No reduction of attorney’s fee in old cost-taxation cases

BGH VI ZB 86/09Bgh / Civil Chamber 64 nov. 2010Modified

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

After the plaintiff lost a traffic-accident damages suit, the defendant sought costs. The Berlin Regional Court and the Kammergericht had reduced the defendant’s recoverable litigation fee by applying the pre-litigation business fee offset. The Federal Court of Justice allowed the defendant’s legal complaint, holding that in still-pending cost-taxation proceedings § 15a RVG applies and the offset does not reduce the reimbursable litigation fee under Nr. 3100 VV RVG. The cost order was amended to add EUR 290.07 plus interest, and the plaintiff had to bear the costs of the appellate proceedings.

Regeste Omnilex

§ 15a RVG; Vorbem. 3 Abs. 4 VV RVG; Nr. 3100 VV RVG; § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO: In pending cost-taxation proceedings, the pre-litigation business fee does not reduce the reimbursable litigation fee inter partes. The offset rule affects only the lawyer’s internal remuneration relationship, not the statutory cost claim of the prevailing party. This applies also to old cases before the reform of 30 July 2009, provided the taxation is not yet finally concluded (consid. 4 ff.). The prevailing party may therefore claim reimbursement of the full 1.3 litigation fee; a taxation based on a 0.65 fee is erroneous and must be amended by the appellate court if the matter is ripe for decision (consid. 6).

Texte intégral

BGH — VI ZB 86/09, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-11-04

Aktenzeichen: VI ZB 86/09

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 15a RVG vom 30.07.2009, Vorbem 3 Abs 4 RVG-VV, Nr 3100 RVG-VV, § 91 Abs 2 S 1 ZPO

Vorinstanz: vorgehend KG Berlin, 16. November 2009, Az: 27 W 81/09, Beschlussvorgehend LG Berlin, 22. Juni 2009, Az: 17 O 286/08, Beschluss

Spruchkörper: 6. Zivilsenat

Titelzeile

Rechtsanwaltsgebühr: Anrechnung der vorgerichtlichen Geschäftsgebühr auf die Verfahrensgebühr in Altfällen vor der gesetzlichen Neuregelung

Tenor

Auf die Rechtsbeschwerde des Beklagten wird der Beschluss des 27. Zivilsenats des Kammergerichts ohne Datum, Aktenzeichen 27 W 81/09, dem Beklagten zugestellt am 16. November 2009, aufgehoben.

Auf die sofortige Beschwerde des Beklagten wird der Kostenfestsetzungsbeschluss der Rechtspflegerin des Landgerichts Berlin vom 22. Juni 2009 - 17 O 286/08 - dahin abgeändert, dass über die dort festgesetzten Kosten hinaus die von dem Kläger an den Beklagten aufgrund des Urteils des Landgerichts Berlin vom 21. April 2009 zu erstattenden Kosten auf weitere 290,07 € nebst Zinsen in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 24. April 2009 festgesetzt werden.

Der Kläger hat die Kosten der Rechtsmittelverfahren zu tragen.

Streitwert: 290,07 €

Gründe

I.

1 Die Parteien streiten um Schadensersatz nach einem Verkehrsunfall. Das Landgericht hat die Klage durch vorläufig vollstreckbares Urteil vom 21. April 2009 abgewiesen und dem Kläger die Kosten des Rechtsstreits auferlegt. Hierauf gestützt hat der Beklagte mit am 24. April 2009 beim Landgericht eingegangenem Schriftsatz die Festsetzung von Kosten in Höhe von 1.139,43 € gegen den Kläger beantragt. Darin war nach einem Streitwert von 6.512,50 € eine 1,3-fache Verfahrensgebühr gemäß Nr. 3100 VV RVG in Höhe von 487,50 € netto enthalten.

