Forfeiture of vehicle-rental funds in drug trafficking case

BGH 4 StR 277/10Bgh / Criminal Chamber 419 oct. 2010Modified

Extrait par Omnilex

Résumé Omnilex

The Federal Court partly granted K.'s appeal in a drug-trafficking case. It reduced the forfeiture value order from EUR 41,600 to EUR 12,000, holding that only the drug proceeds themselves were forfeitable, while money advanced to pay rental and toll expenses for transport vehicles had been received for the execution of the offenses and not from or for the offenses. B.'s appeal and the remainder of K.'s appeal were dismissed. The defendants had to bear the costs of their remedies.

Regeste Omnilex

§§ 73 Abs. 1 S. 1, 73a StGB; forfeiture and substitute value forfeiture in drug-trafficking logistics. Only assets obtained as proceeds of the offense or as remuneration for the offense are subject to forfeiture; funds merely advanced to finance the operational execution of the offense, such as vehicle rental and toll expenses for a trafficking transport, are neither 'obtained from the offense' nor 'for the offense' within the meaning of § 73 StGB. Determinative is whether the asset flows to the offender as benefit for the unlawful act itself or merely as working capital for its implementation (consid. 3-7). Substitute forfeiture under § 74c StGB is likewise excluded where the money is used according to its intended purpose and no frustration act exists. Minor partial success of a remedy does not necessarily justify cost apportionment under § 473 Abs. 4 StPO.

Texte intégral

BGH — 4 StR 277/10, Beschluss

Entscheidungsdatum: 2010-10-19

Aktenzeichen: 4 StR 277/10

Dokumenttyp: Beschluss

Normen: § 73 Abs 1 S 1 StGB, § 73a StGB

Vorinstanz: vorgehend LG Stendal, 21. Dezember 2009, Az: 501 KLs 5/09, Urteil

Spruchkörper: 4. Strafsenat

Titelzeile

Verfallsanordnung: Verfall von für die Bezahlung der Mietkosten der für den Drogentransport angemieteten Fahrzeuge überlassenen Geldbeträgen

Tenor

  1. Auf die Revision des Angeklagten K. wird das Urteil des Landgerichts Stendal vom 21. Dezember 2009, soweit es ihn betrifft, aufgehoben, soweit der Verfall des Wertersatzes von mehr als 12.000 € angeordnet worden ist; die weiter gehende Verfallsanordnung entfällt.

  2. Die Revision des Angeklagten B. und die weiter gehende Revision des Angeklagten K. werden verworfen.

  3. Die Beschwerdeführer tragen die Kosten ihrer Rechtsmittel.

Gründe

1 Das Landgericht hat die Angeklagten wegen bandenmäßigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in sieben Fällen schuldig gesprochen. Es hat gegen den Angeklagten B. eine Gesamtfreiheitsstrafe von neun Jahren und gegen den Angeklagten K. eine solche von sieben Jahren verhängt. Außerdem hat es den Verfall von Wertersatz gegen den Angeklagten B. in Höhe von 12.000 € und gegen den Angeklagten K. in Höhe von 41.600 € angeordnet.

2 Mit ihren Revisionen rügen die Angeklagten die Verletzung formellen und materiellen Rechts. Das Rechtsmittel des Angeklagten K. hat mit der Sachrüge den aus der Beschlussformel ersichtlichen geringfügigen Teilerfolg; im Übrigen sind die Revisionen unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.

3 1. Die Anordnung des Wertersatzverfalls gegen den Angeklagten K. hält nur in Höhe von 12.000 € rechtlicher Überprüfung stand. Dieser Betrag stellt den Gesamterlös dar, den der Angeklagte K. aus den getätigten Drogengeschäften in den abgeurteilten Fällen erlangt hat.

4 Hinsichtlich des diesen Erlösanteil übersteigenden Betrages in Höhe von 29.600 €, der dem Angeklagten im Zusammenhang mit der Anmietung einer Sattelzugmaschine und eines Trailers sowie für Mautgebühren zugeflossen ist, liegen die Voraussetzungen einer Verfallsanordnung gemäß § 73 Abs. 1 Satz 1, § 73a StGB nicht vor. Nach § 73 Abs. 1 Satz 1 StGB unterliegt dem Verfall, was der Täter für die Tat oder aus der Tat erlangt hat. "Aus der Tat erlangt" sind alle Vermögenswerte, die dem Täter unmittelbar aus der Verwirklichung des Tatbestandes selbst in irgendeiner Phase des Tatablaufs zufließen, insbesondere also die Beute; "für die Tat erlangt" sind demgegenüber Vermögenswerte, die dem Täter als Gegenleistung für sein rechtswidriges Handeln gewährt werden, aber – wie etwa ein Lohn für die Tatbegehung - nicht auf der Tatbestandsverwirklichung selbst beruhen (BGH, Urteil vom 2. Dezember 2005 – 5 StR 119/05, BGHSt 50, 299, 309 f.; Urteil vom 22. Oktober 2002 – 1 StR 169/02, NStZ-RR 2003, 10).

