Criminal appeal: requirements for evidentiary motion and duty-to-investigate complaint

BGH 3 StR 462/10Bgh / IIIe chambre pénale21 déc. 2010Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice rejected the defendant’s revision against the LG Osnabrück judgment. The court held that the evidentiary-motion complaint was inadmissible because the appeal did not show that the written witness request had also been made in the main hearing. It further held that a duty-to-investigate complaint under Section 244(2) StPO would require disclosure of the police attempts to locate the witness, so this challenge also failed. The revision was therefore dismissed and the defendant was ordered to pay the costs.

Regeste Omnilex

§ 244 Abs. 2, 3 Satz 2, § 344 Abs. 2 StPO; Anforderungen an die Revisionsbegründung bei Ablehnung eines Beweisantrags wegen Unerreichbarkeit eines Zeugen. Ein außerhalb der Hauptverhandlung schriftlich gestellter Antrag ist nur dann als Beweisantrag zu behandeln, wenn vorgetragen wird, dass er in der Hauptverhandlung erneut gestellt worden ist; andernfalls fehlt es an der für die Verfahrensrüge erforderlichen Tatsachengrundlage. Für die Aufklärungsrüge ist demgegenüber der Vortrag zu den zur Aufenthaltsfeststellung des Zeugen unternommenen Ermittlungsmaßnahmen erforderlich, weil nur so geprüft werden kann, ob das Tatgericht das zur Sachaufklärung Gebotene veranlasst hat. Die Anforderungen an die Begründung der jeweiligen Rügen sind voneinander zu unterscheiden (vgl. auch die Ableitung aus den Erwägungen zu § 244 Abs. 3 Satz 2 StPO und § 244 Abs. 2 StPO).

Texte intégral

BGH — 3 StR 462/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-12-21

Aktenzeichen: 3 StR 462/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 244 Abs 2 StPO, § 244 Abs 3 S 2 StPO, § 344 Abs 2 StPO

Vorinstanz: vorgehend LG Osnabrück, 14. Juli 2010, Az: 10 KLs 7/10, Urteil

Spruchkörper: 3. Strafsenat

Titelzeile

Revisionsbegründung im Strafverfahren: Anforderungen an die Beweisantrags- und Aufklärungsrüge bei Ablehnung eines Beweisantrags wegen Unerreichbarkeit eines Zeugen

Tenor

Die Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts Osnabrück vom 14. Juli 2010 wird als unbegründet verworfen, da die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2 StPO).

Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.

Ergänzend zu den Ausführungen des Generalbundesanwalts bemerkt der Senat:

Die Rüge, das Landgericht habe den Antrag auf Vernehmung des Zeugen M. rechtsfehlerhaft abgelehnt, weil es zu Unrecht von der Unerreichbarkeit des Zeugen ausgegangen sei, bleibt ohne Erfolg.

  1. Die Rüge einer Verletzung des Beweisantragsrechts scheitert daran, dass nicht vorgetragen wird, ob der außerhalb der Hauptverhandlung schriftlich gestellte Beweisantrag auch in der Hauptverhandlung vorgebracht worden ist; denn nur dann wäre er auch als solcher zu behandeln mit der Folge einer Überprüfung seiner Ablehnung an den Vorgaben von § 244 Abs. 3 Satz 2 StPO. In Ermangelung eines entsprechenden Vortrags ist die Beweisantragsrüge unzulässig.

Soweit der Generalbundesanwalt die Rüge auch deshalb für unzulässig hält, weil der Beschwerdeführer die Bemühungen der Polizei, den Zeugen zu erreichen, nicht mitgeteilt hat, gilt Folgendes: Diese Umstände, die gegebenenfalls den von der Revision behaupteten Rechtsfehler widerlegen könnten, muss der Beschwerdeführer im Rahmen der Rüge einer Verletzung des Beweisantragsrechts nicht vortragen (noch offen gelassen in BGH, Urteil vom 4. August 1992 - 1 StR 246/92, NStZ 1993, 50). Grundlage der revisionsgerichtlichen Überprüfung ist der die Beweiserhebung ablehnende Beschluss, in dem die Voraussetzungen der Unerreichbarkeit des Zeugen darzulegen sind (vgl. BGH aaO; Meyer-Goßner, StPO, 53. Aufl., § 244 Rn. 43b).

  1. Unter dem Gesichtspunkt einer Aufklärungsrüge (§ 244 Abs. 2 StPO) bliebe der Revision ebenfalls der Erfolg versagt. Denn für die Prüfung, ob das Gericht das insoweit Erforderliche zur Aufenthaltsfeststellung des Zeugen unternommen hat, bedürfte es der Kenntnis der polizeilichen Ermittlungsversuche. Auf deren Vortrag durch die Revision könnte allein in diesem Zusammenhang nicht verzichtet werden, weshalb auch eine Aufklärungsrüge unzulässig wäre.

Becker Pfister Hubert

Schäfer Mayer

Mots-clés

revisionevidentiary motionduty to investigatewitness unavailabilityadmissibilitycriminal procedurereasoning requirementscosts

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the evidentiary motion complaint was admissible despite no showing that the written request was also made orally at the main hearing.

Solution extraite

The complaint was inadmissible because the appeal did not state that the written request had also been presented at the main hearing, which would have been necessary for treatment as an evidentiary motion under Section 244(3) sentence 2 StPO.

Motifs extraits

Only a motion raised at the main hearing qualifies as an evidentiary motion subject to review under Section 244(3) sentence 2 StPO; without that allegation, the appellate complaint lacks a necessary factual basis.

Question juridique clé

Whether the duty-to-investigate complaint could succeed without detailing police efforts to locate the witness.

Solution extraite

The complaint was also inadmissible or unsuccessful because review under Section 244(2) StPO requires knowledge of the investigative steps taken to locate the witness.

Motifs extraits

Unlike the evidentiary-motion complaint, a duty-to-investigate complaint must set out the police attempts to determine the witness's whereabouts, since those facts are necessary to assess whether the court did enough to find the witness.

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