2 Die Rechtspflegerin beim Landgericht hat die nach einem Streitwert von 6.512,50 € bemessenen Kosten des Beklagten auf insgesamt 849,36 € festgesetzt und dabei die Verfahrensgebühr mit Rücksicht auf die außergerichtlich angefallene Geschäftsgebühr der Prozessbevollmächtigten des Beklagten nur hälftig in Höhe von 243,75 € netto in Ansatz gebracht. Die sofortige Beschwerde des Beklagten mit dem Ziel, die Anrechnung der außergerichtlichen Gebühr zu beseitigen, hatte keinen Erfolg. Mit der vom Beschwerdegericht zugelassenen Rechtsbeschwerde verfolgt der Beklagte seinen Antrag auf Festsetzung der ungekürzten 1,3-fachen Verfahrensgebühr weiter.

II.

3 Die statthafte und auch im Übrigen zulässige Rechtsbeschwerde (§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, § 575 ZPO) hat Erfolg.

4 Die Auffassung des Beschwerdegerichts, dass es nach Teil 3 Vorbemerkung 3 Abs. 4 VV RVG zu einer Kürzung der von dem Beklagten angesetzten Verfahrensgebühr gemäß Nr. 3100 VV RVG auf den 0,65-fachen Satz kommen müsse, woran § 15a RVG nichts ändere, hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand.

5 Nach der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, der sich der Senat bereits in mehreren Entscheidungen angeschlossen hat, ist § 15a RVG auch auf noch nicht abgeschlossene Kostenfestsetzungsverfahren anzuwenden. Danach ist auch für die Zeit vor Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung von Verfahren im anwaltlichen und notariellen Berufsrecht, zur Errichtung einer Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft sowie zur Änderung sonstiger Vorschriften vom 30. Juli 2009 (BGBl. I S. 2449) davon auszugehen, dass die in Vorbemerkung 3 Abs. 4 VV RVG angeordnete Anrechnung für die Höhe der gesetzlichen Gebühren, deren Erstattung § 91 Abs. 2 Satz 1 ZPO im Verhältnis der Prozessparteien untereinander vorsieht, ohne Bedeutung ist, so dass eine obsiegende Prozesspartei die Erstattung einer ungekürzten Verfahrensgebühr nach Nr. 3100 VV RVG beanspruchen kann (vgl. BGH, Beschlüsse vom 2. September 2009 - II ZB 35/07, NJW 2009, 3101 Rn. 6 ff.; vom 9. Dezember 2009 - XII ZB 175/07, NJW 2010, 1375, Rn. 11 ff.; vom 3. Februar 2010 - XII ZB 177/09, AGS 2010, 106 unter III 3; vom 11. März 2010 - IX ZB 82/08, juris, Rn. 6; vom 29. April 2010 - V ZB 38/10, AGS 2010, 263 unter III 1; vom 10. August 2010 - VIII ZB 15/10, z.V.b., Rn. 9 f.).

6 Die Rechtsbeschwerde rügt danach zu Recht, dass das Beschwerdegericht die angemeldete Verfahrensgebühr nach Nr. 3100 VV RVG nur gekürzt und nicht mit dem 1,3-fachen Satz in Ansatz gebracht hat. Da in der Sache keine weiteren Feststellungen zu treffen sind, sondern der Sachverhalt zur Endentscheidung reif ist, entscheidet der Senat gemäß § 577 Abs. 5 ZPO selbst.

Galke Zoll Wellner

Diedrichsen Stöhr

Mots-clés

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Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the pre-litigation business fee must reduce the litigation fee in pending old cost-taxation proceedings.

Solution extraite

No. For unresolved cost-taxation proceedings, § 15a RVG applies; the offset under Vorbem. 3 Abs. 4 VV RVG does not reduce the reimbursable statutory litigation fee under Nr. 3100 VV RVG between the parties.

Motifs extraits

The court follows its later case law: the statutory fee reimbursement under § 91(2) sentence 1 ZPO is governed by the full litigation fee. The pre-litigation offset is irrelevant for inter partes cost reimbursement, even for periods before the 30 July 2009 reform, so the defendant may recover the uncut 1.3 fee.

Question juridique clé

Whether the cost taxation must be increased by the difference caused by the improper fee reduction.

Solution extraite

Yes. The taxation had to be amended to include the additional 290.07 euros plus interest from 24 April 2009.

Motifs extraits

Because the fee had been wrongly reduced to 0.65 instead of 1.3, the cost order was incomplete and had to be corrected without further factual findings.

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