No fee exemption for plaintiff before the Federal Court

BGH II ZR 234/06Bgh / IIe chambre civile25 janv. 2011Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court dismissed the defendant's reminder against the cost assessment. It held that the plaintiff's alleged fee exemption under Baden-Württemberg law does not extend to proceedings before the Federal Court. Federal fee exemption is governed by the continued Reich regulation, under which the plaintiff is neither a covered institution nor a fee-exempt holder of church property with expenses exceeding income. The proceedings were declared fee-free, and no expenses were reimbursed.

Regeste Omnilex

§ 2 Abs. 5 Satz 1 GKG; land-law fee exemptions do not extend to proceedings before the Federal Court, which remain subject to the continued Reich regulation on fee exemptions. A legal entity affiliated with a church welfare organization is not as such exempt under § 1 Nr. 1 or Nr. 3 RGGebFrhV; fee exemption under § 1 Nr. 3 RGGebFrhV requires a legally independent holder of church property for ecclesiastical purposes whose income does not exceed its budgeted expenses. State-law fee exemptions apply only to proceedings before the ordinary courts of the respective Land (consid. 3-4).

Texte intégral

BGH — II ZR 234/06, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2011-01-25

Aktenzeichen: II ZR 234/06

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 2 Abs 5 Nr 1 GKG, § 7 Abs 1 Nr 4 JKostG BW, § 1 Nr 1 RGGebFrhV, § 1 Nr 3 RGGebFrhV

Vorinstanz: vorgehend OLG Stuttgart, 27. September 2006, Az: 4 U 74/06vorgehend LG Stuttgart, 22. März 2006, Az: 20 O 664/04

Spruchkörper: 2. Zivilsenat

Titelzeile

Gerichtskosten: Erstreckung der landesrechtlichen Gebührenbefreiung für das Diakonische Werk der evangelischen Kirche auf Revisionsverfahren vor dem Bundesgerichtshof

Tenor

Die Erinnerung des Beklagten gegen den Kostenansatz wird zurückgewiesen.

Das Verfahren ist gerichtsgebührenfrei. Auslagen werden nicht erstattet.

Gründe

1 Der Kostenansatz ist richtig. Die vom Beklagten gezahlten Gerichtskosten für die Revisionsinstanz sind nicht wegen einer Kostenbefreiung der Klägerin - entsprechend der Kostenverteilung im Beschluss des Senats vom7. Januar 2008 - zu einem Siebtel zurückzuzahlen.

2 Gerichtskosten sind nicht zu erheben und bereits erhobene Kosten zurückzuzahlen, soweit eine kostenbefreite Partei nach der gerichtlichen Kostenentscheidung Kosten zu tragen hat (§ 2 Abs. 5 Satz 1 GKG).

3 Die Klägerin ist vor den Gerichten des Bundes nicht kostenbefreit. Dass sie entsprechend der dem Landgericht vorgelegten Bescheinigung als Mitglied des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirche einem anerkannten Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg angeschlossen sein und nach § 7 Abs. 1 Nr. 4 des baden-württembergischen Landesjustizkostengesetzes Gebührenfreiheit genießen soll, führt nicht zur Kostenbefreiung vor dem Bundesgerichtshof. Landesrechtliche Befreiungsvorschriften gelten nur für Verfahren vor den ordentlichen Gerichten des betreffenden Landes (BGH, Beschluss vom 13. Dezember 2006 - XII ZR 83/04, NJW-RR 2007, 644 Rn. 4).

4 Für den Bund gilt die Verordnung betreffend die Gebührenfreiheit in Verfahren vor dem Reichsgericht vom 24. Dezember 1883 (RGBl 1884, I, 1, RG-GebFrhV) fort (BGH, Beschluss vom 13. Dezember 2006 - XII ZR 83/04, NJW-RR 2007, 644 Rn. 5). Danach besteht keine Kostenfreiheit für die Klägerin. Von der Zahlung von Gebühren befreit sind nach § 1 Nr. 1 RG-GebFrhV öffentliche Armen-, Kranken-, Arbeits- und Besserungsanstalten, ferner Waisenhäuser und andere milde Stiftungen, insofern solche nicht einzelne Familien oder bestimmte Personen betreffen, oder in bloßen Studienstipendien bestehen. Die Klägerin betreibt weder eine der genannten Anstalten noch ist sie eine Stiftung. Sie unterhält nach dem Tatbestand des landgerichtlichen Urteils Einrichtungen der Altenhilfe, insbesondere Altenheime, in der Rechtsform einer GmbH. Nach § 1 Nr. 3 RG-GebFrhV sind Kirchen, Pfarreien, Kaplaneien, Vikarien und Küstereien kostenbefreit, deren Einnahmen die etatmäßigen Ausgaben nicht übersteigen. Unter Kirchen im Sinn dieser Vorschrift ist das mit Kirche, Pfarrei, Vikariat, Kaplanei und Küsterei näher bezeichnete Kirchengut zu verstehen. Die Gebührenfreiheit kommt nicht den Kirchengesellschaften und Religionsgemeinschaften als solchen, sondern den in ihnen bestehenden rechtlich selbständigen Trägern von Kirchen- und Kulturzwecken dienendem Vermögen zu. Aufgrund dieser Einschränkungen ist vor dem Bundesgerichtshof nur ein als rechtsfähiger Verein oder sonst in rechtsfähiger Form errichteter, bedürftiger Träger von Kirchengut von Gerichtskosten befreit (BGH, Beschluss vom 13. Dezember 2006 - XII ZR 83/04, NJW-RR 2007, 644 Rn. 8). Weder ist die Klägerin Trägerin von Kirchengut noch ist vorgetragen, dass ihre etatmäßigen Ausgaben die Einnahmen übersteigen.

Bergmann Caliebe Drescher

Born Sunder

Mots-clés

court feesfee exemptionchurch welfarecost assessmentrevisionland lawfederal procedure

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the plaintiff's alleged land-law fee exemption extends to proceedings before the Federal Court and requires repayment of part of the revision court fees.

Solution extraite

The plaintiff is not fee-exempt before the Federal Court; the defendant's reminder against the cost assessment is unfounded.

Motifs extraits

Land-law fee exemptions apply only to proceedings before the ordinary courts of the respective Land. For federal proceedings, only the continued Reich fee exemption regulation applies. The plaintiff is neither a public institution or foundation covered by that regulation nor a fee-exempt church property holder with expenses exceeding income.

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