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BGH 1 StR 52/13 ΓÇó Forfeiture barred by tax claims; extension to non-appealing co-defendant
BGH 1 StR 52/13Bgh / Ire chambre pénale5 mars 2013Partially Granted
The Federal Court of Justice dismissed the accused’s revision with only a minor success: the forfeiture order made by the Regional Court of Essen against the accused and the co-accused was set aside. The court held that forfeiture was barred because the tax fiscus still had claims for the evaded wage tax; no waiver of those claims had been established. The cancellation was extended to the non-appealing co-accused under § 357 StPO because the error concerned the substantive legality of the forfeiture decision itself. The appellant had to bear the costs of the remedy.
§ 73 Abs. 1 S. 2 StGB; forfeiture is excluded where claims of the injured party remain in existence. In tax-related offenses, claims of the fiscus for evaded wage tax preclude forfeiture so long as no waiver of those claims is established; the existence of a waiver by another injured party concerning social-security contributions does not affect the fiscus’s claims. If the defect lies in the substantive legality of the forfeiture decision, the setting aside must be extended to the non-appealing co-defendant under § 357 StPO. The extension is not confined to discretionary applications of the hardship clause under § 73c StGB, which depend on individual circumstances.
Entscheidungsdatum: 2013-03-05
Aktenzeichen: 1 StR 52/13
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 73 Abs 1 S 2 StGB, § 73c Abs 1 StGB, § 266a Abs 1 StGB, § 266a Abs 2 StGB, § 357 StPO, § 71 AO
Vorinstanz: vorgehend LG Essen, 22. August 2012, Az: 35 KLs 307 Js 875/08 - 13/10
Spruchkörper: 1. Strafsenat
Verfallsanordnung bei Steuerhinterziehung; Erstreckung der Aufhebung der Verfallsanordnung auf nichtrevidierenden Mitangeklagten
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Essen vom 22. August 2012 wird mit der Maßgabe als unbegründet verworfen, dass der vom Landgericht ihm und der Mitangeklagten S. gegenüber angeordnete Verfall entfällt (§ 349 Abs. 2 und 4 StPO).
Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.
Ergänzend bemerkt der Senat:
Das Tatgericht hat die nicht revidierende Mitangeklagte wegen Steuerhinterziehung in achtzehn Fällen und wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt in ebenfalls achtzehn Fällen sowie den Angeklagten wegen einer Beihilfe zu diesen Taten verurteilt. Darüber hinaus hat es bei beiden sichergestelltes Bargeld und ein gepfändetes Kontoguthaben der Mitangeklagten für verfallen erklärt.
Wie der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift zutreffend ausgeführt hat, kann die Anordnung des Verfalls keinen Bestand haben. Ihr steht § 73 Abs. 1 Satz 2 StGB entgegen. Das Tatgericht hat zwar in Bezug auf das Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt (§ 266a Abs. 1 und Abs. 2 StGB) einen Verzicht der geschädigten Krankenkasse auf ihre Ansprüche festgestellt. Allerdings stehen der Verfallsanordnung die Ansprüche des Steuerfiskus im Hinblick auf die hinterzogene Lohnsteuer entgegen (vgl. BGH, Beschluss vom 28. Juni 2011 - 1 StR 37/11, wistra 2011, 394, 395 Rn. 11 mwN). In Bezug auf diese Ansprüche sind gemäß § 71 AO die Mitangeklagte als Täterin der Steuerhinterziehung und der Angeklagte als Gehilfe dazu Haftungsschuldner. Einen Anspruchsverzicht des Steuerfiskus hat das Landgericht nicht festgestellt.
Die Aufhebung der Verfallsanordnung ist gemäß § 357 StPO auf die Mitangeklagte zu erstrecken, weil die Aufhebung auf einem sachlich-rechtlichen Fehler bei der Entscheidung über den Verfall beruht (st. Rspr.; etwa BGH, Beschlüsse vom 22. Dezember 2004 - 2 StR 498/04 und 10. Januar 2008 - 5 StR 365/07, NStZ 2008, 565, 567 Rn. 9 mwN). Das gälte wegen der dort maßgeblichen individuellen Erwägungen lediglich bei dem fehlerhaften Umgang mit der Härtevorschrift des § 73c Abs. 1 StGB nicht (BGH, Beschluss vom 10. Januar 2008 - 5 StR 365/07, NStZ 2008, 565, 567 Rn. 9).
Das Rechtsmittel hat einen so unwesentlichen Teilerfolg erzielt, dass es sich als erfolglos im Sinne von § 473 Abs. 1 Satz 1 StPO erweist.
Wahl Rothfuß Jäger
Radtke Zeng