Single offense in facilitating minors' sexual acts through mediation

BGH 4 StR 374/10Bgh / Criminal Chamber 44 nov. 2010Partially Granted

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court of Justice partly granted the defendant’s appeal against a conviction for facilitating sexual acts of a minor. It held that the defendant’s conduct in allowing a 17-year-old to work in his brothel and thereby arranging customer contacts was a single offense, not three separate real-concurrent acts. The three individual sentences therefore fell away, but the one-year suspended total sentence was left standing. The defendant was ordered to bear the costs of the appeal.

Regeste Omnilex

§ 180 Abs. 2 Alt. 2 StGB; concurrence in facilitating sexual acts by mediation: If the defendant’s contribution consists only in enabling a minor to engage in prostitution in a brothel and thereby creating contacts with customers, and no separate mediation acts relating to individual customers are established, the conduct forms a single offense. Correcting the concurrence assessment does not require a new sentence if the appellate court can exclude a lower penalty; under § 354 Abs. 1 StPO the imposed overall sentence may remain in force. Partial appellate success does not necessarily justify relieving the appellant of costs under § 473 Abs. 4 StPO.

Texte intégral

BGH — 4 StR 374/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-11-04

Aktenzeichen: 4 StR 374/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 52 StGB, § 53 StGB, § 180 Abs 2 Alt 2 StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Essen, 29. April 2010, Az: 25 KLs 51/09 - 12 Js 988/09, Urteil

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger: Konkurrenzverhältnis beim Vorschubleisten durch Vermittlung

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Essen vom 29. April 2010 dahin geändert, dass der Angeklagte wegen Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger zu der Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt wird, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt ist.

  2. Die weiter gehende Revision wird verworfen.

  3. Der Angeklagte trägt die Kosten des Rechtsmittels.

Gründe

1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger in drei Fällen zu der Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt und deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt. Hiergegen richtet sich die auf die nicht ausgeführte Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel hat den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen Teilerfolg; im Übrigen ist es unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

2 Die Annahme von drei selbständigen, real konkurrierenden Taten der Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger gemäß § 180 Abs. 2 2. Alt. StGB hält einer rechtlichen Prüfung nicht stand. Die Strafkammer hat das nach § 180 Abs. 2 2. Alt. StGB tatbestandsmäßige Vorschubleisten durch Vermittlung (vgl. BGH, Urteil vom 10. März 1998 - 1 StR 745/97, BGHR StGB § 180 Abs. 2 Bestimmen 1; KG, NJW 1977, 2223, 2225; Perron/Eisele in Schönke/Schröder, StGB, 28. Aufl., § 180 Rn. 8; Hörnle in LK, StGB, 12. Aufl., § 180 Rn. 16 f.; MünchKommStGB/Renzikowski § 180 Rn. 29) zutreffend darin gesehen, dass der Angeklagte dem 17jährigen Tatopfer auf Betreiben des gesondert Verfolgten P. die Ausübung einer Prostitutionstätigkeit in seinem als Tagesbordell organisierten Bordellbetrieb gestattete, wodurch die zu entgeltlichen sexuellen Handlungen führenden Kontakte zwischen dem Tatopfer und den das Bordell aufsuchenden Freiern hergestellt wurden. In dieser Handlung erschöpfte sich aber der Tatbeitrag des Angeklagten, der für sämtliche sexuellen Handlungen während der an drei Tagen im Tatzeitraum entfalteten Prostitutionsausübung des Tatopfers ursächlich war. Weitere konkrete Vermittlungstätigkeiten des Angeklagten, welche sich auf die Kontakte zu einzelnen Freiern bezogen, hat die Strafkammer nicht festgestellt. Das Tun des Angeklagten stellt sich daher als einheitliche Tat nach § 180 Abs. 2 2. Alt. StGB dar (vgl. BGH, Urteil vom 20. September 1996 - 2 StR 289/96, insoweit in NStZ 1997, 145 nicht abgedruckt).

3 Da ergänzende tatsächliche Feststellungen, welche eine andere Beurteilung der Konkurrenzfrage rechtfertigen könnten, nicht zu erwarten sind, ändert der Senat den Schuldspruch entsprechend. § 265 StPO steht nicht entgegen, weil sich der Angeklagte gegen den geänderten Schuldvorwurf nicht wirksamer als geschehen hätte verteidigen können. Die Änderung des Schuldspruchs führt zum Wegfall der drei Einzelstrafen. Die von der Strafkammer festgesetzte Gesamtstrafe kann dagegen in entsprechender Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO als Strafe für die einheitliche Tat bestehen bleiben. Der Senat kann ausschließen, dass der Tatrichter bei zutreffender Bewertung des Konkurrenzverhältnisses, die den Unrechts- und Schuldgehalt der von dem Angeklagten begangenen Tat unberührt lässt (vgl. BGH, Beschluss vom 9. Mai 2010 - 4 StR 592/09), auf eine niedrigere Freiheitsstrafe erkannt hätte.

4 Der nur geringfügige Erfolg der Revision rechtfertigt es nicht, den Angeklagten teilweise von den durch das Rechtsmittel entstandenen Kosten und Auslagen freizustellen (§ 473 Abs. 4 StPO).

Ernemann Solin-Stojanović Roggenbuck

Franke Bender

Mots-clés

concurrencefacilitationminorprostitutionprobationappeal costssentencing

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the defendant's conduct constituted three separate offenses or one unitary offense under Section 180(2) Alt. 2 StGB.

Solution extraite

The defendant's conduct amounted to a single offense of facilitating sexual acts involving a minor; the lower court wrongly assumed three real-concurrent acts.

Motifs extraits

The defendant's contribution consisted only in allowing the 17-year-old victim to work in his brothel and thereby creating contacts with customers. No separate mediation acts linked to individual customers were established, so the conduct was exhausted in one continuous act of facilitation.

Question juridique clé

Whether the sentence had to be adjusted after correcting the concurrence analysis.

Solution extraite

The three individual sentences fell away, but the one-year suspended total sentence could remain in force as the sentence for the single offense.

Motifs extraits

The corrected concurrence did not change the wrongfulness or culpability of the conduct. The court excluded that the trial judge would have imposed a lower sentence had the concurrence been assessed correctly.

Question juridique clé

Whether the defendant had to bear the costs of the appeal despite partial success.

Solution extraite

Because the appeal succeeded only slightly, the defendant remained responsible for the costs of the legal remedy.

Motifs extraits

The limited success did not justify relieving him from appellate costs and expenses.

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