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BGH 4 StR 523/11 ΓÇó Double chairmanship in two criminal senates; revision dismissed
BGH 4 StR 523/11Bgh / Criminal Chamber 411 janv. 2012Dismissed
The Federal Court of Justice dismissed the defendant's revision against the Flensburg Regional Court judgment. It held that the 4th Criminal Senate was properly constituted despite the president's simultaneous chairmanship of the 2nd Criminal Senate and that the defendant's right to the lawful judge was preserved. The court also rejected complaints based on § 160a StPO and alleged circular reasoning in the trial court's evaluation of evidence, finding no reversible error and no reliance on the contested material for the conviction. The defendant was ordered to pay the costs of the revision.
Art. 101 Abs. 1 S. 2 GG; § 21e, § 21f Abs. 2 S. 1 GVG; lawful judge and senate composition in case of a dual chairmanship: a presidency may assign a judge an additional chair in another senate and, by conflict rule, prioritize one function over the other if the arrangement is based on a non-arbitrary interpretation of the statutory allocation rules. The constitutional guarantee is preserved where the judge continues to perform the remaining duties in the originally assigned senate within the legally required scope. A revision complaint regarding evidentiary use of telecom data fails if the challenged information was not decisive for the judgment; the decisive question is whether the conviction rests on the alleged breach (consid. 2). The trial court need not expressly substantiate every inferential step in its evaluation of evidence; a circularity objection succeeds only where the reasoning is materially self-referential and relevant to the outcome (consid. 3).
Entscheidungsdatum: 2012-01-11
Aktenzeichen: 4 StR 523/11
Dokumenttyp: Beschluss
Normen: Art 101 Abs 1 S 2 GG, § 21e GVG, § 21f Abs 2 S 1 GVG
Vorinstanz: vorgehend LG Flensburg, 29. April 2011, Az: 1 Ks 1/10
Spruchkörper: 4. Strafsenat
Doppelvorsitz in zwei Strafsenaten des Bundesgerichtshofs
Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Flensburg vom 29. April 2011 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO). Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.
Ergänzend bemerkt der Senat:
Das Präsidium des Bundesgerichtshofs hat in Wahrnehmung der ihm nach § 21e Absatz 1 Satz 1 GVG obliegenden Aufgabe dem Vorsitzenden Richter am Bundesgerichtshof Dr. Ernemann – zusätzlich zum Vorsitz im 4. Strafsenat – den Vorsitz im 2. Strafsenat zugewiesen und bestimmt, dass im Kollisionsfall die Tätigkeit im 2. Strafsenat vorgeht. Es hat diese Regelung in willkürfreier Auslegung des § 21f Absatz 2 Satz 1 GVG und unter Berücksichtigung der dazu ergangenen höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. BGH, Urteil vom 13. September 2005 – VI ZR 137/04, NJW 2006, 154; BSG, Beschluss vom 29. November 2006 – B 6 KA 34/06 B, NJW 2007, 2717; BVerwG, Urteil vom 25. Juli 1985 – 3 C 4/85, NJW 1986, 1366) getroffen. Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof Dr. Ernemann nimmt die Aufgabe als Vorsitzender des 4. Strafsenats weiterhin in dem vom Gesetz vorausgesetzten und in der Sache gebotenen Umfang wahr. Nach der senatsinternen Geschäftsverteilung des 4. Strafsenats steht er allen Spruchgruppen als Vorsitzender vor. Im Übrigen ergibt sich die Besetzung mit der Richterin am Bundesgerichtshof Roggenbuck sowie den Richtern am Bundesgerichtshof Cierniak, Dr. Mutzbauer und Bender aus Nr. 7 der senatsinternen Geschäftsverteilung vom 27. Dezember 2011 in Verbindung mit der senatsinternen Geschäftsverteilung vom 14. Dezember 2010.
Ein Fall der Divergenz zu der Entscheidung des 2. Strafsenats vom 11. Januar 2012 – 2 StR 346/11 – liegt nicht vor, weil der 2. Strafsenat in einem späteren Urteil vom gleichen Tag – 2 StR 482/11 – diese Rechtsprechung aufgegeben hat.
Das Landgericht hat die retrograden Verbindungsdaten der Mobiltelefone des Angeklagten bei der Beweiswürdigung sowohl zu der Frage ausgewertet, dass der Angeklagte zur Tatzeit selbst über diese Mobiltelefone verfügte, als auch zum Tatablauf. Zum Zeitpunkt seiner letzten Telefonate vor der Festnahme wurde der Angeklagte observiert. Für die Beweiswürdigung war nur von Bedeutung, dass der Angeklagte in Übereinstimmung mit den Zeitangaben der retrograden Verbindungsdaten für die fraglichen Mobiltelefone telefoniert hat; dass er Kontakt zu seinem späteren Verteidiger aufnehmen wollte, hat das Landgericht in seiner Beweiswürdigung nicht verwertet.
Ernemann Roggenbuck Cierniak
Mutzbauer Bender