kaiserslautern vom 21. Juni 2013 im Rechtsfolgenausspruch mit den zugehörigen Feststellungen aufgehoben.

  2. Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere als Wirtschaftsstrafkammer zuständige Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.

  3. Die weiter gehende Revision des Angeklagten wird verworfen.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Beihilfe zur Gläubigerbegünstigung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Ferner hat es angeordnet, dass zur Kompensation einer rechtsstaatswidrigen Verfahrensverzögerung drei Monate der Freiheitsstrafe als vollstreckt gelten. Die Revision des Angeklagten führt auf die Sachrüge zur Aufhebung des Rechtsfolgenausspruchs. Im Übrigen ist das Rechtsmittel unbegründet im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO.

2 1. Der Strafausspruch hält sachlich-rechtlicher Prüfung nicht stand, da das Landgericht die geständige Einlassung des Angeklagten in den Strafzumessungsgründen nicht ausdrücklich erwähnt hat.

3 a) Das Geständnis eines Angeklagten ist ein bestimmender Strafzumessungsgrund gemäß § 267 Abs. 3 Satz 1 StPO (vgl. BGH, Beschluss vom 13. November 1997 - 4 StR 539/97, StV 1998, 481). Ihm kann eine strafmildernde Bedeutung nur abgesprochen werden, wenn es ersichtlich nicht aus einem echten Reue- und Schuldgefühl heraus abgegeben worden ist, sondern auf „erdrückenden Beweisen" beruht (BGH, Urteil vom 28. August 1997 - 4 StR 240/97, BGHSt 43, 195, 209; Beschluss vom 3. Dezember 1998 - 4 StR 606/98, DAR 1999, 195 f.).

4 b) Daran gemessen waren die Angaben des Angeklagten hier nicht bedeutungslos. Das Landgericht hat seine Überzeugung an mehreren Stellen (Zweck der Scheckausstellung und -hingabe, Umstände der Einlösung, Höhe der Forderung des Angeklagten usw.) auch auf entsprechende Bekundungen des Angeklagten gestützt. Durch seine in keinem Punkt als widerlegt oder unglaubhaft bewerteten Angaben wurde die geständige Einlassung des Mitangeklagten H. bestätigt und ergänzt. Für die Annahme, dass die Angaben des Angeklagten nur auf prozesstaktischen Erwägungen beruhten und ihnen deshalb keinerlei Bedeutung zukommen konnte, findet sich in den Urteilsgründen kein Anhaltspunkt. Zwar kann aus der Tatsache, dass ein für die Strafzumessung bedeutsamer Punkt nicht ausdrücklich angeführt worden ist, nicht ohne Weiteres geschlossen werden, der Tatrichter habe ihn überhaupt nicht gesehen oder nicht gewertet (BGH, Urteil vom 17. Juli 1996 - 5 StR 121/96, BGHR StGB § 46 Abs. 2 Geständnis 1). Das Landgericht hat aber die Angaben des Angeklagten lediglich als „Einlassungen", die des Mitangeklagten H. hingegen als „geständige Einlassungen" (UA S. 16) bezeichnet und allein das Einlassungsverhalten des Mitangeklagten in der Strafzumessung strafmildernd gewertet. Vor diesem Hintergrund vermag der Senat nicht auszuschließen, dass das Landgericht die strafmildernde Bedeutung der Einlassung des Angeklagten verkannt hat.

5 2. Obgleich der Strafausspruch und die Kompensationsentscheidung grundsätzlich einer getrennten Beurteilung zugänglich sind (vgl. BGH, Urteil vom 27. August 2009 - 3 StR 250/09, BGHSt 54, 135 Rn. 8), hebt der Senat den gesamten Rechtsfolgenausspruch auf, um dem neuen Tatrichter die Möglichkeit zu einer umfassenden Neubewertung zu geben. Dabei wird das Verschlechterungsverbot (§ 358 Abs. 2 Satz 1 StPO) zu beachten sein. Ergänzend hierzu weist der Senat darauf hin, dass ein (vermeidbarer) Verbotsirrtum nach den rechtsfehlerfrei getroffenen Feststellungen nicht naheliegt.

6 3. Mit der Teilaufhebung des Urteils ist die Kostenbeschwerde des Angeklagten gegenstandslos (vgl. Meyer-Goßner, StPO, 56. Aufl., § 464 Rn. 20).

Sost-Scheible Cierniak Franke

Bender Quentin

Mots-clés

sentencingconfessionmitigationappealremanddelay compensationreformatio in peius

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the sentence had to be set aside because the trial court failed to expressly consider the defendant's confession in sentencing.

Solution extraite

Yes. A confession is a relevant sentencing factor, and the record did not exclude that the trial court overlooked or undervalued its mitigating effect.

Motifs extraits

The defendant's statements supported key factual findings, corroborated the co-defendant's confession, and were not discredited. The judgment treated them merely as statements, while the co-defendant's confession was expressly mitigated, so a sentencing error could not be ruled out.

Question juridique clé

Whether the delay-compensation decision had to fall together with the sentencing portion.

Solution extraite

Yes, the court set aside the entire legal-consequences portion to allow a fresh overall assessment.

Motifs extraits

Although sentence and compensation for excessive delay can be assessed separately, the appellate court chose complete remittal of the consequences section for a comprehensive reevaluation, subject to the prohibition of reformatio in peius.

Question juridique clé

Whether the remainder of the appeal had merit.

Solution extraite

No. Beyond the set-aside sentencing portion, the appeal failed.

Motifs extraits

The remaining complaints did not show reversible error under the criminal procedure review standard.

Poursuivez vos recherches dans ChatGPT ou Claude

Connectez Omnilex pour rechercher dans le corpus juridique depuis votre assistant IA.