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BGH 3 StR 141/12 ΓÇó Sentencing: expired juvenile register entries may not be considered
BGH 3 StR 141/12Bgh / IIIe chambre pénale12 juin 2012Partially Granted
The BGH partially upheld the defendant’s revision against an LG Krefeld judgment for especially serious robbery, especially serious extortion robbery in concurrence, and dangerous bodily harm. The conviction remained intact, but the sentence was quashed because the trial court had treated prior juvenile register entries as aggravating factors even though they were already expungeable after the defendant had turned 24. The BGH held that such entries could no longer be considered in sentencing; only the later central-register conviction to a small fine remained relevant. The matter was remitted for a new sentencing decision, including costs of the appeal.
§ 63 Abs. 1, Abs. 4 i.V.m. § 51 Abs. 1 BZRG; § 46 Abs. 2 StGB; expired entries in the educational/juvenile register may not be used adversely in sentencing once they are deletable. If the offender has completed the 24th year of life and the entries are ripe for deletion, the sentencing court may not rely on them either for framing the penalty range or for sentence fixing. A prior juvenile detention imposed for breach of conditions does not prevent deletion where it is neither entered in the central register under § 4 Nr. 1 BZRG nor a punitive detention within the meaning of § 63 Abs. 2 BZRG (consid. 2). The error concerns only the evaluative basis of sentencing and does not require setting aside the factual findings if no separate flaw in the findings is shown (consid. 4).
Entscheidungsdatum: 2012-06-12
Aktenzeichen: 3 StR 141/12
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: § 4 Nr 1 BZRG, § 51 Abs 1 BZRG, § 63 Abs 1 BZRG, § 63 Abs 1 BZRG, § 63 Abs 4 S 1 BZRG, § 46 Abs 2 StGB
Vorinstanz: vorgehend LG Krefeld, 28. November 2011, Az: 21 KLs 36/11
Spruchkörper: 3. Strafsenat
Strafzumessung: Berücksichtigung von tilgungsreifen Eintragungen im Erziehungsregister
Im Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.
1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen besonders schweren Raubes in Tateinheit mit besonders schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Mit seiner Revision beanstandet er die Verletzung sachlichen Rechts. Das Rechtsmittel bleibt im Schuldspruch aus den Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalt ohne Erfolg (§ 349 Abs. 2 StPO). Der Strafausspruch kann jedoch nicht bestehen bleiben.
2 Die Strafkammer hat sowohl bei der Strafrahmenwahl als auch bei der Strafzumessung im engeren Sinne ausdrücklich zum Nachteil des Angeklagten erwogen, dass er bereits mehrfach strafrechtlich in Erscheinung getreten und schon mit Jugendarrest belegt worden ist. Das Landgericht hat dabei übersehen, dass der Angeklagte vor der Hauptverhandlung das 24. Lebensjahr vollendet hat und deshalb gemäß § 63 Abs. 1 BZRG alle Eintragungen im Erziehungsregister tilgungsreif waren. Sie durften daher gemäß § 63 Abs. 4 i.V.m. § 51 Abs. 1 BZRG bei der Strafzumessung nicht mehr verwertet werden. Der gegen den Angeklagten verhängte Jugendarrest wegen Zuwiderhandlungen gegen Auflagen aus der Verurteilung vom 21. September 2006 steht der Löschung der Eintragungen im Erziehungsregister gemäß § 63 Abs. 1 und 2 BZRG nicht entgegen. Er ist nach § 4 Nr. 1 BZRG weder im Zentralregister einzutragen noch stellt er als Ungehorsamsfolge einen Strafarrest im Sinne des § 63 Abs. 2 BZRG dar (BGH, Beschluss vom 1. Juli 2004 - 3 StR 179/04; StV 2004, 652).
3 Das Landgericht hätte deshalb bei Bemessung der Strafe lediglich die im Zentralregister eingetragene Verurteilung des Angeklagten vom 9. Februar 2011 zu einer geringen Geldstrafe berücksichtigen dürfen.
4 Einer Aufhebung der Feststellungen zum Strafausspruch bedarf es nicht, da lediglich ein Wertungsfehler vorliegt.
Becker Pfister Sost-Scheible
Mayer Gericke