Revision and defendant’s absence in trial: review limited by § 344(2) StPO

BGH 3 StR 282/11Bgh / IIIe chambre pénale25 oct. 2011Dismissed

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Résumé

The Federal Court of Justice dismissed the defendant’s revision against a Regional Court of Düsseldorf judgment. The only discussed issue was the complaint that the trial had been continued in the defendant’s absence. The court reiterated that the alleged self-removal or self-absence under § 231(2) StPO is reviewed on revision in free proof, but only on the basis of a properly substantiated statement of grounds under § 344(2) StPO. Late-filed documents could not be considered. The revision was therefore unfounded, and the defendant had to pay the costs.

Regest

§ 231 Abs. 2, § 338 Nr. 5, § 344 Abs. 2 StPO; revision review of a defendant’s alleged self-removal or self-absence from the main hearing. Whether the accused left or failed to attend the resumed main hearing contrary to law is, in revision, subject to free proof, but the review is confined to the procedural facts duly pleaded in the statement of grounds (consid. 1). The revising court may not, contrary to § 344 Abs. 2 StPO, take into account facts or documents not set out within the time limit for lodging reasons of appeal. The question whether to adhere to prior Federal Court case law or to recognize a binding effect of error-free trial-court findings was left open (consid. 2).

Texte intégral

BGH — 3 StR 282/11, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-10-25

Aktenzeichen: 3 StR 282/11

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 231 Abs 2 StPO, § 338 Nr 5 StPO, § 344 Abs 2 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Düsseldorf, 23. März 2011, Az: 14 KLs 12/10 - 130 Js 48/09

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Revisionsgrund der Abwesenheit des Angeklagten in der Hauptverhandlung: Prüfung der Eigenmächtigkeit der Abwesenheit durch das Revisionsgericht

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Düsseldorf vom 23. März 2011 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO). Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Zu der Rüge, das Landgericht habe die Hauptverhandlung zu Unrecht in Abwesenheit des Angeklagten zu Ende geführt (§ 231 Abs. 2, § 338 Nr. 5 StPO), bemerkt der Senat ergänzend:

Ob sich ein Angeklagter im Sinne des § 231 Abs. 2 StPO eigenmächtig aus der Hauptverhandlung entfernt hat oder bei deren Fortsetzung eigenmächtig ausgeblieben ist, hat das Revisionsgericht nach der bisherigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zwar ausgehend vom Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Revisionsentscheidung im Freibeweis zu überprüfen, jedoch - wie auch sonst die behauptete Verletzung von Vorschriften über das Verfahren - nur auf der Grundlage eines entsprechenden Revisionsvortrags (BGH, Urteil vom 6. März 1984 - 5 StR 997/83, StV 1984, 326; Beschluss vom 3. April 2003 - 4 StR 506/02; vgl. auch Meyer-Goßner, StPO, 54. Aufl., § 231 Rn. 25). Der Auffassung, es seien entgegen § 344 Abs. 2 StPO von Amts wegen auch Umstände zu berücksichtigen, zu denen die Rechtfertigungsschrift schweigt (vgl. OLG Köln, Beschluss vom 7. August 1984 - 3 Ss 242/84, StV 1985, 50), schließt sich der Senat nicht an.

Die vom Beschwerdeführer mit Schriftsatz vom 19. Oktober 2011 - nach Ablauf der Revisionsbegründungsfrist - nachgereichten Urkunden darf der Senat somit bei seiner Entscheidung nicht mehr berücksichtigen.

Offen bleiben kann danach, ob der genannten Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs weiter zu folgen oder eine Bindung des Revisionsgerichts an rechtsfehlerfreie tatrichterliche Feststellungen zur Eigenmächtigkeit anzunehmen ist (hierzu LR/Becker, StPO, 26. Aufl., § 231 Rn. 44 mwN).

Becker Hubert Schäfer

Mayer Menges

Mots-clés

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