5 Nach den Feststellungen war es Bestandteil der Bandenabrede, dass der Angeklagte K. sein Gewerbe erweitert und für die Spedition eine Zugmaschine sowie einen Trailer anmietet, um diese bei sich bietender Gelegenheit im Interesse der Bande zum Transport von größeren Betäubungsmittelmengen zu verwenden. Die monatlichen Kosten für die Anmietung der Zugmaschine und des Trailers sowie die Mautgebühren sollten von den in den Niederlanden ansässigen Bandenmitgliedern getragen werden. Bei dieser Sachlage hat der Angeklagte K. den Geldbetrag, der ihm zur Deckung der Mietkosten und der Mautgebühren überlassen wurde, nicht für die Taten, sondern für deren Durchführung erlangt. Der festgestellte Sachverhalt ist mit der Geldübergabe an einen Drogenkurier zur Finanzierung der Kurierfahrt und der damit verbundenen Aufenthalte (vgl. hierzu BGH, Beschluss vom 9. November 2006 – 5 StR 453/06; a. A. zu Reisespesen aber: BGH, Beschluss vom 20. Februar 1993 – 1 StR 808/92, BGHR StGB § 74 Abs. 1 Tatmittel 4; Beschluss vom 23. Juli 2002 – 3 StR 240/02, BGHR StGB § 73 Erlangtes 3) nicht vergleichbar.

6 Auch eine Wertersatzeinziehung gemäß § 74c StGB ist für den Betrag in Höhe von 29.600 € nicht möglich. Die im Sinne der Bandenabrede bestimmungsgemäße Verwendung der Gelder für die Spedition kann nicht zugleich als Vereitelungshandlung gemäß § 74c StGB angesehen werden (vgl. BGH, Beschluss vom 20. September 1991 – 2 StR 387/91, BGHR StGB § 74c Abs. 1 Vereitelung 1).

7 Der angeordnete Verfall ist daher in entsprechender Anwendung des § 354 Abs. 1 StPO aufzuheben, soweit er 12.000 € übersteigt.

8 2. Zu den erhobenen Befangenheitsrügen gemäß § 338 Nr. 3 StPO des Angeklagten B. bemerkt der Senat ergänzend zu den Ausführungen des Generalbundesanwalts in seiner Antragsschrift vom 15. Juli 2010, dass ungeachtet der Unbegründetheit der Rügen das Ablehnungsrecht des Angeklagten ersichtlich rechtsmissbräuchlich ausgeübt worden ist.

9 3. Der nur geringe Teilerfolg der Revision rechtfertigt es nicht, den Angeklagten K. nach § 473 Abs. 4 StPO teilweise von den durch sein Rechtsmittel entstandenen Kosten und Auslagen freizustellen.

Ernemann Solin-Stojanović Cierniak

Franke Bender

Mots-clés

forfeituresubstitute forfeituredrug traffickingproceeds of offensetransport costsvehicle rentaltollsappeal costsbias complaint

Extrait par Omnilex

Question juridique clé

Whether the forfeiture value order against K. could extend beyond EUR 12,000 to include EUR 29,600 paid for vehicle rental and tolls.

Solution extraite

Only EUR 12,000, the proceeds K. obtained from the drug deals, were subject to forfeiture; the EUR 29,600 used to finance the transport operation was not.

Motifs extraits

Money provided to K. to cover rental costs and tolls was received for the execution of the offenses, not from or for the offenses within the meaning of §§ 73, 73a StGB. The funds were earmarked as operating expenses of the trafficking logistics.

Question juridique clé

Whether the forfeiture order could be replaced by substitute confiscation under § 74c StGB for EUR 29,600.

Solution extraite

No substitute confiscation was possible for that amount.

Motifs extraits

The intended use of the money for the transport operation could not at the same time be treated as an act of frustration under § 74c StGB.

Question juridique clé

Whether B.'s challenge based on judicial bias succeeded.

Solution extraite

The bias complaints were unfounded; the court additionally noted abusive exercise of the right to challenge.

Motifs extraits

The complaints did not justify relief, and the right of challenge was evidently exercised abusively.

Question juridique clé

Whether K. should be partially exempted from the costs of his unsuccessful appeal due to partial success.

Solution extraite

No partial cost relief was warranted because the success was only minor.

Motifs extraits

The limited partial success did not justify allocating part of the appellate costs and expenses to the state.

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