BGH senate competence for revision in tax-related joinder

BGH 1 StR 614/10Bgh / Ire chambre pénale1 déc. 2010Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The 1st Criminal Senate of the Federal Court of Justice held that it was not competent to decide the defendant’s revision. Although the Regional Court of Halle had formed a cumulative sentence under § 55 StGB by including a prior tax-related penalty order, this did not engage the Senate’s special competence for tax and customs criminal cases, because no further decision on the tax offense was required. Competence lay with the 4th Criminal Senate as the general revision senate for the Naumburg OLG district. The case was therefore transferred accordingly.

Regeste Omnilex

§ 21e GVG; Zuständigkeit des BGH-Senats bei nachträglicher Gesamtstrafenbildung unter Einbeziehung eines Steuerdelikts in einem Verfahren wegen Nichtsteuerstraftat. Die Spezialzuständigkeit eines Strafsenats für Steuer- und Zollstrafsachen wird nicht schon dadurch begründet, dass die Rechtsfolgen einer rechtskräftigen steuerstrafrechtlichen Vorentscheidung oder eines Strafbefehls im Rahmen der Gesamtstrafenbildung nach § 55 StGB berücksichtigt werden; insoweit besteht kein eigener Entscheidungsbedarf mehr. Für die Revision ist vielmehr der nach dem Geschäftsverteilungsplan allgemein zuständige Senat berufen, sofern keine andere Spezialmaterie betroffen ist.

Texte intégral

BGH — 1 StR 614/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-12-01

Aktenzeichen: 1 StR 614/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 21e GVG, § 16 Abs 2 UWG, § 55 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Halle (Saale), 23. März 2010, Az: 22 KLs 927 Js 37851/06 - 3/08 - 927 Js 28140/10

Spruchkörper: 1. Strafsenat

Titelzeile

Spezialzuständigkeit für Steuerstrafsachen im BGH: Nachträgliche Gesamtstrafenbildung im Zusammenhang mit der Verurteilung wegen Nichtsteuerstraftat

Tenor

Das Verfahren wird zuständigkeitshalber an den 4. Strafsenat abgegeben.

Gründe

1 Das Landgericht Halle hat den Angeklagten wegen strafbarer Werbung (§ 16 Abs. 2 UWG) unter Einbeziehung einer Geldstrafe wegen Steuerhehlerei aus einem Strafbefehl zu einer Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt. Die im Strafbefehl ausgesprochene Einziehung beschlagnahmter Zigaretten hat das Landgericht aufrechterhalten.

2 Zur Entscheidung über die Revision des Angeklagten gegen dieses Urteil ist der 1. Strafsenat nicht zuständig.

3 Allein die Einbeziehung der Rechtsfolgen einer rechtskräftigen Verurteilung bzw. hier des Strafbefehls wegen eines Steuerdelikts in die nachträgliche Gesamtstrafenbildung (§ 55 StGB) im Zusammenhang mit der Verurteilung wegen einer Nichtsteuerstraftat begründet "zweifelsfrei" (vgl. BGH, Beschluss vom 16. April 1998 - 4 StR 81/98) nicht die Zuständigkeit des 1. Strafsenats aufgrund der dem 1. Strafsenat zugewiesenen Spezialzuständigkeit für Steuer- und Zollstrafsachen gemäß Geschäftsverteilungsplan des Bundesgerichtshofs 2010 (A. II. 1. Strafsenat Nr. 5). Denn insoweit besteht kein Entscheidungsbedarf mehr.

4 Das Landgericht Halle gehört zum Bezirk des Oberlandesgerichts Naumburg. Zur Entscheidung über Revisionen aus diesem Bereich in Strafsachen, die keine einem anderen Senat zugewiesene Spezialmaterie betreffen, ist der 4. Strafsenat zuständig (Geschäftsverteilungsplan A. II. 4. Strafsenat Nr. 1).

5 Der 4. Strafsenat wurde angehört. Er teilt die hier vertretene Auffassung.

6 Der 1. Strafsenat gibt deshalb die Sache gemäß der Regelung im Geschäftsverteilungsplan unter A. VI. 1. a) an den 4. Strafsenat ab.

Wahl Hebenstreit Elf

Jäger Sander

Mots-clés

jurisdictionrevisioncumulative sentencingtax offensespecial competencecriminal senatetransfer of proceedings

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Which BGH senate is competent for the revision when a tax-related sentence is only included in a later cumulative sentencing after a non-tax offense conviction?

Solution extraite

The 1st Criminal Senate lacked competence; the case had to be transferred to the 4th Criminal Senate.

Motifs extraits

The mere inclusion of the effects of a prior tax-related conviction or penalty order in a later cumulative sentence under § 55 StGB does not trigger the special competence of the 1st Criminal Senate for tax and customs criminal matters, because no substantive decision on the tax offense remains to be made. Competence therefore follows the general revision allocation for the Naumburg OLG district, which is the 4th Criminal Senate.

Question juridique clé

Whether the case should be transferred to another senate under the BGH allocation plan

Solution extraite

Yes, the matter was transferred to the 4th Criminal Senate pursuant to the BGH internal allocation rules.

Motifs extraits

Since the 1st Criminal Senate was not competent and the case did not concern a matter assigned to another specialized senate, the general allocation rule applied.

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