Legal aid denied for non-admission complaint in insurance agent compensation case

BGH VII ZA 14/12Bgh / Civil Chamber 721 févr. 2013Dismissed

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Résumé

The Bundesgerichtshof refused the plaintiff’s request for legal aid to file a non-admission complaint against the OLG Hamm judgment. It held that the intended appeal lacked sufficient prospects of success. As a precaution, the court stated that an insurance agent’s compensation claim arising before the 2009 reform is governed by former § 89b HGB. A directive-conforming interpretation based on Article 17 of Directive 86/653/EEC was not required for insurance agents.

Regest

§ 114 Satz 1 ZPO; legal aid for a non-admission complaint requires sufficient prospects of success. A compensation claim of an insurance agent arising before the entry into force of the 2009 amendment to § 89b HGB is governed by former law pursuant to the general temporal rule of Art. 170 EGBGB. Former § 89b HGB does not require directive-conforming interpretation in light of Art. 17 of Directive 86/653/EEC, because insurance agents are not covered by that directive and there is no ascertainable legislative intent to align their compensation claim with that of commercial agents in the temporal scope of the former statute.

Texte intégral

BGH — VII ZA 14/12, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2013-02-21

Aktenzeichen: VII ZA 14/12

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 89b Abs 1 HGB vom 31.07.2009, § 89b Abs 1 HGB vom 23.10.1989, § 89b Abs 5 HGB vom 31.07.2009, § 89b Abs 5 HGB vom 23.10.1989, Art 17 EWGRL 653/86, Art 170 BGBEG

Vorinstanz: vorgehend OLG Hamm, 31. Mai 2012, Az: 18 U 148/05, Urteilvorgehend LG Münster, 29. August 2002, Az: 25 O 204/00

Spruchkörper: 7. Zivilsenat

Titelzeile

Ausgleichsanspruch des Versicherungsvertreters: Richtlinienkonforme Auslegung des vor der Gesetzesneufassung entstandenen Ausgleichsanspruchs

Tenor

Der Antrag des Klägers auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für eine Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil des 18. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Hamm vom 31. Mai 2012 wird abgelehnt, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet, § 114 Satz 1 ZPO.

Gründe

1 Ungeachtet des Umstandes, dass es nach den Ausführungen des Berufungsgerichts im Streitfall nicht entscheidungserheblich ist, ob § 89b HGB in seiner alten oder in seiner derzeit geltenden Fassung angewendet wird, weist der Senat vorsorglich auf Folgendes hin:

2 Der Senat teilt die Auffassung (BGH, Urteil vom 23. November 2011 - VIII ZR 203/10, NJW-RR 2012, 674 Rn. 20-23), dass sich der Ausgleichsanspruch eines Versicherungsvertreters, der wie im Streitfall vor dem Inkrafttreten der Neufassung des § 89b HGB gemäß Art. 6a des Gesetzes zur Neuregelung der Rechtsverhältnisse bei Schuldverschreibungen aus Gesamtemissionen und zur verbesserten Durchsetzbarkeit von Ansprüchen von Anlegern aus Falschberatung vom 31. Juli 2009 (BGBl. I S. 2512) am 5. August 2009 entstanden ist, nach § 89b HGB a.F. beurteilt. Nach dem in Art. 170 EGBGB zum Ausdruck gekommenen allgemeinen Rechtsgedanken untersteht ein Schuldverhältnis nach seinen Voraussetzungen, seinem Inhalt und seinen Wirkungen dem Recht, das zur Zeit der Verwirklichung des Entstehungstatbestandes galt (vgl. MünchKommBGB/Krüger, 6. Aufl., Art. 170 EGBGB Rn. 3 m.w.N.). Eine richt-linienkonforme Auslegung von § 89b HGB a.F. im Lichte von Art. 17 der Richtlinie 86/653/EWG des Rates vom 18. Dezember 1986 zur Koordinierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten betreffend die selbständigen Handelsvertreter (ABl. EG Nr. L 382 S. 17) ist, soweit es um den Ausgleichsanspruch des Versicherungsvertreters geht, nicht veranlasst. Da Versicherungsvertreter von der genannten Richtlinie nicht erfasst werden, ergibt sich die Notwendigkeit einer europarechtskonformen Auslegung von § 89b HGB a.F. nicht aus dem Europarecht selbst (vgl. BGH, Urteil vom 23. November 2011 - VIII ZR 203/10, NJW-RR 2012, 674 Rn. 25). Eine europarechtskonforme Auslegung ist vorliegend auch nicht wegen des Gebots der einheitlichen Auslegung des nationalen Rechts erforderlich. Der Senat teilt die Auffassung (BGH, Urteil vom 23. November 2011 - VIII ZR 203/10, NJW-RR 2012, 674 Rn. 26-28), dass ein Wille des nationalen Gesetzgebers zur Gleichbehandlung des Ausgleichsanspruchs von Handelsvertretern mit dem von Versicherungsvertretern im zeitlichen Anwendungsbereich von § 89b HGB a.F. nicht existiert. Angesichts der dezidierten Ausführungen der Bundesregierung in BT-Drucks. 11/3077, S. 9 f., dass mit der vorgeschlagenen Regelung des § 89b Abs. 5 HGB lediglich der für Versicherungsvertreter geltende, durch Besonderheiten im Vergleich zum Warenvertreter geprägte Rechtszustand kodifiziert werden sollte, kann nicht angenommen werden, dass der Gesetzgeber, der im Jahr 1989 der Auffassung des Rechtsausschusses (BT-Drucks. 11/4559, S. 9) gefolgt ist, § 89b Abs. 1 HGB entspreche bereits den Anforderungen der genannten Richtlinie, mit der Ablehnung des Vorschlags der Bundesregierung eine Gleichbehandlung von Handelsvertretern und Versicherungsvertretern in Bezug auf den Ausgleichsanspruch vornehmen wollte.

3 Von einer weitergehenden Begründung wird abgesehen, weil sie nicht geeignet wäre, zur Klärung der Voraussetzungen beizutragen, unter denen eine Revision zuzulassen wäre.

Kniffka Eick Kosziol

Kartzke Jurgeleit

Mots-clés

legal aidnon-admission complaintinsurance agentcompensation claimformer lawdirective-conforming interpretationprospects of success