Timeliness of fax filing; legal aid refused

BGH I ZB 62/10Bgh / Ire chambre civile18 nov. 2010Dismissed

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The defendant sought legal aid for a planned legal complaint and appointment of Dr. S. after the Brandenburg Higher Regional Court had dismissed his appeal as inadmissible. The dispute turned on whether the faxed appeal brief had been filed in time. The Federal Court of Justice held that the complaint offered no sufficient prospect of success because it was inadmissible under § 574 Abs. 2 ZPO. The lower court had correctly relied on the fax log showing receipt only after midnight, so the brief missed the extended deadline.

Regeste Omnilex

§ 114 Satz 1, § 574 Abs. 2, § 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO; timeliness of a fax filing and requirements for admissibility of the legal complaint. For fax submissions, the decisive moment is the complete receipt of the transmitted signals by the court fax machine before expiry of the last day of the time limit; the ascertainability of that moment from the fax device's individual transmission report is sufficient. If the appellant fails to demonstrate a question of fundamental importance or a need for legal development or consistency of case law, the legal complaint is inadmissible and legal aid for the intended remedy must be refused (consid. 4-6).

Texte intégral

BGH — I ZB 62/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-11-18

Aktenzeichen: I ZB 62/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 520 Abs 2 ZPO, § 522 Abs 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend Brandenburgisches Oberlandesgericht, 18. Juni 2010, Az: 6 U 88/09vorgehend LG Potsdam, 20. Juli 2009, Az: 2 O 435/08

Spruchkörper: 1. Zivilsenat

Titelzeile

Rechtzeitigkeit des Eingangs eines per Telefax übersandten Schriftsatzes – Telefax-Signale

Tenor

Der Antrag des Beklagten, ihm Prozesskostenhilfe für das Rechtsbeschwerdeverfahren zu gewähren und Rechtsanwalt Dr. S. beizuordnen, wird abgelehnt.

Gründe

1 I. Die Klägerin nimmt den Beklagten wegen einer Urheberrechtsverletzung auf Unterlassung, Schadensersatz und Erstattung vorgerichtlicher Anwaltskosten in Anspruch. Das Landgericht hat der Klage stattgegeben. Der Beklagte hat gegen das ihm am 22. Juli 2009 zugestellte Urteil mit einem am 12. August 2009 beim Berufungsgericht eingegangenen Schriftsatz Berufung eingelegt. Mit einem am 21. September 2009 beim Berufungsgericht eingegangenen Schriftsatz hat er die Verlängerung der Berufungsbegründungsfrist bis zum 22. Oktober 2009 beantragt, die ihm gewährt worden ist. Seine Berufungsbegründung ist ausweislich des Faxprotokolls des Berufungsgerichts am 23. Oktober 2009 zwischen 0:03 und 0:05 Uhr bei Gericht eingegangen. Das Berufungsgericht hat die Berufung als unzulässig verworfen. Dagegen hat der Beklagte Rechtsbeschwerde eingelegt. Er beantragt, ihm Prozesskostenhilfe für das Rechtsbeschwerdeverfahren zu gewähren und Rechtsanwalt Dr. S. beizuordnen.

2 II. Der Antrag auf Gewährung von Prozesskostenhilfe und Beiordnung von Rechtsanwalt Dr. S. ist abzulehnen, weil die beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg bietet (§ 114 Satz 1 ZPO).

3 Die Rechtsbeschwerde ist zwar statthaft (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO), da gegen den Beschluss, mit dem das Berufungsgericht die Berufung als unzulässig verworfen hat, nach § 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO die Rechtsbeschwerde stattfindet.

4 Die Rechtsbeschwerde ist jedoch unzulässig (§ 574 Abs. 2 ZPO). Der Beklagte hat entgegen § 575 Abs. 3 Nr. 2 ZPO nicht dargelegt, dass die Entscheidung des Berufungsgerichts eine Rechtsfrage aufwirft, die grundsätzliche Bedeutung hat oder die Fortbildung des Rechts oder die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Rechtsbeschwerdegerichts erfordern. Dies ist auch sonst nicht ersichtlich.

5 In der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist geklärt, dass es für die Beurteilung der Rechtzeitigkeit des Eingangs eines per Telefax übersandten Schriftsatzes allein darauf ankommt, ob die gesendeten Signale noch vor Ablauf des letzten Tages der Frist vom Telefaxgerät des Gerichts vollständig empfangen (gespeichert) worden sind und dass sich dieser Zeitpunkt mit der Einzelverbindungsübersicht des Telefaxgerätes zuverlässig bestimmen lässt (BGH, Beschluss vom 25. April 2006 - IV ZB 20/05, BGHZ 167, 214 Rn. 18).

6 Das Berufungsgericht hat seiner Entscheidung diese Grundsätze zugrunde gelegt. Es hat die Berufung mit Recht wegen der Versäumung der Berufungsbegründungsfrist gemäß § 522 Abs. 1 ZPO als unzulässig verworfen, weil die Berufungsbegründung ausweislich des Faxprotokolls erst am 23. Oktober 2009 zwischen 0:03 und 0:05 Uhr und damit nach Ablauf der bis zum 22. Oktober 2009 verlängerten Berufungsbegründungsfrist per Telefax bei Gericht eingegangen ist.

Bornkamm Pokrant Büscher

Kirchhoff Koch

Mots-clés

fax filingdeadlineappeal inadmissibilitylegal aidprocedural time limittelefax receipt

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether legal aid should be granted for the intended appeal on the legal complaint/revision stage

Solution extraite

Legal aid was refused because the intended legal remedy had no sufficient prospect of success.

Motifs extraits

The complaint was inadmissible since the defendant did not show a reviewable legal question meeting the requirements of § 574 Abs. 2 ZPO; the lower court correctly treated the faxed brief as late.

Question juridique clé

Whether the appeal brief filed by fax was timely

Solution extraite

The brief was untimely because the fax signals were fully received only after midnight on 23 October 2009, i.e. after the extended deadline expired.

Motifs extraits

For fax filings, timeliness depends solely on whether the transmitted signals were fully received by the court fax machine before the deadline; the fax log showed receipt only between 0:03 and 0:05 on 23 October 2009.

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